Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Mitten in der Karriere

Montag, 24. September 2018

In wenigen Wochen, Ende 2018, jährt sich bei mir zum zwölften Mal der Tag meines Medizinstudiumabschlusses. Mittlerweile habe ich nicht nur einen, sondern zwei Fachärzte, arbeite und studiere nebenbei an weiteren Fachabschlüssen. Ich habe zwei Bücher veröffentlicht, diverse Interviews gegeben und arbeite an weiteren Projekten. Ich war verheiratet, dann geschieden, habe Kinder, die immer älter werden und von denen zwei mittlerweile schon in der Schule sind und ihre eigenen Lorbeeren versuchen zu ergattern. Das Leben schreitet also voran.

Die Rente ist viel zu weit entfernt, als dass ich überhaupt an sie denken möchte und darf, abgesehen davon, dass ich mich gedanklich darauf einstelle, noch viele Jahre jenseits der 65 zu arbeiten – oder glaubt wirklich jemand da draußen daran, dass die Rente auch noch im Jahr 2045 so sicher wie heute sein wird (falls ja: Was veranlasst Sie zu diesem Glauben)?

Was also macht ein mittelalter (von mir aus beschönigt: mitteljunger) Arzt mit seiner Karriere? Eine Professur zu erreichen mittels Forschung in einem kleinen Unter­bereich der Medizinwissenschaft, erscheint mir nicht besonders erstrebenswert, und Chef- und Oberärzte müssen die Fehler nicht nur der Politik, sondern auch die eines scheinbar schwieriger werdenden Gesundheitswesens ausbaden.

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Einen anderen Beruf möchte ich ebenfalls nicht ergreifen, weil mir dafür das Arztsein einfach zu viel Spaß macht, ich viel zu gerne Menschen helfe und mit ihnen Umgang habe. In die Selbstständigkeit gehen könnte ich, doch sind die Hürden hierfür einfach sehr groß, und das Gesundheitswesen bietet auch hier immer weniger Flexibilität. Bleibe ich einfach Krankenhausarzt, einfach weil sich hier Helfenkönnen mit Freizeit und gutem Verdienst gut zu kombinieren scheinen?

Es ist nicht leicht, mitten in der Arztkarriere zu stecken und mehr Fragen als Antworten zu haben. Vor allem, wenn das Gesundheitswesen nicht gerade rosig aussieht und auch der gesellschaftliche Halt weniger stethaft zu werden scheint.

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Avatar #745528
Yannick 17
am Freitag, 5. Oktober 2018, 17:58

Mitten im Leben

An dieser Stelle bemerken viele, dass manche Hoffnungen schlichtweg unrealistisch sind und das Leben gar nicht so einfach ist. Besser spät als nie. Gut, dass Sie sich dieser Situation jetzt schon stellen. An dieser Stelle möchte kann ich anmerken, dass mich schon immer ihr Privatleben interessiert hat. Schließlich ist eine gefundene Berufung nicht das einzige im Leben, wenngleich man sich damit sehr glücklich schätzen kann.

Wir gehen nicht mit einem Bein duchs Leben, sondern mit zwei und im Alter oft mit drei. Neben dem Beruf ist eine normalerweise erfüllendes Privatleben von gleicher Wichtigkeit. Zu diesem Privatleben gehört nicht nur eine Frau und/oder Kinder bzw. einige wenige gute Freunde, sondern auch eine andere Leidenschaft außer der Medizin, die man rechtzeitig zu einem Hobby macht, dem man zunehmend mehr und ab 70 dann hauptsächlich nachgehen kann. Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen erfüllt es jemanden, bis zum Lebensende seinen Beruf auszuüben, sofern man denn überhaupt dazu in der Lage ist.
Ist Ihre Tätigkeit als Schriftsteller ein solches Hobby?
Damit hat man drei Standbeine, von denen immer mind. eins funktioniert und einen damit vor Lebenskrisen bewahrt.

Als Anregung für einen der nächsten Blogbeiträge, den ich übrigens sehr gerne lese:
- Wie sieht die Selbstständigkeit für Ärzte in den USA aus? Ist nur der Einstieg schwierig, oder auch die Zeit danach und vielleicht sogar auch das Ende?
- Wie sieht es mit Ihrer FAausbildung für Komplementärmedizin aus? Gibt es darüber interessantes zu berichten?
- Wo sehen Sie Ihre Zukunft? Für immer in den USA?
- Vielleicht könnten Sie irgendwann eine aktuelle Bilanz ziehen. Das haben Sie früher gerne gemacht und ich hab's gerne gelesen.
Viele Grüße von einem Medizinstudenten aus Bonn
Yannick Tran
Avatar #103205
Patroklos
am Freitag, 28. September 2018, 10:23

Midlife Crisis.

Gab es für solch eine Lebenssituation nicht früher einmal den Begriff der Midlife Crisis?

Auf Wikipedia steht dazu ein Zitat aus der "Göttlichen Komödie von Dante Alighieri":
"Als ich auf halbem Weg stand unsers Lebens,
Fand ich mich einst in einem dunklen Walde,
Weil ich vom rechten Weg verirrt mich hatte;"
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 26. September 2018, 09:41

Zu Frustration geronnene Sinnlichkeit?

Claus-F-Dieterle,
claus-f-dieterle-depression-therapie-online | Just another WordPress site
http://claus-f-dieterle-depression-therapie-online.de/
"Claus F. Dieterle. Depression Therapie online. Guten Tag, wissenschaftliche Studien belegen, dass Antidepressiva und Psychotherapie nicht bei jedem ..."

Und wie ist Ihr Verhältnis zur "zu Frustration geronnenen Sinnlichkeit"?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Montag, 24. September 2018, 22:47

"Das Leben schreitet also voran."

Und wie ist Ihr Verhältnis zu Jesus Christus?
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