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Vermeidung der Demenz muss im frühen Erwachsenenalter beginnen

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Die Häufigkeit der Demenz ist glücklicherweise in den meisten hochentwickelten Ländern rückläufig. Der Grund ist die gesündere Lebensweise der Bevölkerung und die stärkere Beachtung vermeidbarer und behandelbarer Risikofaktoren. Es sind die gleichen Risikofaktoren, die auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten. Denn viele Demenzerkrankungen sind die Folge von zerebralen Gefäßerkrankungen (einschließlich der atypischen oder gemischten Form des Morbus Alzheimer).

Mehrere prospektive Kohortenstudien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren im mittleren Lebensalter mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auf eine Demenzerkrankung im Alter verbunden sind.

Dies bedeutet, dass eine gesunde Lebensweise häufig einer Demenz vorbeugen kann. Eine gute Lebensregel sind die von der American Heart Association vorgeschlagenen „Life’s Simple 7“. Sie bestehen aus vier Regeln für eine gesunde Lebensweise (Nichtrauchen, gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und normaler Body-Mass-Index) und aus drei eventuell mithilfe von Medikamenten erreichbaren Voraussetzungen (niedriger Blutdruck, niedriger Cholesterinspiegel und niedriger Nüchtern-Blutzuckerwert).

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Die jetzt von Cécilia Samieri von der Universität Bordeaux und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse der Drei-Städte-Studie zeigen, dass die US-Regeln im Prinzip auch auf Europa übertragbar sind. Die Forscher haben die „Life’s Simple 7“ bei einer Gruppe von 6.622 Senioren (63,4 Prozent Frauen) ermittelt, die trotz ihres erhöhten Alters (Durchschnitt 73,7 Jahre) weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch an einer Demenz litten.

Während einer Nachbeobachtungszeit von 8,5 Jahren erkrankten 745 Senioren neu an einer Demenz. Das Risiko hing stark davon ab, wie viele der sieben Voraus­setzungen für ein gesundes Altern die Senioren erfüllt hatten: Senioren, die weniger als zwei Voraussetzungen erfüllt hatten, erkrankten fast doppelt so häufig wie Senioren, die fünf bis sieben Voraussetzungen erfüllten (Inzidenrate 13,3 versus 7,1 auf 100 überlebende Senioren). Jedes des sieben Ziele verminderte das Demenzrisiko um zehn Prozent (Hazard Ratio 0,90; 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,84 bis 0,97). Die Teilnehmer ohne Demenz zeigten in den kognitiven Tests umso bessere Leistungen, je weniger der sieben kardiovaskulären Risiken sie aufwiesen.

Wie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen die ersten morphologischen Veränderungen der Demenz um Jahrzehnte voraus. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind dies die atherosklerotischen Plaques, deren Entwicklung sich heute mit einer Ultraschalluntersuchung der Halsarterien erfassen lässt (als Marker dient die Intima-Media-Dicke).

Der Zustand der Zerebralgefäße kann in ähnlicher Weise mit der Magnetresonanz­tomografie untersucht werden. Ein bekannter Marker ist die Zahl der hyperdensen Läsionen, die sich im Alter häufen und als Folge von asymptomatischen Mikroinfarkten gedeutet werden. Mit leistungsstarken Geräten (drei Tesla) und einer entsprechenden Software lassen sich heute auch der Gefäßdurchmesser und der Verlauf der Hirngefäße messen.

Eine Abnahme des Kalibers und eine vermehrte Gewundenheit („Tortuosität") sind Hinweise auf eine zunehmende Einschränkung der Hirndurchblutung. Wilby Williamson von der Uno Oxford und Mitarbeiter können in einer Querschnittstudie jetzt zeigen, dass eine ungesunde Lebensweise bereits im Alter von Mitte 20 mit einer Zunahme dieser subtilen Veränderungen einhergeht.

Die Forscher haben 125 junge Erwachsene im Durchschnittsalter von 25 Jahren auf acht Lebensregeln untersucht, die weitgehend mit den „Life’s Simple 7“ übereinstimmen (hinzu gekommen ist noch ein Alkoholkonsum von weniger als acht Getränken pro Woche).

Ergebnis: Jedes der acht erstrebenswerten Ziele war mit einer Zunahme der Gefäßdichte um 0,3 Gefäße/cm3 Hirnparenchym und mit einer Zunahme des durchschnittlichen Gefäßdurchmessers um 8 µm verbunden. Dies bedeutete eine Verbesserung der Hirndurchblutung um 2,5 ml/100 g/min. Außerdem wurden pro eingehaltener Lebensregel 1,6 weniger hyperdense Läsionen gezählt.

Die Studie deutet darauf hin, dass ein ungesunder Lebensstil bereits im frühen Erwachsenenalter einen ungünstigen Einfluss auf die Hirndurchblutung haben kann. Es gibt klare Parallelen zur Atherosklerose in anderen Organen. Die Demenz könnte – wenigstens teilweise – eine vermeidbare arterielle Verschlusskrankheit der Hirngefäße sein.

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