Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Ärzte unter Verdacht

Montag, 16. Juli 2018

Der Druck auf amerikanische Ärzte wird immer stärker beziehungsweise ihre Macht eingeschränkt. Schon seit Menschengedenken gibt es den moralischen Druck, Gutes zu tun beziehungsweise keinen Schaden dem Patienten zuzufügen – primun non nocere. Hinzu kommt natürlich der finanzielle Druck, den fast jeder Mensch kennt und der ihn zu Lohn- beziehungsweise Einkommensarbeit nötigt, und der auch beim Arzt gegeben ist. Dazu gesellt sich ein juristischer Druck, gerade in den USA, stets vom Patienten auf eine Millionensumme und gar zu Gefängnishaft verklagt zu werden.

Zu diesem juristischen Druck kommt seit einigen Jahren auch noch ein Evaluierungsdruck – Krankenhäuser und Patienten bewerten jeden Arzt nicht nur nach seiner Leistung, sondern auch noch nach Patientenvolumina und -kennziffern, wie auch Patientenzufriedenheit, die in Form von Fragebögen abgefragt werden, bei denen Patienten Rückmeldung darüber zu geben haben, ob sie zufrieden waren, ihre Krankheiten und Therapien erklärt bekommen haben und die Schmerzen gut eingestellt waren, um einige der vielen Fragen exemplarisch anzumerken.

Zu diesen Evaluierungen kommen dann auch noch regelmäßige Überprüfungen auf Alkohol- und Drogenmissbrauch, wie auch alle ein bis zwei Jahre abzulegende Fortbildungsmaßnahmen. Weiterhin muss die Facharztprüfung alle zehn Jahre neu geschrieben werden, und als würde das nicht ausreichen, geht man in regelmäßigen Abständen zum Vorgesetzten, um über die interne Zusammenarbeit zu reden.

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Bei Fernbleiben von Impfmaßnahmen wird man gesperrt, und wer seine Akten nicht fristgerecht abarbeitet beziehungsweise Nachfragen erledigt, wird ebenfalls für einige Wochen aus einem Krankenhaus ausgesperrt beziehungsweise darf dort nicht arbeiten. Das bedeutet natürlich Einkommensverlust und administrative Probleme.

Gerade dann, wenn man meint, dass es nicht noch mehr Kontrolle geben kann, kommen neue Regeln auf einen zu. Seit Neuestem wurden in vielen Krankenhäusern Regeln eingeführt, wonach ein Arzt bei Verdacht auf sexuelle Diskriminierung beziehungsweise Sexismus mit sofortiger Wirkung für 30 Tage gesperrt wird, und er (meistens ist es ein „er“) dann einen Antrag auf Untersuchung und Rehabilitierung stellen kann. Dabei ist unerheblich, welches Vergehen ihm angelastet wird, sei es unsittliche Berührung, körperliches oder psychisches Bedrängen, aber auch „verbale Gewalt“, worunter ein lauter Tonfall fällt – man kann jederzeit für fast alles gesperrt werden.

Es geht an dieser Stelle nicht um eine Bewertung dieser Regel und der Sanktion. Es geht alleine darum aufzuzeigen, wie groß der Druck auf uns Ärzte geworden ist. Wie lange kann dieser Bogen noch weiter angespannt werden?

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