Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Trumps Steuerreform

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Es wird viel im Kollegenkreis über den US-Präsidenten Donald Trump geschimpft und gezetert. Manche von uns wählten ihn zwar heimlich, so wie manche wohl in Deutschland die AfD, in Österreich die FPÖ oder in der Schweiz die SVP wählen, stimmen dann aber laut in den Chor der Trumpkritik ein. Das ist durchaus legitim, denn nicht jeder ist tolerant gegenüber abweichenden Meinungen.

Im Allgemeinen fährt man bei der Äußerung seiner Meinung mit folgender Faustformel gut: Je akademischer und urbaner das Umfeld, je größer der Kreis der Diskutanten, umso sicherer werden linksliberale Ansichten, die irgendwo zwischen der Mitte und dem linken Flügel der demokratischen Partei zu verorten sind, geäußert.

Da ich mich vor allem in urbaneren und akademischeren Krankenhäusern bewege, ist es hier als Arzt im Regelfall chic über Donald John Trump nicht positiv zu reden, sondern zu schimpfen. Doch etwas hat sich verändert seit jener Steuerreform, die im Dezember 2017 parlamentarisch und präsidial beschlossen und abgesegnet wurde und zu einer Reduktion der Steuerschuld fast aller Bürger geführt hat.

Anzeige

Plötzlich zahlt ein Kollege statt 24% eben 22,5%, ein anderer 19,4% statt ehemals 21%. Das macht dann oft mehrere Tausend amerikanische Dollar mehr an Netto­einnahmen aus, und ich kenne kaum einen der nicht von dieser Steuerreform profitiert. Deshalb erfreuen sich im Internet jene Rechner größerer Beliebtheit, welche die zu erwartenden Ersparnisse zwischen 2017 (vor der Steuerreform) und 2018 (das erste Jahr mit umgesetzter Steuerreform) vergleichen.

Plötzlich meine ich eine bisher nicht so vernommene Milde gegenüber Donald Trumps Politik in Diskussionen zu hören. Es ist als hätte der US-Präsident einen Großteil seiner Kritiker zwar nicht mundtot, aber doch verständnisvoller ihm gegenüber gemacht. Anscheinend sind manche von uns wohl doch käuflich.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Alle Blogs
Vom Arztdasein in Amerika
Global Health
Gesundheit
Pflegers Schach med.
Frau Doktor
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. McCoy
Das lange Warten
Sea Watch 2
PJane
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Polarpsychiater
praxisnah