Global Health

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Global Health

Zusammenhänge

Montag, 20. August 2018

Die Globalisierung hat uns fest im Griff. Wir nutzen sie für uns und genauso fürchten wir sie. Google und Facebook, Apple und Amazon sind die Namen der Unternehmen, die vielen von uns als erstes in den Sinn kommen, wenn wir an global agierende Unternehmen denken. Die Produkte und die Dienstleistungen dieser Unternehmen sind in den meisten Ländern der Erde verfügbar und mit ihren Produkten und Dienstleistungen beeinflussen sie weltweit unser Zusammenleben.

Wir wissen, dass unsere nationalen Wirtschafts- und Finanzsysteme nicht losgelöst voneinander existieren, sondern vielmehr in engen Beziehungen und Abhängigkeiten miteinander in einem riesigen globalen Markt verwoben sind. Wir wissen, dass die Krise eines bedeutenden Marktseg­ments in einem Land dramatische Auswirkungen auf die Märkte in anderen Ländern haben kann, wir wissen, dass der Zusammenbruch einer Großbank zu einer globalen Finanzkrise führen kann, die sich in eine globale Wirtschaftskrise auswächst – die Krise des US-Immobilienmarkts und die Insolvenz der Bank Lehman Brothers haben uns dies deutlich und schmerzhaft vor Augen geführt. Genauso fürchten wir die Folgen der bereits eingeführten und der angedrohten Zölle Donald Trumps. Wir wissen, dass diese Auswirkungen haben werden auf deutsche und europäische Unternehmen, auf die deutsche und die europäische Wirtschaft und auf die Menschen in diesen Ländern, denn ihre Arbeitsplätze, ihre Löhne, ihre soziale Sicherung sind dadurch gefährdet.

Überraschend ist, dass wir im Zusammenhang mit globalen Gesundheits- und Entwicklungsfragen viel kleinteiliger denken, die großen Zusammenhänge häufig außer Acht lassen. Wir erkennen, dass Migration oder Drogenhandel, der Klimawandel oder Seuchen wie HIV/Aids oder Malaria globale Herausforderungen sind, die nicht an Grenzen von Ländern oder Kontinenten Halt machen. Und so werden globale Klimaschutzabkommen geschlossen, die UN-Mitgliedsstaaten verhandeln einen „Globalen Vertrag für Migration“ (Global Compact for Migration), der im Dezember 2018 in Marokko geschlossen werden soll, und nicht nur die Weltgesundheitsor­ganisation (WHO) beschäftigt sich mit Fragen globaler Gesundheit, sondern es gibt auch ein Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) und UNAIDS koordiniert als eigenes UN-Programm die globalen Aktivitäten im Kampfe gegen HIV/Aids.

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Was jedoch zu kurz kommt, ist der Blick auf die Zusammenhänge zwischen diesen verschiedenen Bereichen. Migration ist sicher ein zentraler Fokus, auf den sich viele der Probleme konzentrieren. Wir sehen den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration, zwischen Hunger und Migration, zwischen Kriegen und Konflikten und Migration. Aber wir ziehen zu selten die richtigen, die notwendigen Konsequenzen.

Wir konzentrieren uns zu sehr auf die Folgen und lassen die Ursachen außer Acht. Mehr als 250 Millionen Menschen leben außerhalb ihres Heimatlandes, fast 70 Millionen Menschen wurden gegen ihren Willen aus ihrer Heimat vertrieben, mehr als 25 Millionen leben als Flüchtlinge außerhalb ihres Heimatlandes; unser Reflex sind zunehmende Grenzsicherungsmaßnahmen, Schutzmauern und Grenzzäune, immer weiter aufgerüstete Grenzschutzbehörden, Lager. Nicht in ausreichendem Maße überlegen wir, welche Ursachen für Flucht und Migration verantwortlich sind und was wir dagegen tun müssen.

Wir wissen, dass der Klimawandel eine wichtige Ursache für Naturkatastrophen, Dürren und unzureichende Ernten ist, die wiederum Hunger und Armut zur Folge haben. Unsere Maßnahmen gegen den Klimawandel sind jedoch halbherzig und damit wirkungslos. Sicher ist der Ausstieg der USA unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ein schwerer Rückschlag, wir sollten aber genauso erkennen, welchen Beitrag unsere eigenen Kohlekraftwerke und unsere Autos, unser gesamter Konsum zum globalen CO2-Ausstoß leisten und hier rasch und wirksam gegensteuern.

Wir wissen, dass Armut und Ungerechtigkeit die Ursache für viele Konflikte und Kriege sind und wir wissen, dass unzureichende sanitäre Bedingungen, fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser, eine unzureichende Gesundheitsversorgung und fehlende Schulbildung bedeutende Entwicklungshemmnisse sind und zur Folge haben, dass Milliarden Menschen in einer Armutsfalle gefangen sind. Unsere Maßnahmen gegen diese Missstände sind jedoch halbherzig und kraftlos. Während die globalen staatlichen Ausgaben für Entwicklungshilfe nach Angaben der Weltbank im Jahr 2014 135 Milliarden US-Dollar betrugen, hat das Friedensforschungsinstitut SIPRI für das Jahr 2017 globale Rüstungsausgaben in mehr als zehnfacher Höhe bestimmt (1,74 Billionen US-Dollar)!

Würden wir die grundlegenden Menschenrechte, das Recht auf sichere Unterkunft, das Recht auf Nahrung, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf eine ausreichende Gesundheitsversorgung und auf eine Schuldbildung für alle ernst nehmen und als Verpflichtung akzeptieren, müssten wir weitaus mehr leisten, um diese Rechte zu gewährleisten und zu sichern.

Wir sollten diese Verantwortung als Chance begreifen und nicht als Belastung. So wie die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrhunderte in den Ländern, die jetzt über hohen Einkommen verfügen, zu einer beispiellosen Verbesserung der Lebensverhältnisse und einer grandiosen Vermehrung des Wohlstands geführt haben, können wir auch eine faire Einbeziehung weiterer Menschen und Länder in das globale Wirtschaftssystem so gestalten, dass alle gemeinsam von steigendem Wohlstand, besseren, menschenwürdigen Lebensverhältnissen und anhaltender globaler Stabilität und Sicherheit profitieren.

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