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Global Health

Die schleichenden Auswirkungen des Klimawandels

Montag, 14. Mai 2018

Wir wissen von den Gefahren des Klimawandels. Wir wissen von Hungersnöten, von Kriegen und Konflikten aufgrund Trockenheit und Dürre, wir wissen, dass der Klimawandel Menschen zu Flüchtlingen macht, da die Lebensgrundlagen in ihrer angestammten Heimat schwinden, Landstriche ausdürren, Inseln versinken. Unsere Bereitschaft, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, bleibt jedoch weit hinter dem eigentlichen Bedarf zurück, wir ändern zu wenig und wir reagieren zu spät.

Die offensichtlichen Gründe für unsere Trägheit liegen dabei in einer zeitlichen und räumlichen Perspektive. Zum einen bemerken wir die negativen Auswirkungen unseres schädlichen Verhaltens nur sehr verzögert, zehn oder zwanzig oder noch mehr Jahre später. Genauso erkennen wir den Erfolg rechtzeitig getroffener Maßnahmen erst in einer entfernten Zukunft und dann nur dadurch, dass sich nichts Relevantes ändert, also negative Konsequenzen ausbleiben. Diese Verzögerung und diese Uneindeutigkeit erschweren es, unsere eigene Trägheit zu überwinden und jetzt Maßnahmen zu ergreifen, die womöglich jetzt unser Leben spürbar erschweren oder uns gewohnte Vorteile und Annehmlichkeiten vorenthalten.

Zum anderen kommt erschwerend hinzu, dass die Maßnahmen an Orten und von Menschen ergriffen werden müssen, die die negativen Konsequenzen des Klima­wandels wenig oder gar nicht selbst erleben. Während in den wohlhabenden Regionen Westeuropas und Nordamerikas die meisten klimaschädlichen Gase ausgestoßen werden, verspüren die Auswirkungen des Klimawandels besonders die wenig wohlhabenden Bewohner der Länder Sub-Sahara Afrikas, Südostasiens und Ozeaniens.

In Kapstadt erleben in den vergangenen Jahren und in den letzten Wochen mit zunehmender Brisanz sowohl die Wohlhabenden als auch die Armen, dass die viel beschworenen Befürchtungen eines kommenden Wassermangels real und ernst sind. Seit Monaten sinken die Pegel der umliegenden Stauseen, die die Stadt mit Frischwasser versorgen, und haben nun bedenkliche Tiefststände erreicht. Die Sicherheit der Trinkwasserversorgung der Stadt ist akut gefährdet.

Obwohl die Stadtverwaltung bereits 2016 erste Maßnahmen einleitete, mit dem Ziel den Wasserverbrauch zu reduzieren, und diese Maßnahmen im Verlauf weiter verschärfte, verschlimmerte sich die Situation zusehends. Die Bewohner der Stadt bangen seit Monaten des Erreichens des Tags X, an dem die Vorräte aufgebraucht wären.

Die Ursachen der sich anbahnenden Katastrophe sind vielfältig und sie veran­schaulichen exemplarisch die Faktoren, die auf globaler Ebene im Zusammenhang mit Klimawandel bekannt sind.   Erste Anzeichen ernster Probleme wurden im Winter 2014/2015 erkannt, da die jährlichen Regenfälle unterdurchschnittlich niedrig ausfielen und daher die Wasserspiegel der Stauseen nach Ende der Regenzeit bedenklich niedrig blieben.

Zwar wurden daraufhin Anfang 2016 erste Maßnahmen zur Begrenzung des Wasserverbrauchs eingeleitet, diese wurden jedoch nicht ausreichend kontrolliert und durchgesetzt. Dieselben Versäumnisse wurden im darauffolgenden Jahr trotz einer Verschärfung der Sparvorgaben fortgeführt. Insbesondere aber wurde lange übersehen, dass ein großer Teil des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft, u.a. im Weinbau, der auch aus touristischer Sicht für die Region sehr wichtig ist, anfällt und hier wurden erst spät weitere Maßnahmen zur Einschränkung des Verbrauchs eingeleitet.

Neben einer weiteren und anhaltenden Reduktion des Wasserverbrauchs werden die Erschließung weiterer Wasserquellen, der Bau neuer Dämme diskutiert, schnelle Lösungen sind hier so jedoch nicht zu finden. Als ernstgemeinte Notfallmaßnahme schlug zuletzt ein Meeresbergungsexperte gar den Transport von Eisbergen aus der Antarktis in die Bucht von Kapstadt vor. Dort könnte das Eis geschmolzen werden und als Trinkwasser Verwendung finden.

Ausbleibende Niederschläge, Hitze und eine expandierende wasserintensive Land­wirtschaft stellen in der ariden Region Südafrikas schon allein große Heraus­forderungen an die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichendem Trinkwasser. Stark erschwerend kommen das Bevölkerungswachstum und ein wachsender Wohlstand hinzu. Im Jahr 1995 lebten in Kapstadt 2,5 Millionen Menschen, bis heute hat sich die Bevölkerung auf 4,3 Millionen nahezu verdoppelt. Der steigende Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten hat einen steigenden Pro-Kopf-Wasserverbrauch zur Folge.

In den letzten Monaten konnte durch mittlerweile immer wirksamer durchgesetzte Sparmaßnahmen der Wasserverbrauch effektiv reduziert werden und die Ankunft des erwarteten Tags X immer wieder aufgeschoben werden. Verbleiben die Niederschläge aber auch in der jetzt beginnenden Regenzeit auf einem unterdurchschnittlichen Niveau, könnte sich die Lage rasch wieder verschärfen.

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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