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Gesundheit

Frauen überleben Krisen häufiger als Männer

Montag, 12. Februar 2018

Warum Frauen länger leben als Männer, ist nicht bekannt. Der häufigere Konsum von Tabak, Alkohol und Drogen, ein riskanterer Fahrstil, die Neigung zu gewaltsamen Konflikten und die ungesündere Ernährung erklären die Unterschiede nicht. Denn auch unter Nichtrauchern, gläubigen Mormonen und katholischen Nonnen und Mönchen gibt es einen Geschlechterunterschied in der Lebenserwartung. Er ist in allen moder­nen Gesellschaften nachweisbar und bestand auch in der Vergangenheit. Ja selbst bei Menschenaffen und Halbaffen leben die weiblichen Tiere länger als die männlichen. 

Auch extreme Krisen überstehen Frauen besser als Männer, wie eine aktuelle Studie von Virginia Zarulli und Mitarbeitern vom Max-Planck-Center on the Biodemography of Aging in Odense zeigt. Das Team hat die Daten aus mehreren extremen Krisen analysiert, zu denen es in den letzten drei Jahrhunderten gekommen ist. 

Am schlimmsten traf es freigelassene amerikanische Sklaven, die zwischen 1820 und 1843 ermuntert wurden, nach Westafrika auszuwandern, wo sie den Staat Liberia gründeten. Fast die Hälfte starb im ersten Jahr nach der Ankunft, vermutlich an Tropenkrankheiten. Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug für Männer nur 1,68 Jahre. Frauen lebten im Durchschnitt 2,23 Jahre. Nach dem Ende der Krise stieg die Lebenserwartung auf 22,9 Jahre bei Männern und 24,6 Jahre bei Frauen.

Die zweitschlimmste Krise wurde 1933 in der Ukraine durch die Zwangskollektivierung ausgelöst. Die Lebenserwartung der Männer sank auf 7,3 Jahre. Frauen lebten im Durchschnitt 10,85 Jahre.

Auch die Hungersnot, zu der es durch die Kartoffelfäule in Irland zwischen 1845 und 1849 kam, überlebten Frauen häufiger als Männer. Die durchschnittlichen Überlebens­zeiten lagen bei 18,7 Jahren für Männer und 22,4 Jahren für Frauen. Ähnliche Daten ermittelte Zarulli für die Hungersnot von 1773 in Schweden und die Masern-Epidemien auf Island in den Jahren 1846 und 1882 (obwohl die Sterblichkeit an Masern bei Frauen etwas höher ist als bei Männern).

Einzig bei den Sklaven von Trinidad lag die Lebenserwartung der Männer mit 15,2 bis 19,45 Jahren etwas höher als bei den Frauen, die zwischen 13,2 und 20,6 Jahre alt wurden. Der Grund ist nicht klar. Die Angaben, die die Plantagenbesitzer zwischen 1813 und 1816 gegenüber dem britischen Kolonialherrn machten, waren nach Einschätzung von Zarulli jedoch verlässlich, da nichtregistrierte Sklaven per Gesetz an den Staat fielen. Verzerrungen durch selektive Meldungen können die Unterschiede nicht erklären. 

Zarulli vermutet, dass Frauen aus biologischen Gründen länger leben. Neben dem zweiten X-Chromosom, das Frauen vor Erkrankungen wie der Hämophilie schützt, könnten vor allem die Geschlechtshormone eine Rolle spielen. Östrogene sollen die Aktivität des Immunsystems verstärken – weshalb Impfungen stärker wirken, Frauen aber auch häufiger unter Autoimmunerkrankungen leiden. Testosteron werden immunsupprimierende Eigenschaften zugeschrieben, weshalb Männer häufiger unter Infektionen leiden. Dokumentiert ist dies für Leptospirose, Schistosomiasis, Brucellose, Tollwut, Leishmaniose, Lungentuberkulose, Hepatitis A, Meningokokken- und Pneumokokkeninfektionen sowie für die saisonale Influenza. Selbst der harmlose Schnupfen soll nach einer jüngeren Untersuchung bei Männern heftiger ausfallen (auch wenn dies selten zum Tod führen dürfte).

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