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Fördert „Fleischallergie“ nach Zeckenstich die Koronarsklerose?

Dienstag, 17. Juli 2018

Der Speichel einiger Zeckenarten enthält das Disaccharid Galactose-alpha-1-3-Galactose (Alpha-Gal), das mit dem Biss in die Haut gelangt. Bei einigen Menschen kommt es zu einer Sensibilisierung, was bei einem erneuten Kontakt mit Alpha-Gal allergische Reaktionen auslösen kann. Als erstes wurde dies bei Patienten im US-Staat Virginia bemerkt, bei denen es nach der Behandlung mit den Krebsmittel Cetuximab zu Überempfindlichkeitsreaktionen kam. Die Analysen ergaben, dass die Patienten Antikörper gegen Alpha-Gal im Blut hatten, das zufälligerweise auch ein Bestandteil des monoklonalen Antikörpers Cetuximab ist. Es handelte sich also um eine Kreuzimmunität.

Dass die Komplikation vor allem bei Patienten aus ländlichen Region von Tennessee und North Carolina auftrat, war kein Zufall. In diesen Regionen der USA ist die „Lone star“-Zecke Amblyomma americanum verbreitet, deren Speichel Alpha-Gal enthält. Inzwischen wurde das Disaccharid auch beim Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) nachgewiesen, der über ganz Europa verbreitet ist. Allergische Reaktion gegen Alpha-Gal sind also auch hierzulande möglich.

Alpha-Gal ist auch in Fleischsorten von Säugetieren enthalten (also „rotes“ Schweine- und Rinderfleisch, nicht aber Geflügel). Seit einigen Jahren wird deshalb vermutet, dass Menschen, die nach einem Zeckenstich auf Alpha-Gal sensibilisiert sind, eine Über­empfindlichkeit gegen „rotes“ Fleisch entwickeln können. Eine symptomatische „Fleischallergie“ scheint relativ selten zu sein, obwohl in einigen ländlichen Regionen eine Sensibilisierung auf Alpha-Gal recht häufig ist.

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In einer Gruppe von 118 Patienten aus dem US-Staat Virginia, bei denen wegen einer Koronaren Herzkrankheit eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wurde, hatten 26 Prozent IgE-Antikörper gegen Alpha-Gal im Blut. Wie das Team um Coleen McNamara von University of Virginia Health System in Charlottesville jetzt berichtet, war die Sensibilisierung mit einem um 30 Prozent erhöhen Plaquevolumen in den Koronarien assoziiert. Diese Plaques, die ein Kennzeichen der Atherosklerose sind, waren nach Einschätzung der Kardiologen bei den Patienten mit Sensibilisierung auf Alpha-Gal tendenziell instabil, was bedeuten würde, dass die Patienten ein erhöhtes Risiko auf einen Herzinfarkt und bei entsprechenden Läsionen in anderen Gefäßen auch auf einen Schlaganfall haben.

Die Aussagekraft der retrospektiven Kohortenstudie ist allerdings gering. Es bleibt abzuwarten, ob andere Studien die Ergebnisse bestätigen können. Die Hypothese, dass Nahrungsmittelallergien auf Alpha-Gal eine häufige Ursache kardiovaskulärer Erkrankungen sind, ist derzeit nicht belegt.

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