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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Welt der Migration

Freitag, 4. Mai 2018

Wir müssen uns darauf einstellen, dass in den nächsten Jahrzehnten weltweit immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen werden. Die Menschen ziehen an einen anderen Ort oder in eine andere Region innerhalb ihres Heimatlandes oder sie verlassen ihr Heimatland und ziehen in ein Nachbarland oder sogar noch weiter, manche auf einen anderen Kontinent. Die Menschen fliehen, weil sie Perspektiven suchen, Wohlstand und Sicherheit. Die Menschen fliehen vor Armut, Gewalt und vor Kriegen. Die Menschen fliehen vor den Folgen verfehlter Wirtschaftspolitik, vor den Folgen des Klimawandels und vor verschmutzter Umwelt, sie fliehen vor ausbleibender oder unzureichender Entwicklung.

Im Jahr 2017 lebten auf der Erde etwa siebeneinhalb Milliarden Menschen. Nach Schätzung der Vereinten Nationen wird die Zahl bis zum Jahr 2050 auf 9,7 Milliarden Menschen ansteigen, bis 2100 sogar auf mehr als elf Milliarden. Dieser Anstieg vollzieht sich nicht in gleichem Maße in allen Regionen der Erde. Während die Bevölkerung in Nordamerika in dieser Zeit nur leicht ansteigt, sinkt sie in Europa sogar. In Afrika aber wird sich die Bevölkerung zwischen 2017 und 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen nahezu verdoppeln.

Schon jetzt leben weltweit fast 250 Millionen Menschen in einem anderen Land als ihrem Geburtsland. Nicht alle diese Menschen sind Flüchtlinge, viele Menschen verlassen ihre Heimat freiwillig und nicht aus einem Zwang oder einer Notsituation heraus. Fast 70 Millionen Menschen mussten ihre Heimat jedoch unfreiwillig verlassen und an einem anderen Ort Zuflucht suchen, deutlich mehr als 20 Millionen Menschen mussten dabei die Landesgrenze ihres Heimatlandes überqueren, um in einem anderen Land unterzukommen.

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Viele dieser Menschen leben in Lagern – in Kenia, im Libanon und in Jordanien, in der Türkei und auf griechischen Inseln, in Bangladesh und auf Papua-Neuguinea. In den Lagern können sich Krankheiten leicht ausbreiten, die Menschen haben dort meist nur Zugang zur allernötigsten medizinischen Notfallversorgung. In den Lagern macht sich Frustration breit und immer wieder bricht Gewalt aus. Die Menschen leben in der Schwebe, sie halten sich in einem Provisorium auf und sie wissen nicht, wie lange dies anhält. Es leben dort junge Menschen, die die Zeit totschlagen, anstatt produktiv zu arbeiten, Kinder bekommen keine ausreichende Schuldbildung.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren entspannen wird. Bestehende Kriege und Konflikte dauern an: Der Krieg in Syrien wütet seit mehr als sieben Jahren, im Jemen ist kein Ende des Bürgerkriegs in Sicht. Südsudan, Somalia, Kongo, Myanmar, Afghanistan – unzählige Kriege und Konflikte töten Menschen oder treiben sie in die Flucht.

Aber nicht nur Kriege und Gewalt vertreiben die Menschen aus ihrer Heimat. Der Klimawandel und damit verbunden Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Ernährungssicherheit der Menschen haben ebenfalls starke Auswirkungen. Nachdem auch durch die Anstrengungen der inter­nationalen Gemeinschaft die Zahl unterernährter Menschen jahrelang abgenommen hat, war diese zuletzt wieder steigend. Im Jahr 2016 wurde die Zahl auf 815 Millionen Menschen, elf Prozent der Weltbevölkerung, geschätzt. Die Weltbank schätzt, dass bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels inner­halb ihrer Heimatländer gezwungen sein könnten, einen anderen Wohnort zu suchen. 

Das Wirtschaftswachstum vieler Länder, besonders in Sub-Sahara-Afrika, hält mit dem Bevölkerungswachstum bei Weitem nicht Schritt. Diese Länder werden keine beson­deren Anstrengungen unternehmen, Menschen von einer Flucht oder Auswanderung abzuhalten. Es ist vielmehr so, dass diese Länder kurzfristig von der Abwanderung der Menschen profitieren.

Nicht nur, dass die Länder sich nicht um die Ernährung, die Ausbildung, die Gesund­heitsversorgung der Menschen und um Arbeitsplätze für sie sorgen müssen, sondern die Emigranten stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für diese Länder dar, da sie durch Rücküberweisungen ihren Familienmitgliedern in der Heimat bedeutende Finanzmittel zukommen lassen: Die jährlichen Rücküberweisungen in Entwicklungs­länder sind dreimal so hoch wie die Zahlungen der gesamten staatlichen Entwicklungshilfe für diese Länder.

Die Ursachen und Gründe für Flucht und Migration sind vielfältig und oftmals komplex und genauso müssen die Maßnahmen sein, mit denen wir auf die Wanderungs­bewe­gungen reagieren. Wir müssen uns jedoch bewusst sein und wir sollten akzeptieren, dass sich Flucht und Migration nicht verhindern lassen. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Wanderungen und in unserer heutigen globalisierten Welt werden nicht nur Ideen und Informationen, Energie, Waren und Geld in immer größerem Maß um die Welt ziehen, sondern genauso werden Menschen den Ort wechseln, an dem sie sich aufhalten oder an dem sie sich wünschen, ihr Leben zu verbringen. Die Herausforderung, die sich uns stellt, ist, diese Wanderungen von Menschen und Wandlungen von Gesellschaften so zu gestalten, dass möglichst viele davon profitieren und dass die grundlegenden Rechte aller dabei gewahrt bleiben.

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