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Vom Arztdasein in Amerika

Arbeiten am Wochenende

Mittwoch, 15. November 2017

Zwei Deutsche sind bei mir in den USA zu Besuch, und man merkt ihnen an, dass sie nicht nur die USA nicht besonders gut kennen, sondern auch nicht im Gesundheits­bereich tätig sind, denn sie nehmen dieses vor allem aus Sicht von Patienten und ihren Angehörigen wahr. Trotzdem sind ihre spontanen Reaktionen auf meine Schilderungen für mich sehr erhellend, geben sie doch eine bestimmte Sicht aus dem Blickwinkel eines spezifischen, in diesem Fall des deutschen, Gesundheitswesens wieder.

So erleben sie mein Arbeitspensum hautnah, und am Sonntagabend erzählte ich ihnen von meiner Visite am Wochenende, von den Entlassungen am Sonntagnachmittag, der MRT-Diagnostik am Samstagabend, meinen Punktionen am Sonntagmorgen und vielem mehr. „Am Wochenende“, wie eine der Bekannten mir sagte, „sieht man im deutschen Krankenhaus den Arzt so gut wie gar nicht und entlassen wird man auch nur in Ausnahmefällen“. „Außerdem werden Punktionen, vor allem wenn sie routinemäßig wie bei Ihnen durchgeführt werden, nicht am Sonntag gemacht, sondern auf Montag verschoben“, und erzählt mir gleich von zwei Beispielen, die sie an sich und einem Familienangehörigen erlebt hatte.

Dass in US-Krankenhäusern der Krankenhaustag zu 80 bis 90 Prozent auf dem Niveau eines normalen Wochentages abläuft, will ihnen gar nicht so recht in den Kopf. Dass ich genauso spät am Sonntag nach Hause komme, wie zum Beispiel an einem Dienstag, ebenfalls nicht.

Ob die Sichtweise dieser zwei Bekannten repräsentativ für das deutsche Krankenhaus­wesen ist, will ich gar nicht an dieser Stelle erörtern, genauso wenig, ob mein Alltag den durchschnittlichen amerikanischen Krankenhausalltag am Wochenende wieder­gibt. Doch Pars pro Toto existieren eben doch deutliche Unterschiede, wie ein Krankenhaus an einem Samstag oder Sonntag in diesen beiden Ländern betrieben wird.

Zeit ist Geld, wie man stets sagt, und weil Geld in den USA die wichtigste Ressource oft zu sein scheint, ticken eben die Uhren auch am Wochenende unermüdlich und es wird (fast) genauso viel gearbeitet wie an einem Wochentag.

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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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