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Überfordern Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren das Immunsystem?

Dienstag, 20. März 2018

Die Zahl der Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren ist in den letzen drei Jahrzehnten stark angestiegen. In Deutschland erhalten die Kinder insgesamt neun Impfstoffe gegen zwölf Krankheiten, in den USA sind es sogar zehn Impfstoffe gegen 14 Krankheiten.

Vielen Eltern ist dies instinktiv zu viel, und die Impfquote ist in einigen Bevölkerungs­kreisen zuletzt gesunken. Die Bedenken betreffen unter anderem eine mögliche Überforderung des Immunsystems. Sind die Kinder in dem frühen Alter überhaupt in der Lage, Antikörper gegen alle die Bakterien und Viren zu bilden (die Ergebnisse der klinischen Studien zeigen, dass dies der Fall ist). Und wenn ja, könnte es vielleicht sein, dass ein derart mit Impfungen beschäftigtes Immunsystem andere Krankheiten übersieht? 

Immerhin machen alle Eltern die Erfahrung, dass ihre Kinder regelmäßig mit Erkältungen und Fieber im Bett liegen und unter Mittelohrentzündung, Atemwegs­erkrankungen, Durchfällen und Pseudokrupp leiden. Könnte dies vielleicht an den vielen Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren liegen?

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Jason Glanz von Kaiser Permanente in Aurora/Colorado und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der Vaccine Safety Datalink analysiert. Es handelt sich um eine Gruppe von sechs Krankenkassen, die im Auftrag der US-Centers for Disease Control and Prevention epidemiologische Studien zur Impfstoffsicherheit durchführt. Über die sechs Krankenkassen waren in den Jahren 2003 bis 2013 etwa eine halbe Million Kinder versichert. In insgesamt 47.061 Fällen wurden Kinder im Alter von 24 bis 47 Monaten, also nach Abschluss der Impfungen, wegen einer nicht durch die Impfung abgedeckten Infektion in einer Notfallambulanz oder in einem Krankenhaus behandelt.

Die Forscher zogen eine zufällige Stichprobe von 385 Kindern, deren Krankenakten analysiert wurden. Es stellte sich heraus, dass nur 193 Kinder tatsächlich eine Infektionskrankheit hatten. Bei den übrigen Kindern wurden andere Krankheiten diagnostiziert. Glanz stellte die 193 Kinder in einer Studie jeweils vier Kindern gegenüber, die das gleiche Alter und Geschlecht hatten, die aber im Alter von 24 bis 47 Monaten nicht wegen einer Infektionskrankheit in Ambulanz und Kliniken behandelt worden waren.

Dann verglichen die Forscher die Impfungen, die die Kinder in beiden Gruppen erhalten hatten. Da viele Impfstoffe mehrere Antigene enthalten (gegen die das Immunsystem Antikörper bildet) und auch häufig mehrere Impftermine erforderlich sind, ist die Zahl der Impfstoffantigen-Expositionen beachtlich. Die Kinder, die wegen anderer Infektionen in Ambulanz oder Krankenhaus behandelt wurden, hatten im Durchschnitt insgesamt 240 Antigene erhalten. Bei den Kindern der Kontrollgruppe, die nicht wegen anderer Infektionen in Ambulanz oder Krankenhaus behandelt wurden, waren es 242,9 Antigene. 

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen von 2,3 Antigenen war minimal und bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von -10,1 bis 5,4 minimal. Glanz schließt daraus, dass Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren nicht zu einem Anstieg der Infektionen führt, die durch andere Krankheitserreger ausgelöst werden. Einen Hinweis auf eine Überforderung des Immunsystems durch die vielen Impfungen im Kindesalter konnte die Studie nicht finden.

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