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Global Health

Welt-Malaria-Tag: Vermehrte Anstrengungen zur Bekämpfung notwendig

Mittwoch, 25. April 2018

Schon wenige Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Epidemie. Im Jahr 2016 gab es schätzungsweise 216 Millionen Malaria-Fälle. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr, in dem 211 Millionen Fälle geschätzt wurden, ein leichter Anstieg, im Jahr 2010 jedoch waren es noch 237 Millionen Fälle. Die Zahl der Malaria-Todesfälle wird für 2016 auf 445.000 geschätzt, etwa genauso viele wie im Vorjahr. Obwohl Malaria weltweit in allen tropischen und subtropischen Regionen vorkommt, entfallen 90% der Erkrankungsfälle auf Sub-Sahara-Afrika.   

Der Erreger der Malaria, die Plasmodien, benötigen in ihrem Replikationszyklus zwei verschiedene Lebewesen, um sich vermehren zu können – den Menschen und die Anopheles-Mücke. Wird ein Mensch von einer infizierten weiblichen Mücke gestochen, werden die Erreger, sogenannte Sporozoiten, in den menschlichen Blutkreislauf übertragen.

Diese vollziehen dann einen Wandlungs- und Vermehrungszyklus in der Leber und in den Roten Blutkörperchen und können aus dem Blut bei einem erneuten Mückenstich wieder auf eine Mücke übertragen werden. Der Vermehrungszyklus in den Roten Blutkörperchen führt letztendlich zu einer Schädigung und Zerstörung der Roten Blutkörperchen, die dann kleine Gefäße in den Organen verstopfen und schädigen können – das betrifft besonders die Nieren und in schweren Fällen auch das Gehirn. Durch die Zerstörung der Roten Blutkörperchen kommt es zu einer Anämie.

Malaria ist behandelbar und vermeidbar. In den vergangenen Jahrzehnten haben die großen Anstrengungen der WHO und verschiedener Hilfsorganisationen und Initiativen große Fortschritte im Kampf gegen die Epidemie erzielt. Die Bill & Melinda Gates Foundation und der Global Fund to Fight AIDS, TB and Malaria haben sich hier seit Beginn des neuen Jahrtausends zu den entscheidenden Akteuren entwickelt.

Noch im Jahr 2000 sind 859.000 Menschen an der Malaria gestorben – innerhalb von 15 Jahren konnten die Todeszahlen also fast um die Hälfte reduziert werden! Dieser große Fortschritt ist auf spezifische und sehr effektive Maßnahmen zurückzuführen. Da für die Verbreitung der Malaria der Stich einer infizierten Anophelesmücke notwendig ist, verhindert der Schutz vor Mückenstichen die weitere Ausbreitung. Die große Verbreitung und Verfügbarkeit von Insektenschutznetzen, die mit Insektiziden imprägniert wurden und damit besonders effektiv Mücken abhalten können, war ein sehr wichtiger Fortschritt. Darüber hinaus hat die Entwicklung neuer Medikamente einen großen Beitrag zur Reduktion der Todesfälle geleistet.

Für Artemisinin-Derivate, die Ende des vergangenen Jahrtausends eingeführt wurden, wird der Grundstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) gewonnen. Die Wirkstoffe sind sehr effektiv und werden gut vertragen. Da sich für das Chinin, das zuvor für die Behandlung schwerer Malariafälle das Mittel der Wahl war, bereits Resistenzen gebildet hatten, konnte der Einsatz der Artemisinine eine deutliche Verbesserung der Behandlung besonders der schweren Malariafälle ermöglichen und damit zu einer Reduktion der Todeszahlen beitragen. Leider verlieren die Artemisinine, die mittlerweile überwiegend in fixen Kombinationen verabreicht werden (artemisinin-based combination treatments, ACTs), in einigen Regionen Südostasiens bereits ihre Wirksamkeit, so dass die Entwicklung weiterer Therapien dringend erforderlich ist.  

Am Welt-Malaria-Tag, in diesem Jahr der 25. April, erinnert die WHO alljährlich an die Bedeutung der Malaria und ruft zu vermehrten Anstrengungen zur Bekämpfung dieser Erkrankung auf. Jetzt, da die Erfolge stagnieren, womöglich sogar eine Trendumkehr mit wieder mehr Erkrankungen und Todesfällen zu beobachten ist, ist es wichtiger denn je, dass dieser Aufruf nicht ungehört verhallt, sondern die Anstrengungen im Kampf gegen die Malaria aufrechterhalten und sogar noch verstärkt werden. Im Jahr 2016 standen für diese Anstrengungen 2,7 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe zur Verfügung – weniger als benötigt wurden. Die WHO befürchtet, dass fehlende finanzielle Mittel „zu einer allmählichen Verschlechterung der Verfügbarkeit und Qualität der Interventionen führen können und schließlich zum Verlust früherer Erfolge.“ Das sollten wir verhindern.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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