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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Die Bedeutung kardiovaskulärer Erkrankungen

Montag, 19. März 2018

Weltweit sterben jedes Jahr fast 18 Millionen Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen. Das sind etwa ein Drittel aller weltweiten Todesfälle! Gut die Hälfte dieser Todesfälle, fast neun Millionen pro Jahr, sind auf die Folgen einer Koronaren Herzerkrankung zurückzuführen, weitere gut sechs Millionen Menschen sterben an den Folgen einer zerebrovaskulären Erkrankung, also an den Folgen eines ischämischen Schlaganfalls oder an einer Hirnblutung. Damit sind die kardiovaskulären Erkrankungen nicht nur im Hinblick auf die Morbidität, sondern gerade auch im Hinblick auf die Mortalität die global bedeutendsten Erkrankungen.

Es ist mittlerweile breites Allgemeinwissen, dass das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen und damit auch der vor- oder frühzeitige kardiovaskuläre Tod neben ererbten genetischen Prädispositionen auch von einigen wenigen Risikofaktoren abhängt und daher zumindest zu einem Teil durch das eigene Verhalten oder die Einnahme von Medikamenten direkt beeinflusst werden kann. Rauchen, körperliche Aktivität und die Ernährung, arterielle Hypertonie und erhöhte Cholesterinwerte haben einen bedeutenden Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko. Andere Risikofaktoren sind auf individueller Ebene oft nur schwer zu beeinflussen – hierzu zählen zum Beispiel die Luft- und Umweltverschmutzung, der soziale Status oder Funktionen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.

Obwohl auf den Zigarettenpackungen groß, unübersehbar und in klaren Worten auf die Gefahren des Rauchens hingewiesen wird – „Rauchen verursacht neun von zehn Lungenkarzinomen“, „Rauchen kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz“, „Smoking kills“ – und obwohl diese Warnhinweise mit schockierenden Bildern untermalt werden, rauchen noch immer ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland; weltweit rauchen etwa 31 Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen regelmäßig. Auch nach langjährigem Nikotinkonsum zahlt es sich aus, diesen zu beenden, denn im Verlauf weniger Jahre kann man so sein kardiovaskuläres Risiko nahe in Richtung des Risikos eines Nichtrauchers reduzieren.

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Ein mindestens ebenso bedeutender Risikofaktor sind die erhöhten Blutfette, insbesondere das LDL-Cholesterin. Mit den Statinen existieren seit Langem wirksame und verträgliche Medikamente gegen erhöhtes LDL-Cholesterin. Durch die konsequente Einnahme kann in vielen Fällen das Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutend gesenkt werden. Die neu eingeführten PCSK9-Inhibitoren sind eine weitere Stoffklasse, die verspricht, gerade bei Patienten, deren LDL-Cholesterin trotz Therapie mit Statinen nur unzureichend zu kontrollieren ist, eine weitere relevante Senkung des LDL-Cholesterins und damit des kardiovaskulären Risikos zu erreichen.

Weitaus schwieriger ist es, auf individueller Ebene das Risiko des eigenen Umfelds, der Umwelt, in der jemand lebt, zu beeinflussen. Arme und weniger gebildete Menschen sterben früher und sind kränker, es ist jedoch schwer, ohne Hilfe von außen den Weg aus der Armut zu finden oder im Erwachsenenalter Bildung nachzuholen, die im Kindes- und Jugendalter nicht erworben wurde. Genauso haben viele Menschen nur begrenzte Möglichkeiten, ihren Wohnort zu wechseln, um damit den negativen Einfluss von verschmutzter Luft und Umwelt zu kontrollieren und zu begrenzen.

In diesem Zusammenhang wird bisher der negative Effekt von Feinstaub und von Ozon auf die Gesundheit der Menschen nicht ausreichend beachtet. Während der Anstieg der Konzentration von Feinstaub (PM2,5) in der Luft um 10 µg pro Kubikmeter die Gesamtmortalität um 7,3 Prozent erhöht, steigert ein Anstieg von 10 ppb Ozon im Kubikmeter Luft die Gesamtmortalität um 1,1 Prozent. Sowohl für Feinstaub als auch für Ozon werden in europäischen und amerikanischen Städten immer wieder deutlich über die geltenden Grenzwerte erhöhte Werte gemessen. Eine wirksame Reduktion der negativen Folgen dieser Gefahren kann nur durch wirksame gesamtgesellschaftliche und politische Maßnahmen gelingen – das individuelle kardiovaskuläre Risiko hängt also hier von Entscheidungen jenseits des Betroffenen ab.

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weltweit für ein Drittel aller Todesfälle verant­wortlich. Sowohl die globale demografische Entwicklung als auch der anhaltende epidemiologische Wandel mit einer abnehmenden Bedeutung übertragbarer Infektionserkrankungen und zunehmenden Bedeutung nichtübertragbarer Erkrankungen verlangen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zusätzliche Maßnahmen zu ihrer Kontrolle und Eindämmung, sowohl auf individueller Ebene, als auch auf politisch-gesellschaftlicher Ebene, regional, national und global.

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