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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Natur- und Umweltkatastrophen, Kriege und Gesundheit

Montag, 10. September 2018

Im Hinblick auf Gesundheit und medizinische Versorgung gibt es verschiedene dramatische Situationen. Dazu gehören Natur- und Umweltkatastrophen, die eine bestehende Infrastruktur zerstören können und so besonders die medizinische Versorgung erschweren, während gleichzeitig der Bedarf an dieser Infrastruktur und an einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung über das Maß des Normalen hinausgehen. Diese Situationen sind glücklicherweise meist zeitlich und räumlich begrenzt – ein Erdbeben oder eine Überflutung, ein Vulkanausbruch oder ein Erdrutsch. Die Folgen können dramatisch sein, es können viele Menschen dabei zu Tode kommen, jedoch ist häufig schon wenige Tage nach Beginn das eigentliche Naturereignis beendet und die Verantwortlichen können sich auf eine optimale Katastrophenhilfe, den Aufbau einer Notfallversorgung und den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur konzentrieren.

Natürlich gibt es auch Naturkatastrophen, die entweder aufgrund ihrer Stärke besonders schwere Folgen hervorrufen – wie zum Beispiel der Tsunami, der nach einem Seebeben im Indischen Ozean Ende 2004 weite Teile der indonesischen Küste verwüstete und in dessen Folge mehr als 200.000 Menschen starben – oder die an einem Ort stattfinden, an dem aufgrund der lokalen Begebenheiten die Auswirkungen besonders dramatisch sind – wie zum Beispiel das Erdbeben, das im Januar 2010 Haiti traf, in dessen Folge geschätzt ebenfalls mindestens 200.000 Menschen starben.

Aber nicht nur arme Länder sind von Naturkatastrophen betroffen. Alljährlich treffen Hurrikans auf die amerikanische Südküste und führen dort zu verheerenden Zerstörungen und zum Tod von Menschen. Durch den Hurrikan Katrina, der 2005 den Südosten der USA traf, kamen etwa 1.800 Menschen zu Tode.

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Besonders dramatisch sind die Auswirkungen auf die Gesundheit einer Bevölkerung, wenn ein Krieg herrscht und in dieser Region eine Seuche ausbricht (siehe Blog-Eintrag vom 8.  August 2018). Kriege verursachen nicht nur Tod und traumatische Verletzungen, sondern sie schaffen optimale Bedingungen für die Ausbreitung von Infektionserkrankungen.

Im Jemen können wir wie unter dem Brennglas die dramatischen Folgen eines Krieges in einem der ärmsten Länder der Erde beobachten (siehe Blog-Eintrag vom 25. September 2017). Bereits vor Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen waren die Lebensbedingungen für viele Menschen prekär, große Teile der Bevölkerung lebten in Armut und unter eingeschränkten sanitären Bedingungen, viele hatten keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und der Zugang zu medizinischer Versorgung war ebenfalls stark eingeschränkt. Die Folgen waren eine niedrige Lebenserwartung, Mangel- und Fehlernährung bei Kindern, niedrige Immunisierungsraten. Und dann kam der Krieg.

Karten über die Ausbreitung der Cholera, an der sich seit April des vergangenen Jahres bereits mehr als eine Million Menschen infiziert haben und mehr als 2.000 Menschen gestorben sind, zeigen eindrücklich wie sich diese besonders in den Regionen ausbreiten konnte, in denen der Krieg wütete, wodurch die Infrastruktur und die Lebensbedingungen der Menschen zerstört wurden. Später im Jahr 2017 wurden steigende Fallzahlen für Diphterie beobachtet, eine Erkrankung die man durch ausreichende Impfmaßnahmen sicher vermeiden kann. Bis Ende 2017 wurden mehr als 300 Fälle gemeldet, mehr als zehn Prozent der Erkrankten verstarben! 

Kriege töten. Menschen sterben in Kriegen jedoch nicht allein durch Bombeneinschläge oder infolge von Schussverletzungen. Die meisten Menschen sterben in Kriegen, weil sie verhungern, weil sie an chronischen Erkrankungen leiden und nicht die notwendige medizinische Versorgung erhalten können, sie sterben an Seuchen wie Cholera oder anderen Durchfallerkrankungen, die sich aufgrund mangelnder Hygiene und fehlendem Zugang zu sauberem Trinkwasser rasend schnell ausbreiten, sie sterben an vermeintlichen Bagatellerkrankungen, die unter normalen Bedingungen bei adäquatem Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung leicht zu behandeln oder gar zu vermeiden wären.

Kriege töten und Armut tötet, daher sollte es unsere größte Aufgabe sein, Kriege zu beenden und zu verhindern und Armut wirksam zu bekämpfen.

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