Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Amerikaner leben kürzer

Mittwoch, 10. Januar 2018

Im Jahr 2015 nahm die durchschnittliche Lebenserwartung für US-Amerikaner ab und dieser Trend setzt sich bedauerlicherweise auch 2016 fort: Statt 78,9 Jahren wie im Jahr 2014 werden Amerikaner nunmehr 78,6 Jahre alt, also ganze drei Monate lebt man kürzer. Diese Abnahme ist stärker bei Männern (2014: 76,5 Jahre, 2016: 76,1 Jahre) ausgeprägt als bei Frauen (2014: 81,3 Jahre, 2016: 81,1 Jahre), doch beide Geschlechter sind betroffen.

Geht es den Menschen in den USA wirklich so schlecht? Die Wirtschaft brummt, die Zahl der Krankenversicherten steigt seit Jahren, es gibt (noch) keinen großen Krieg und fast alle Indikatoren wie Lebenszufriedenheit, Durchschnittsverdienst und persönlicher Optimismus steigen. Was ist also die Ursache hinter diesem Trend?

Die Antwort ist denkbar einfach und wird in einem lesenswerten Artikel des links­liberalen Nachrichtensenders CNN korrekt wieder gegeben: Die Zahl der Drogentoten steigt seit Jahren deutlich an und ist Hauptursache dieser Entwicklung.

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Zwar haben Selbstmordfälle leicht zugenommen, auch die Zahl der an Alterssenilität (an erster Stelle der Morbus Alzheimer) und Schlaganfall Gestorbenen ging in den letzten zwei Jahren stetig in die Höhe, doch vor allem die Zahl der „unbeabsichtigten Verletzungen“ (so der Terminus technicus in der Statistik) nahm dramatisch zwischen 2014 und 2016 zu. Es sind hier weniger jene „klassischen“ Drogen wie Kokain, Metamphetamin oder Heroin gemeint, sondern vor allem die von Ärzten häufig verschriebenen oder auch von Zentralamerika importierten Opioide wie Oxycodon, Morphium oder Hydrocodon, die zu „unbeabsichtigten Verletzungen“ bis hin zur Todesfolge führten, und das bei fast 65.000 Menschen.

Man spricht in den USA von einer „Opioidepidemie“, und traurig, dass wir Ärzte eine Mitschuld tragen. Manche prognostizieren sogar eine weitere Abnahme der Lebens­erwartung für das Jahr 2017, was seit mehr als 100 Jahren nicht in den USA vorgekommen ist. Hoffentlich tritt dieses Szenario nicht ein und hoffentlich folgen andere Länder nicht ebenfalls diesem Trend.

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