Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die versuchte Kündigung

Dienstag, 6. März 2018

Die Mayo-Klinik ist seit Mitte 2017 mein Arbeitgeber, und ich bin mit vielem sehr zufrieden. Die Kollegen sind nett, das Arbeitsumfeld ist spannend, das Gehalt stimmt und vieles mehr. Doch zwei Dinge sind störend, nämlich der Druck, alles innerhalb des sehr großen Netzwerks zu homogenisieren (der „Mayo-Klinik-Weg“), und weiterhin manchmal mich als nichts weiter als ein kleines Rädchen im Getriebe eines immensen Uhrwerks zu fühlen.

Das führte dann dazu, dass ich bei meinen Dienstplänen nicht jene Rücksicht erhielt, die ich gerne gehabt hätte und für meine vielen Projekte benötige. Ich wollte beispiels­weise die erste Maihälfte frei haben für mein Nebenstudium, bekam dieses aber nicht bewilligt. Im April wollte ich auf eine bestimmte Konferenz gehen, doch auch mit dieser Absicht scheiterte ich.

Mehrere solcher kleinen Inflexibilitäten summierten sich da zusammen und man verwies auf mein Nachfragen hin auf meinen Neulings­status („Sie sind noch nicht einmal ein ganzes Jahr dabei, andere sind schon seit Jahrzehnten angestellt“); aus solchen Gesprächen und Momenten wurde mir klar, dass die einzige Möglichkeit das zu ändern, in einer Kündigung bestand. So betrat ich mit meinem Kündigungs­schreiben Ende Februar das Büro meines Chefarztes.

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Doch dann überraschte mich seine Reaktion: Er bat mich, die Kündigung wieder zurück­zuziehen, weil er mich nicht gehen lassen wolle. Was er denn für mich tun könne, damit ich bliebe, was denn für mich so wichtig sei, dass ich ein so gutes Arbeits­verhältnis aufgeben wolle. Ich würde doch zur Mayo-Klinik sehr gut passen (was mir angesichts des sehr guten Rufes schmeichelte) und was man tun könne, um mich zu halten. Wir sprachen mehr als eine Stunde lang, und er versprach mir, hundert­prozentig auf meine Anliegen einzugehen und jene Flexibilitäten zu geben, die ich bräuchte.

So verließ ich sehr zufrieden aber etwas verwirrt das Büro. Eigentlich hatte ich mich schon gekündigt gesehen, das auch meiner Familie und Freunden mitgeteilt und schon begonnen, nach anderen Stellen zu suchen, doch nun war ich noch immer bei der Mayo-Klinik. Mein Fazit ist ein recht einfaches: Es lohnt sich, seine Vorstellungen geltend zu machen, ruhig auch mit Kündigungsabsicht. 

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