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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Kann Cannabis Schmerzen wirklich lindern?

Freitag, 21. September 2018

Schmerzen gehören zu den wichtigsten Anwendungsgebieten von medizinischem Cannabis und die meisten Anwender scheinen mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Wie die Wirkung zustande kommt, ist jedoch nicht genau bekannt und die Experimente zur analgetischen Wirkung sind keineswegs eindeutig, wie eine aktuelle Metaanalyse zeigt.

Cannabinoide, zu denen neben Tetrahydrocannabinol (THC) eine Reihe weiterer natürlicher und chemisch synthetisierter Substanzen gehört, erreichen nach der oralen oder inhalativen Aufnahme über den Blutkreislauf das Zentralnervensystems (ZNS). Dort binden sie an Cannabinoid-Rezeptoren (Typ 1 oder Typ 2, wobei Typ 2 vor allem außerhalb des ZNS im Immunsystem vorkommt).

Die genauen Wirkungen sind nicht bekannt. Die Erforschung wird dadurch erschwert, dass Cannabinoidrezeptoren im Gehirn weit verbreitet sind. Sie sind auf vielen Neuronen, aber auch auf Gliazellen vorhanden. Die Wirkung scheint in erster Linie hemmend zu sein. Cannabis hat insgesamt eine verlangsamende Wirkung auf das Gehirn. Cannabiskonsumenten fühlen sich dadurch entspannt und euphorisch. Cannabis ist ein „feel-good chemical“, schreibt ein Team um Emily Ansell von der Syracuse University im US-Staat New York.

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Zu diesem „guten Gefühl“ gehört auch, dass die Patienten Schmerzen nicht mehr als störend empfinden. Schmerzfrei wird der Mensch jedoch nicht, wenn er Cannabis konsumiert hat. Die 18 experimentellen Studien, die die Forscher ausgewertet haben, zeigen, dass Cannabinoide die Schmerzschwelle nur wenig anheben, auch die Schmerztoleranz ändert sich kaum. Cannabinoide sind deshalb im engeren Sinne kein Analgetikum. Die Hauptwirkung besteht nach den von Ansell ausgewerteten Daten darin, dass sie den Schmerz erträglicher machen, weil die Patienten ihn ausblenden, und sei es, indem sie die Drogenwirkung genießen.

Dies dürfte der Grund sein, warum Cannabinoide bei Patienten mit chronischen Schmerzen beliebt sind. Vor allem bei neuropathischen Schmerzen, die auf Analgetika nicht ansprechen, sind viele Patienten mit der Wirkung von Cannabinoiden zufrieden. Dass die Mittel sie nicht wirklich schmerzfrei machen, dürfte für die Patienten dabei nebensächlich sein.

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Avatar #750926
Disso
am Freitag, 28. September 2018, 01:00

"Versager, Kiffer, Loser" 

@ambush und sein LSD. Unterstrichen mit geistreichen Kommentaren von doccheck und der faz.

Danke, dass Sie den Durchfall unter, wirklich, jeden Medizinalhanf Beitrag kopieren! Davon wird der Inhalt leider nicht "richtiger".

Bzgl. ADHS, gebet denen lieber ihren Amphetaminsaft und ihr Ritalin!!!!

Ich glaube Herr Ambush ist ein medizinischer Versager! :P
Avatar #749369
Ambush
am Dienstag, 25. September 2018, 17:11

Cannabis in der Medizin - Hype ohne viel Substanz

http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html bzw.: "Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen." ... der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist...

nebenbei: ca. 1/3 der Rezepte für medizinisches Cannabis in Deutschland wird angeblich gegen ADHS ausgestellt ... dort hat Cannabis absolut nichts zu suchen...

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5607-cannabis-und-adhs-studie-zu-sativex-zeigt-keinen-signifikanten-nutzen-bei-adhs/

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5565-medizinischer-einsatz-von-cannabis-bei-adhs/

Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt...und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben... man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. "Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!" ...eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz.... daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis gegen ADHS mitverantwortlich...

...Im Übrigen gibt es in der Bundesrepublik wie auch anderswo in Europa und in USA eine bedenkliche Entwicklung, Drogenkonsum insgesamt als Lifestyle oder gar medizinische Wunderwaffe zu bejubeln...laut Statistiken steigt in den letzten Jahren die Drogen-Kriminalität an, auch die zunehmende gesellschaftliche "Akzeptanz" oder sagen wir Banalisierung insbesondere von Cannabis dürfte da ihren Anteil daran haben. Während man früher Cannabis . LSD. MDMA etc. überzogen kriminalisiert hat, scheint heute das gegensätzliche Problem zu bestehen, nach dem Motto: "Ist doch alles nicht so schlimm." Beides ist grundfalsch. ich denke nicht, das ein Dasein als unproduktiver "Versager, Kiffer, Loser" für das Individuum oder die Gesellschaft erstrebenswert sein sollte....

...was massenhafter Drogenkonsum mit einer Gesellschaft anrichten kann, sieht man z.B. an Jemen, Somalia und benachbarten Ländern...in Jemen und Somalia ist jeweils quasi das gesamte Land im kollektiven Kath-Rausch...im Jemen wird statt Weizen nur noch Kath angebaut, sämtliches Getreide muss importiert werden...was das aggressiv machende Kath an Förderung des Terrorismus und islamistischer Strömungen in genannten Ländern alles "geleistet" hat, sollte nicht unterbewertet werden...nun ist Kath zwar nicht direkt mit Cannabis vergleichbar, aber eben ein Beispiel, wie die kulturelle Akzeptanz einer Droge diese Gesellschaft zu Grunde richten kann.... ...anderes Beispiel: der massenhafte, kulturell dort akzeptierte Genuss des "Wässerchens" in Russland...die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion um 20 Jahre gefallen...ein hauptsächlicher "Verdienst" des Alkohols...

Wehret den Anfängen...
Avatar #725920
Syntaxie
am Montag, 24. September 2018, 00:16

Clusterkopfschmerpatienten

berichten überwiegend, daß THC-lastiges Cannabis die Schmerzwahrnehmung eher intensiviert, denn THC gehört zu den Stimulanzien, ähnlich wie auch Coffein.
Cannabidiol hat offensichtlich nivellierende Funktion, gleicht Über- und Unteraktivität im Sehzentrum aus, die blinde visuelle Zonen und Flimmerskotom bei Migräne bedingen.
Gegen weitere Schmerzen sind, wie dort https://s3.amazonaws.com/leafly/content/cannabinoids-101-what-makes-cannabis-medicine/0kDQdUNqR0GCXCMdfgbs_leafly-cannabinoid-wheel-large.jpg ersichtlich, noch einige weitere Cannabinoide und mindestens noch Terpene, zusammenwirkend mit THC beispielsweise zur Stimmungsaufhellung, und oder auch Appetitverringerung, sowie bewahrung von Gedächtnisfunktionen sinnvoll http://30c1be84fhhqj3xa1lmshckme.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2016/02/jXSS0pS1Sw2p2eq176GL_Leafly-Cannabis-Terpene-Wheel-Infographic.png

Einige vor allem durch Migränekopfschmerz geplagte berichten, daß THC-lastiges Cannabis ihnen doch besser hilft als CBD-lastiges. Eventuell erklärbar durch allgemin fehlende Differenzierung verschiedener THC-Varianten. Sortenspezifisch - Delta 8 THC - käme diesbezüglich in Frage https://images.weedmaps.com/pictures/listings/119/171/708/large/4664625_CBD_Wheel.png

THC hat chemisch gewisse Ähnlichkeit mit Anandamid.
Trotz gehässiger Behauptungen von Kriminalisten ist und bleibt es eine weiche Droge, die dem Hirn als selbstregulierendem System bei einer gelegentlichen Dosis von "mehr als genug" die Chance auf Gegenreaktion läßt. Keine bekannten Todesfälle im Gegensatz zu Heroin beispielsweise !

In der ersten verlinkten Grafik direkt neben Schmerzen erwähnt; Schlaflosigkeit, wobei kein THCV gelistet ist, welches wie das gewöhnliche THC ebenfalls als psychoaktiv gilt. Stattdessen sollte (sortenspezifisch) Linalool enthalten sein.

Ist ein BtM in der Lage das psychische Niveau bei ADHS Betroffenen zu steigern, um jenen zu ermöglichen quasi über den Dingen stehen zu können, statt von ihnen erdrückt zu werden, was nervöses Ausweichverhalten mit sich bringt ?
Oder Tourette Betroffenen eine "Steigerung des Niveaus auf durchschnittlich und sozial verträglich" ?
Kann ein angebliches Betäubungsmittel (Sorte ohne Humulene) Appetit steigern ?

Insgesamt wirkt die ständige Hervorhebung von Cannabis gegen Schmerzen als der hilflose Versuch, die Falschbehaupung, Cannabis wäre ein Betäubungsmittel aufrecht zu halten. Wobei im hier vorliegenden Artikel das Klischee - Kiffer währen generell lahm - und abschließend widerum Abstreiten der Wirkungen auf Begünstigung der Pharmaindustrie schließen lassen.

Kann Cannabis Schmerzen wirklich lindern?
Ja, weil Schmerzen das Gegenteil von Wellness darstellen und Cannabis dem gegenüber ein natürliches "Wellnessprodukt" ist !

Avatar #683778
Freudi
am Freitag, 21. September 2018, 23:53

Placebo?!

Ich habe mal gelernt, dass Schmerzen in 60% auf Placebo positiv reagieren! Vielleicht gilt das ja noch?
LNS

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