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Global Health

Smoking kills

Donnerstag, 19. April 2018

Global betrachtet sind die Kontrolle und die Reduktion des Nikotinabusus eine der großen Global-Health-Herausforderungen. Der absolute Tabakverbrauch ist weltweit noch immer kontinuierlich steigend, obwohl in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen initiiert und umgesetzt worden sind, mit dem Ziel, diese Entwicklung zu stoppen und umzuwenden. 25 Prozent aller Männer und etwas mehr als fünf Prozent aller Frauen rauchen täglich, insgesamt fast eine Milliarde Menschen. Hiervon sind mehr als 80 Prozent Männer.

Jedoch unterscheiden sich die Häufigkeiten regional bei Männern und Frauen sehr stark. In Südostasien (Laos, Kambodscha, Vietnam), in China und in Russland rauchen etwa 35 Prozent bis über 40 Prozent der Männer regelmäßig. Unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Entwicklungsstandes eines Landes sind die Häufigkeiten für männliche Raucher in Ländern auf mittlerer Entwicklungsstufe besonders hoch. Anders ist dies bei weiblichen Rauchern, hier sind die relativen Häufigkeiten in Ländern auf hoher sozioökonomischer Entwicklungsstufe am höchsten: In Österreich, Irland und in Frankreich rauchen mehr als 20 Prozent der Frauen. Die höchsten Werte für Frauen finden sich in Bulgarien (28,3 Prozent) und in Grönland (44,3 Prozent).

Eine aktuelle Erhebung in Deutschland hat ermittelt, dass hier 32 Prozent der Männer und fast 24 Prozent der Frauen regelmäßig rauchen – die Zahlen sind im internationalen Vergleich und besonders im Vergleich mit anderen westeuropäischen Staaten sehr hoch. Besonders bedenklich ist hierbei, dass gerade bei Menschen mit geringerer Schulbildung und geringem Haushaltseinkommen die Zahlen besonders hoch sind. Arme Menschen rauchen häufiger und leiden daher auch häufiger an den negativen Folgen des Rauchens.

Die negativen Folgen aktiven Tabakkonsums und passiver Exposition gegenüber Tabakrauch sind ebenso eindeutig wie unumstritten. Rauchen ist der bedeutendste Risikofaktor für Erkrankungen und frühzeitigen Tod. Weltweit sterben jährlich mehr als sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums – das sind mehr als zehn Prozent aller Todesfälle. Diese Menschen sterben an kardiovaskulären Erkrankungen an Krebserkrankungen und an chronischen Lungenerkrankungen. 

Aus Gesundheitssicht gibt keinen unbedenklichen Tabakkonsum – jede Zigarette, jeder Hauch Rauch sind schädlich, daher sollte das Ziel sein, den Tabakkonsum so weit wie möglich zu reduzieren. Die WHO hat bereits im Jahr 2003 eine „Framework Convention on Tobacco Control“ verabschiedet, den ersten völkerrechtlichen Vertrag der WHO. Dieser Vertrag beschreibt bindende Maßnahmen, deren Umsetzung zu einer effektiven und nachhaltigen Reduktion des Tabakverbrauchs führen würde. Hierzu gehören unter anderem die Besteuerung von Tabakprodukten, der Verbot des Verkaufs von Tabak an Minderjährige, die Einschränkung von Werbung für Tabakprodukte und Warnhinweise auf Verpackungen über die negativen Folgen des Rauchens. 168 Staaten und Staatenbündnisse haben den Vertrag unterschrieben, auch Deutschland.

Die konsequente Umsetzung der Maßnahmen der Framework Convention kann nachhaltig zu einer deutlichen Reduktion der Zahl der Raucher führen und damit zu einem deutlich positiven Effekt auf Mortalität und Morbidität. Einige Empfehlungen wurden in Deutschland bereits umgesetzt. So ist die Besteuerung von Tabak in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden, Aufklärungskampagnen informieren über die negativen Folgen des Tabakkonsums und das Rauchverbot in Gaststätten ist ein wirksamer Schutz vor dem negativen Einfluss von Passivrauchen. Bei anderen Maßnahmen hinkt aber Deutschland noch weit hinterher. So ist es weiterhin nicht – wie in anderen europäischen Ländern – verboten, in Autos zu rauchen, wenn Kinder dort mitfahren, außerdem ist in Deutschland als einzigem Land in der EU Außenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt.

Eine große Aufmerksamkeit muss in den kommenden Jahren auf die Länder niedriger und mittlerer Einkommen, besonders in Asien und in Afrika, gerichtet werden.  Im Vergleich zu 1980 konnten koordinierte Maßnahmen zur Reduktion des Tabak­verbrauchs unter anderem in Kanada, Island, Mexiko, Norwegen und Schweden die Zahl der Raucher deutlich senken. Von den Erfahrungen, die hier gemacht wurden, müssen nun andere Länder profitieren, und erfolgreiche Maßnahmen müssen dort eingeführt und umgesetzt werden. Dabei darf der Blick nicht nur auf diejenigen Länder mit hoher Raucherprävalenz gerichtet werden. Genauso brauchen die Länder, in denen die Prävalenz noch niedrig ist – das gilt besonders für viele Länder in Subsahara-Afrika –, Unterstützung dabei, diese Situation aufrechtzuerhalten und nicht den Maßnahmen der Tabakindustrie zu erliegen, die bereits begonnen hat, in diesen Ländern willfährige Ersatzmärkte für ihre Verluste in den Ländern zu suchen, in denen Maßnahmen gegen das Rauchen Erfolge erzielt haben.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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