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Auf Schritt und Tritt unterwegs mit der ehemaligen Pjane. Die ist jetzt nämlich Assistenzärztin. Kurze und manchmal etwas längere Einblicke aus dem Leben von einer, die neu an Bord ist.

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Gedanken zur Zeit

Donnerstag, 26. April 2018

Zeit ist ein ständiger Begleiter auf unseren Wegen durch die Gänge des Krankenhauses. Wir messen sie bei vielen Untersuchungen, wir ersehnen ihren Fortschritt nach einem langen Nachtdienst, wir ärgern uns über sie, wenn klar ist, hier ist jemand zu spät gekommen und eine bestimmte Therapie damit nicht mehr möglich.  Oft rennt sie uns davon und setzt uns ob schwieriger Personalsituationen nicht wenig unter Druck.

Zeit. Sie bedeutet für uns soviel mehr als zwei Zeiger auf einem Ziffernblatt. Für uns. Für unsere Patienten. Manchmal kommt jemand rechtzeitig und wir dürfen Zeit schenken. Und manchmal passiert das Gegenteil oder: Es gibt kein „verpasst“, einfach weil es keinen früheren Zeitpunkt gegeben hätte, zu dem ein Patient hätte wissen können, dass ihm die Zeit davonläuft. 

Das sind die Momente, die ich verfluche. Egal, wie einfühlsam und ruhig ich jetzt bleibe: die Nachricht muss raus und: Sie muss ehrlich heraus. Sie darf nicht beschönigen. Und ich denke: Vielleicht, irgendwann mal, erinnert sich die Ehefrau eines Patienten, der Vater einer Tochter daran, dass sie diesen Aufprall einer jeden schlechten Nachricht zumindest nicht auf einem Flur spüren musste. An die paar Minuten zuvor, als ihre Welt noch intakt war. Dass sie jemand in ein Zimmer bat. Dass jemand gelächelt hat. Dass jemand gut zu ihnen war. Das Mindeste eben.

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Ein Aufprall bleibt es dennoch. Ohne dass diese Menschen etwas dafür können, bricht diese Nachricht mit einer Wucht über sie ein, die sie nicht mehr kontrollieren können. Sie nicht. Wir nicht. Denn jetzt ist alles anders als noch zwei Minuten zuvor, bevor die Tür aufging und jemand, wir, jeglicher Unbeschwertheit den Boden unter den Füßen wegzogen. Ich denke: Sie haben diese letzten unbeschwerten Minuten – mit Fürsorge durch uns oder aber in der Vertrautheit als Familie – verdient. Manchmal warte ich deshalb einen kurzen Moment vor der Tür.

Irrational, nur für mich. Denn im Zimmer ist dafür kein Platz mehr. Dort sitzen jetzt Menschen, für die es bei solchen Nachrichten um alles geht. Und vielleicht sind wir auch auf ewig die Schrecklichen,  Übermittler der Botschaft ihres persönlichen Grauens. Auch dafür muss Raum sein. In solchen Momenten muss ein Patient alles denken und sagen dürfen.

Zeit. Wir können alles Mögliche unternehmen, um sie uns zu eigen zu machen. Und sind doch manchmal völlig machtlos. Keiner weiß, was Zeit mit uns macht, wieviel bleibt und wieviel schon vorbei ist.

Füllen wir sie.

Sich das ab und an immer mal fest vornehmend grüßt

Frau Doktor 

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Claus-F-Dieterle
am Donnerstag, 26. April 2018, 23:21

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