Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Immer ältere Ärzte

Freitag, 31. August 2018

Vieles ist in den USA gesetzlich geregelt, wenn es ums Älterwerden und um die Berentung geht. So kann man mit knapp 60 Jahren aus seiner privaten Rentenversicherung sein Geld abheben, also faktisch mit 59,5 Jahren in Rente gehen, kann erst mit 65 in die staatliche Kran­ken­ver­siche­rung „Medicare“ eintreten oder muss mit 57 Jahren als FBI-Agent die zwangsweise Berentung akzeptieren. Doch bei uns Ärzten ist das (noch) nicht geregelt, und derzeit kann man an den allermeisten Arbeitsplätzen noch ohne Altersgrenze bis in die Greisenjahre hinein ärztlich tätig sein. Übrigens sind mittlerweile fast 30 Prozent aller Ärzte 60 Jahre alt oder älter und knapp zehn Prozent der gesamten amerikanischen Ärzteschaft jenseits des 70. Lebensjahres.

„Ist das gut oder ist das schlecht?“, fragen sich da nicht nur Patienten, sondern hinter vorgehaltener Hand auch Arztkollegen und Krankenpflegepersonal. Es wird dann von einer zittrigen Hand beim 76-jährigen Chirurgen gesprochen oder der Vergesslichkeit der 81-jährigen Kinderärztin, die mir zwar beide sehr sympathisch sind, bei denen ich aber selber unsicher bin, ob ich von ihnen behandelt werden möchte. Doch wenn es keine anderen Ärzte in kleinen Gemeinden gibt außer ihnen?

Anzeige

Dieses Problem der älter werdenden Ärzte und einer gegebenenfalls einzuführenden Zwangsberentung wird schon seit Jahren diskutiert. Spätestens seit der Publikation des Artikels „Das Ergrauen der US-Ärzte“ („The Graying of US Physicians“) von Joel M. Kupfer im Journal of the American Medical Association Anfang 2016 wurde auf dieses immer größer werdende Phänomen alter Ärzte und altersbedingt nachlassender Fähigkeiten hingewiesen. Die Ärzteschaft hatte ursprünglich für das Jahr 2018 die Veröffentlichung von Richtlinien erwartet, doch nun wurden sie auf spätere Jahre verschoben. Es gibt wohl drängendere Probleme beziehungsweise, wie ich vermute, besteht einfach die Gefahr, den sowieso schon herrschenden Ärztemangel nochmals deutlich zu verschärfen, wenn plötzlich zehn bis 15 Prozent der Ärzteschaft in Rente gehen müssen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Frau Doktor
Frau Doktor
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah