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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Facharztprüfung in den USA

Montag, 27. November 2017

Das Schreiben einer amerikanischen Facharztprüfung wird mit modernsten Mitteln durchgeführt. Wie das in Deutschland ist, kann ich nicht beurteilen, doch kurz möchte ich die jüngst von mir geschriebene Prüfung in der Geriatrie, also der Altersmedizin, darstellen.

Nachdem ich knapp 2.500 US-Dollar an Prüfungskosten bezahlt und diverse Dokumente eingereicht hatte, wurde mir ein Termin Mitte November zugeteilt. Ich konnte hierbei unter Hunderten Prüfungsorten in den USA wählen und entschied mich für einen im südlichen Minnesota. Morgens um sieben Uhr stand ich im Prüfungs­zentrum in einer Schlange und wurde um halb acht als Zweiter eingelassen.

Zunächst wurden mir die Regeln des Prüfungszentrums vorgelegt, also knapp drei Seiten an Dokumenten ausgehändigt. Fünf Minuten lang mussten wir das lesen und dann wurden wir einzeln von dem ersten der drei Mitarbeiter an den Empfangs­schreibtisch gerufen. Wir mussten unseren Namen und die abzulegende Prüfung dieser Person mitteilen, wurden dann auf einer elektronischen Liste abgehakt. Danach mussten uns mittels zweier Identifikationsmitteln ausweisen, von uns wurde ein Bild gemacht und von beiden Händen wurden unsere Handvenen als Erkennungsmerkmal elektronisch eingelesen.

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Dann nahm uns die zweite Person in Empfang, wir wurden durchsucht, mussten alle elektronischen Geräte und auch Armbanduhren abgeben, unsere Hosentaschen leeren und wenn man, wie ich, Bonbons mitnehmen wollte, mussten diese vor der Person ausgepackt und in einer Hand sichtbar hinein in das Prüfungszimmer getragen werden.

Dort setzten wir uns vor einem Bildschirm, mussten die Hände auf den Tisch legen während der Rechner entsperrt wurde. Dann endlich konnten wir loslegen, ein Programm zur Erklärung der Prüfung durcharbeiten und endlich begannen wir mit der Beantwortung der Prüfungsfragen.

Es waren jeweils 60 Mehrfachauswahlfragen mit klinischem Bezug pro Abschnitte, insgesamt vierAbschnitte, wobei viele Video- und Audiodateien gezeigt wurden. Die Zeit war gut bemessen, wie ich fand. Eine Videokamera war genau auf mich gerichtet und hielt jede meiner Bewegungen fest und der Beobachtungsbildschirm wurde vom dritten Angestellten dauernd überwacht. Selbst das Kratzen an meiner Nase und jede Schweißperle wurden genau registriert.

Ich durfte nur Pausen zwischen den jeweiligen Abschnitten machen, alles andere wurde als „irreguläres Benehmen“ aufgenommen und der Prüfungskommision zugeleitet. Insgesamt hatten wir anderthalb Stunden Zeit für die Pause, also knapp elf Stunden an Prüfungsdauer. Ich durfte nur aufstehen wenn ich meine Hand hob und von einem Angestellten abgeholt wurde, um dann von diesem zur Tür begleitet zu werden um die Venenstruktur meiner Hand überprüft zu bekommen. Immerhin hätte ich ja während der Prüfung eine andere Person plötzlich werden können. Diese Handvenenprüfung wurde jeweils beim Betreten wie auch Verlassen des Prüfungssaales kontrolliert.

Nach knapp elf Stunden war dann alles vorüber, und ich erhielt einen Ausdruck über das erfolgreiche Ablegen der Facharztprüfung. In drei Monaten weiß ich ob ich bestanden habe. 

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