DÄ plusBlogsVom Arztdasein in AmerikaPlötzlich ausgesperrt. Oder: Der Druck auf Ärzte nimmt zu
Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Plötzlich ausgesperrt. Oder: Der Druck auf Ärzte nimmt zu

Montag, 3. Dezember 2018

Ich bin zur Arbeit erschienen, doch ich durfte nicht arbeiten. Man hatte meinen Ausweis gesperrt, wie ich gleich morgens beim Versuch des Zutrittes bemerkte, und mir offiziell das Recht abgesprochen, Patienten zu visitieren. Ich hatte keinen EDV-Zugang mehr, und wenn ich Pech gehabt hätte, hätte man mir für meinen Pkw einen Strafzettel gegeben, denn eigentlich hätte ich nicht mehr auf dem Personalparkplatz parken dürfen. Ich sei eine Gefahr für die Patienten, las ich in einem aus dem Kontext herausgerissenen Satzfetzen einer Nachricht, als ich schnell und etwas verdutzt mein E-Postfach aufmachte.

Was war passiert? Hatte ich Medikamente gestohlen oder einen schweren Kunstfehler begangen? War ich Opfer einer #Metoo-Kampagne geworden und hatte man mir (fälschlicherweise – das entspricht nicht meiner eher zurückhaltenden Art) Nötigung vorgeworfen? Oder hatte man mich mit einem anderen Dr. Peter Niemann verwechselt?

Der Sachverhalt war viel einfacher: Ich hatte versäumt, mir eine Impfung gegen das Influenzavirus für die Wintersaison 2018/2019 geben zu lassen und stellte somit „eine Gefahr für die Patienten dar“, war somit automatisch am 16. November gesperrt worden. Ich hatte bei meinem jüngsten Umzug wohl das Erinnerungsschreiben übersehen und in meinem stets übervollen E-Postkasten auch noch nicht alle elektronischen Nachrichten gesichtet, somit „die allerletzte Warnung“ ebenfalls übersehen.

Anzeige

So ging ich also, nachdem ich den Grund der Sperrung erfahren hatte, zur Apotheke und ließ mir eine Influenzaimpfung verabreichen (in den USA dürfen Apotheker sie geben). Ich zeigte die Bestätigung über die Impfung der Verwaltung, und in wenigen Minuten war alles in Ordnung. Ich durfte wieder visitieren und Menschenleben retten.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Global Health
Global Health
Gesundheit
Gesundheit
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah