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Welchen Erfolg haben internationale Organisationen mit Programmen gegen HIV, Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen? Welche Rolle spielen NGOs mit Milliardenbudgets beim Kampf gegen Kindersterblichkeit und Mangelernährung, mit ihrem Einsatz für Familienplanung und Impfungen? Welche ethischen Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang? In seinem Blog ‚Global Health‘ befasst sich Dr. med. Alexander Supady mit internationalen Gesundheitsthemen.

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Kindersterblichkeit

Mittwoch, 26. September 2018

Alle fünf Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind unter 15 Jahren! Jährlich sterben so geschätzt mehr als sechs Millionen Kinder. Ein Großteil dieser Todesfälle trifft Kinder noch vor ihrem fünften Lebensjahr und viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Die größte Zahl ereignet sich in Subsahara-Afrika, in Ländern, deren Bevölkerungen unter so vielen Aspekten benachteiligt leben. In vielen dieser Länder liegen die Mortalitätsraten bei Kindern unter fünf Jahren bei über 50 Fällen pro 1.000 Lebendgeburten, in mehren Ländern sogar deutlich über 100 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten und damit weit entfernt von dem Ziel in den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs), die Mortalitätsrate unter 25 Kinder pro 1.000 Lebendgeburten zu senken.

Und doch sind in den vergangenen Jahren auch Erfolge zu beobachten, die sicher auch auf vermehrte Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft zur Reduktion der Kindersterblichkeit zurückzuführen sind, auf Impfprogramme von Initiativen wie GAVI, auf Maßnahmen zum Kampf gegen die Malaria, auf Maßnahmen zur Stärkung von Gesundheitssystemen. Im Vergleich zu 1990 konnte die Kindersterblichkeit mehr als halbiert werden – damals starben jährlich mehr als 14 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Die globale Mortalitätsrate bei Kindern unter fünf Jahren konnte von 93 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten im Jahr 1990 auf zuletzt 39 Todesfälle gesenkt werden. Allein in dieser Altersgruppe überleben also alljährlich im Vergleich zu 1990 mehr als sieben Millionen mehr Kinder. Dies bedeutet eine Reduktion der Todesfälle um 60 Prozent. Das ist ein großartiger Fortschritt.

Leider jedoch stehen wir alle noch immer vor unglaublichen Herausforderungen auf dem Weg zu gerechteren Lebensbedingungen, zu einer globalen Gesellschaft, in der die grundlegenden Menschenrechte, das Recht auf Sicherheit, das Recht auf Nahrung, das Recht auf eine umfassende medizinische Grundversorgung jedem gewährt wird.

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In einer aktuellen Untersuchung zu Konflikten und Kindersterblichkeit in Afrika (siehe Blog-Eintrag vom 19. September 2018) wurde ermittelt, dass in Afrika im 20-Jahres-Zeitraum von 1995 bis 2015 infolge von 15.441 bewaffneten Auseinandersetzungen etwa fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren ums Leben gekommen sind. Im aktuellen Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World” der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) wurden nun im dritten Jahr in Folge steigende Zahlen unterernährter Menschen präsentiert – im Jahr 2017 waren weltweit 821 Millionen Menschen unterernährt.

Die Menschen besonders in Ländern niedriger und mittlerer Einkommen (LMICs) leiden aber nicht nur unter fehlenden Ressourcen und Dienstleistungen, sondern auch unter der oft unzureichenden Qualität verfügbarer Leistungen. In einer weiteren aktuellen Studie, die den Zusammenhang zwischen der Qualität und Leistungs­fähigkeit von Gesundheitssystemen und der daraus resultierenden Mortalität in 137 Ländern untersuchte, wurde ermittelt, dass jährlich etwa fünf Millionen Menschen aufgrund mangelhafter Qualität der verfügbaren medizinischen Versorgung zu Tode kommen, weitere 3,6 Millionen weltweite Todesfälle sind darauf zurückzuführen, dass verfügbare medizinische Leistungen nicht in Anspruch genommen werden, zum Beispiel aufgrund fehlenden Vertrauens in die Qualität dieser Leistungen.

Wir stehen vor ungeheuren Herausforderungen und wir werden diese nur meistern, wenn wir unsere Anstrengungen im Kampf gegen Armut und Hunger und gegen vermeidbare vor- und frühzeitige Todesfälle verstärken und die richtigen Maßnahmen ergreifen. Die SDGs geben uns sicher einen guten Rahmen vor, die richtigen Ziele, auf die wir in den nächsten Jahren hinarbeiten müssen, sie beschreiben uns aber nicht den Weg und die Maßnahmen, um dorthin zu gelangen. Sicher müssen wir weiterhin die Bevölkerungen besonders in LMICs durch finanzielle Transferleistungen unterstützen, und wir werden diese sicher noch steigern müssen. Dies allein wird aber nicht ausreichen und wir müssen diese Transferleistungen – zu einem großen Teil sind dies Zahlungen der internationalen staatlichen Entwicklungshilfe – besser regulieren und kontrollieren, sodass hiermit die erwünschten Effekte erreicht werden und die Zahlungen die erwünschten Empfänger erreichen und nicht in großem Maße nur mächtigen Eliten zugutekommen.

Genauso aber müssen wir an einer Korrektur des globalen Wirtschaftssystems, der Zoll- und Handelssysteme arbeiten. Solange wir die Märkte armer Länder als willkommene Empfänger günstiger, subventionierter Agrarprodukte nutzen, für die wir in unseren Binnenmärkten keinen Absatz finden, während wir gleichzeitig unsere Märkte durch Zollschranken vor den Produkten und Waren schützen, die in diesen Ländern viel günstiger hergestellt werden, als dies bei uns möglich wäre, während wir natürliche Ressourcen vergleichsweise günstig erwerben und diese zu komplexen hochtechnologischen Industrieprodukten veredeln, die wir wiederum teuer verkaufen, wird eine Entwicklung, wird eine Angleichung der Lebenschancen, wird der Aufbau einer fairen und gerechten globalisierten Gesellschaft nicht gelingen.

Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaften und sie verdienen daher einen besonderen Schutz und besondere Aufmerksamkeit. Unsere Verantwortung ihnen gegenüber verlangt, dass wir uns zu ersthaften Anstrengungen verpflichten, um wenigstens die Ziele, die in den SDGs formuliert sind, bis spätestens zum Jahr 2030 zu erreichen.

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