Pflegers Schach med.

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Das ehrwürdige Schachspiel übt auf viele Ärztinnen und Ärzte eine starke Faszination aus. Der Arzt und Internationale Schachgroßmeister Dr. med. Helmut Pfleger weiß davon zu berichten – humorvoll, kenntnisreich und mitunter im Wortsinne rätselhaft.

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Pflegers Schach med.

Heilmittel Schach

Donnerstag, 24. Mai 2018

Das letzte Mal berichtete ich anhand einiger Episoden davon, wie der Tod einen auch am Schachbrett ereilen kann. Unmittelbarer Anlass war das Versterben eines 82-jährigen, über viele Jahre treuen Teilnehmers unserer Ärzteturniere, dem trotz oder gerade wegen seiner terminalen Erkrankung offensichtlich daran gelegen war, die Atmosphäre und das Zusammensein beim Schachspiel mit Freunden und Kollegen noch einmal zu erleben.

Die heutige Kolumne soll drei Kollegen gewidmet sein, die zwar ebenfalls von einer schweren Erkrankung respektive schweren Unfällen getroffen wurden, aber erfreulicherweise nach wie vor zum Ärzteturnier kommen und mitspielen können.

Des Öfteren schon berichtete ich von einem Kollegen, der wegen seiner mit 49 Jahren beginnenden Parkinsonerkrankung irgendwann nicht mehr an den Ärzteturnieren teilnehmen konnte, doch nach Jahren der Abwesenheit überraschend zurückkam und seit einigen Jahren wieder mitspielt. Dank einer Operation mit Tiefer Hirnstimulation ging/geht es ihm wieder besser, inzwischen ist er 70.

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Über seine Erfahrungen mit der Krankheit berichtet er zusammen mit seiner Frau, die nicht nur stets liebevoll an seiner Seite, sondern obendrein seine regelmäßige Schachpartnerin ist (das erinnert mich etwas an die abendlichen Schachpartien zwischen Helmut und Loki Schmidt), im Buch „Leben mit Parkinson: Achterbahn für Fortgeschrittene“ ­­– aus der Sicht des Facharztes für Neurologie/Psychiatrie und Betroffenen zugleich.

Nach einem schweren Verkehrsunfall lag ein weiterer Schachkollege mit einem schweren Schädel-Hirn-Tauma eine Woche lang auf der Intensivstation einer Universitätsklinik im Koma – mit unsicherer Prognose. Inzwischen geht es ihm Gott sei Dank wieder (unvergleichlich) viel besser, wovon ich mich bei mehreren Telefonaten überzeugen konnte. Ein Freund hat ihn und seine Frau sogar zu Hause besucht und war danach entsprechend erleichtert.

Übrigens lernten sich die beiden vor vielen Jahren auf dem Ärzteturnier kennen und vereinbarten jährliche Wochenendtreffen ihrer Vereine. Seit circa zehn Jahren fahren so im Wechsel einmal die Starnberger nach Naumburg und umgekehrt. Das Ärzteturnier als Ort einer weitreichenden, nicht zuletzt auch Ost-West-Begegnung.

Schlussendlich möchte ich noch auf einen Kollegen zu sprechen kommen, der als Fußgänger auf dem Gehsteig von einem ins Schleudern geratenen Auto erfasst wurde und ebenfalls schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erlitt, erfreulicherweise aber heuer wieder mit seiner Frau zum Ärzteturnier kommen konnte. Wohl noch sichtbar gezeichnet und auch in der Beweglichkeit eingeschränkt, war es ihm – und uns! – ein Anliegen, wieder in diesem Kreise Schach zu spielen. Natürlich ist der mehrfache Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern (nicht nur der Ärzte, wohlgemerkt!) und Sieger des Ärzteschachturniers noch nicht wieder „der Alte“, aber hier zählt vorerst und zu allererst das Wieder-dabei-sein.

Bevor ich mit einer schönen Kombination von Dr. med. Hannes Knuth meinen Bericht beende, möchte ich auf zwei Gemeinsamkeiten bei den erwähnten Kollegen hinweisen – zum einen die Freude am Schachspiel, das nicht nur Friedrich Schiller in der Krankheit ein großer Trost war und von dem der große spanische König Alfons X. der Weise 1283 schreibt: „Schach bietet dem Menschen Zerstreuung, wenn Kummer und Schmerz ihn zu übermannen drohen“, zum anderen, und zweifelsohne ungleich bedeutsamer, die jeweilige Unterstützung durch die Ehefrauen, die liebend und unermüdlich an ihrer Seite stehen und auch in schwersten Zeiten standen – bei den letzteren beiden Geschilderten sogar selbst Ärztinnen. 

Für die Heilung und Wiederherstellung ist, wie wir alle wissen, eine solche Unterstützung unerlässlich und kann im besten Fall sogar zu einer Restitutio ad Integrum führen.

(wKh1, Dh4, Te4, Tf1, Lb3, Sg5, Ba2, b2, g2, h2;

sKh8, Dc5, Ta8, Td2, Ld5, Sf8, Ba7, b7, f6, h7)

Mit welcher hübschen (Opfer-)Kombination konnte Dr. Knuth als Weißer am Zug bei der Deutschen Meisterschaft 2006 den Württembergischen Meister Holger Namyslo in drei Zügen mattsetzen?

Lösung zeigen

Nach dem Springeropfer 1.Sf7+! gab Schwarz schon auf – in jedem Fall wird die weiße Dame vernichtend nach f6 kommen.

Sei es bei der Opferannahme 1...Lxf7 2.Dxf6+ Kg8 3.Lxf7 matt oder bei 1...Kg8 2.Sh6+ Kg7 3.Dxf6 matt oder schließlich bei 1...Kg7 2.Dxf6+ Kg8 3.Sh6 matt. 

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