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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Sport macht nicht immun gegen Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen

Freitag, 7. September 2018

Immer mehr Menschen scheinen der Überzeugung zu sein, dass intensiver Sport sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt. Anders ist der Boom von Fitnesszentren oder hohen Teilnehmerzahlen am Stadtmarathon oder anderen Extremsportarten kaum zu erklären. Doch auch Freizeitathleten sind nicht gefeit gegen Hypertonie, Dyslipidämie und Hyperglykämie. In einer Querschnittstudie aus Kanada hatte sogar jeder zehnte ein ernsthaftes kardiales Problem.

Die Sportmedizinerin Barbara Morrison von der Universität von British Columbia in Vancouver und Mitarbeiter haben insgesamt 798 Freizeitathleten untersucht, die mindestens dreimal wöchentlich trainierten. Mehr als die Hälfte hatte bereits an einem Halbmarathon oder Marathon teilgenommen, jeder zehnte sogar an einem Triathlon. Die meisten der Mitte 50 Jahre alten Studienteilnehmer waren seit 35 Jahren sportlich aktiv.

Dies bedeutete allerdings nicht, dass sie auch in anderen Bereichen gesund lebten. Nur die Hälfte verzehrte die empfohlenen drei Portionen Obst und Gemüse am Tag, jeder fünfte gab einen exzessiven Alkoholkonsum an und auch depressive Verstimmungen, ein mögliches kardiales Risiko, waren keineswegs selten.

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Die Eingangsuntersuchung ergab, dass 28 Prozent ein erhöhtes LDL-Cholesterin, 23 Prozent eine arterielle Hypertonie und 13 Prozent eine Hyperglykämie hatten. Die Prävalenz war nicht wesentlich niedriger als im Rest der kanadischen Bevölkerung.

Fast die Hälfte (44 Prozent) der Teilnehmer erfüllte die Kriterien für eine weitergehende kardiologische Untersuchung, zu der neben den üblichen Tests wie EKG, Belastungs-EKG oder Langzeit-EKG und 24-Stunden-Blutdruckmessung in einigen Fällen auch Koronar-CT und Myokardszintigrafie gehörten.

Am Ende wurde bei 91 der 798 Freizeitathleten (11,4 Prozent) eine klinisch relevante Herz-Kreislauf-Erkrankung diagnostiziert. Bei 19 Freizeitathleten (2,4 Prozent) wurden gleich mehrere Diagnosen gestellt. Am häufigsten war eine koronare Herzkrankheit (7,9 Prozent), die bei 34 Patienten (4,3 Prozent) als obstruktiv eingestuft wurde. Diese Betroffenen hatten eine Verengung der Koronargefäße, die normalerweise zu einer Angina pectoris führt. Alle Freizeitathleten versicherten jedoch, dass sie sich gesund fühlten und auch bei Belastung keinerlei Schmerzen verspürten.

Entweder verdrängten die Freizeitathleten die Schmerzen oder sie interpretierten sie als normale Zeichen einer körperlichen Belastung. Bei zwei Athleten fanden die Sportmediziner T-Wellen-Inversionen im EKG, die sie als Hinweise auf eine hypertrophe Kardiomyopathie deuteten. Beide lehnten weitere Untersuchungen ab. Offenbar glaubten sie den Kardiologen nicht, dass ihr Leben trotz ihrer körperlichen Fitness in Gefahr ist. Dabei dürften die Kardiologen ihnen sicherlich erklärt haben, dass die hypertrophe Kardiomyopathie die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod im jüngeren Lebensalter ist. Viele Freizeitathleten scheinen sich aufgrund ihrer lebenslangen sportlichen Anstrengungen für unverwundbar zu halten.

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