Global Health

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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Kriege und Kinder

Mittwoch, 19. September 2018

Kriege töten. Die Ereignisse des syrischen Bürgerkriegs, der seit 2011 wütet, sind momentan für viele von uns die präsentesten Kriegsereignisse, denn täglich wird hierüber in den Medien berichtet. Immer wieder wird über die Angriffe der syrischen Armee auf Orte und Städte, die von Oppositionellen gehalten werden oder in denen sie Unterschlupf gefunden haben, berichtet. Bei diesen Angriffen setzt die syrische Armee immer wieder Giftgas und Fassbomben ein, Waffen, die international geächtet sind, da sie besonders hohe Opferzahlen bei Zivilisten und bei Kindern verursachen (siehe Blog-Eintrag vom 10. November 2017).

Im Krieg sterben die Menschen durch Kugeln und Bomben, durch Giftgas und bei Minenexplosionen. Soldaten – oft sind dies junge Männer – sind besonders gefährdet, denn sie Kämpfen an der Front, sie fliegen Kampfflugzeuge und steuern Panzer und Artillerie. In Bürgerkriegen aber, in denen sich die Fronten oft rasch wechselnd und schwer zu durchschauen durch bewohntes Gebiet ziehen, durch Stadtteile, in denen Frauen auf Märkten einkaufen und Kinder zur Schule gehen, sind die Gefahren für Zivilisten besonders hoch. Und so sollten die Ergebnisse einer Studie, die die Todeszahlen von Zivilisten und Kindern im syrischen Bürgerkrieg untersuchte, nicht überraschen. Zwischen März 2011 und Dezember 2016 dokumentierten sie mehr als 140.000 Todesfälle von Zivilisten, fast ein Viertel aller dokumentierten zivilen Toten im Jahr 2016 waren Kinder!

Aber es sind nicht nur die Kriege und Konflikte, die die öffentliche Wahrnehmung und Aufmerksamkeit erreichen, die töten. Zahllose weitere Kriege und Konflikte, kleinere und größere, haben in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Todesopfer gefordert – in direkter Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen und indirekt in Folge der zerstörten Infrastruktur und unzureichenden Versorgung der Bevölkerung, u.a. mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe (siehe Blog-Eintrag vom 10. September 2018). Das gesamte Ausmaß der Last und der Bedrohung von Kriegen gerade für unbeteiligte Zivilisten ist schwer zu bestimmen und weitgehend unbekannt.

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Nun haben amerikanische, kanadische und pakistanische Wissenschaftler die Folgen von Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen auf die Todesrate von Kindern unter fünf Jahren in Afrika berechnet. Die Ergebnisse, die sie Anfang September im Lancet präsentiert haben, sind womöglich für viele nicht überraschend, erschütternd sind sie allemal. Die Forscher untersuchten die Auswirkungen von 15.441 bewaffneten Konflikten zwischen 1995 und 2015 und schätzten, dass allein in Afrika in diesem Zeitraum etwa fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren infolge von bewaffneten Konflikten gestorben sind, drei Millionen dieser Kinder, also etwa 60 Prozent, starben schon vor Vollendung ihres ersten Lebensjahres.

Die Auswirkungen, die Kriege auf Gesellschaften haben und auf das Überleben der Menschen, gehen räumlich weit über die Kriegsgebiete hinaus und wirken zeitlich auch langanhaltend fort. Bis zu 100 Kilometer von einem Konflikt entfernt steigen die Todeszahlen von Kindern unter fünf Jahren während eines Konfliktes an, und die Auswirkungen auf das Überleben von Kindern sind bis zu acht Jahre nach Ende des Konfliktes zu beobachten!

Es scheint wohlfeil zu fordern, größere Anstrengungen gegen Kriege zu unter­nehmen, mit größerer Energie darauf hinzuwirken, dass bestehende Konflikte zu einem Ende kommen und frühzeitig gegen das Aufkommen neuer Konflikte einzuwirken. Aber vermehrte Überlegungen sind wichtig, wie in Konfliktregionen und in angrenzenden Gebieten gerade die Zivilbevölkerungen und unter diesen besonders die Kinder besser zu schützen sind, um die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Überleben dieser Menschen während und nach Konflikten zu begrenzen.

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