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Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Mit oder ohne Krankenversicherung?

Dienstag, 15. Januar 2019

Seit Ende 2018 bin ich wie eine Art selbstständig (lose angestellt bei einem Krankenhaus, nur gelegentlich aushelfend). Das erlaubt mir mehr Freizeit für all meine Aktivitäten, bringt aber auch eigene Probleme mit sich. So habe ich nicht nur kein regelmäßiges Einkommen mehr (und derzeit ein deutlich gesunkenes Einkommen), sondern auch keine Renten-, Unfall- oder Krankenversicherungen mehr. 

Unter Präsident Obama war eine Pflicht zur Krankenversicherung für jeden eingeführt worden, was natürlich zur Folge gehabt hatte, dass die Zahl der Krankenversicherten auf immer höhere Stände angestiegen war. Gerade auch gesunde Menschen (wie zum Beispiel Freunde von mir und auch ich) waren somit in den Kreis der Krankenversicherten gezwungen worden, doch paradoxerweise waren die Gebühren für eine Krankenversicherung deshalb nicht abgesunken, sondern Jahr um Jahr angestiegen.

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Während im Jahr 2013 mich eine Kranken­versicherung monatlich noch 80 US-Dollar gekostet hatte, kostete dieselbe Police im Jahr 2018 mittlerweile 270 US-Dollar. Natürlich wurde das damit begründet, dass vor allem kranke Menschen aufgenommen worden waren, was aber weder mit Statistiken ausreichend belegt wurde, noch meinem eigenen Eindruck entsprach. Es lag vielmehr der Verdacht nahe, dass Versicherungsgesellschaften diesen Zwang zur Mitgliedschaft für ihre eigenen Profitlüste genutzt hatten. Hatten sie gegebenenfalls sogar für diese Krankenversicherungspflicht gelobbyt?

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Nun also ist diese Pflichtmitgliedschaft unter Präsident Trump für das Jahr 2019 abgeschafft worden. Da man nur einmal im Jahr die Krankenversicherung wechseln beziehungsweise aufgenommen werden kann – dieses muss im Regelfall bis zum 15. Dezember des Jahres vor der erwünschten Mitgliedschaft geschehen sein –, gibt es Anzeichen, dass die Zahl der Krankenversicherten um mehrere Millionen niedriger liegen wird im Jahr 2019 als im Vergleich zum Vorjahr – und das bei einem Anstieg der Bevölkerung um mehr als drei Millionen. 

Übrigens sind die Krankenversicherungsbeiträge zum ersten Mal seit Jahren wieder gesunken (auf knapp 230 US-Dollar). Ist das nicht ein seltsamer Zufall? 

Jetzt nun meine persönliche Entscheidung: Will ich eine Krankenversicherung? Will ich mir das Geld sparen und darauf hoffen, gesund zu bleiben? Kann ich mich nicht selber behandeln, und in Notfällen muss ich eben damit rechnen, die Kosten selber tragen zu müssen? Ich denke, ich werde das Risiko eingehen, ohne Kranken­versicherung für das Jahr 2019 bleiben und mag, dass mir diese Freiheit wiedergegeben wurde.

Kommentare

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Avatar #87253
Aedes
am Sonntag, 27. Januar 2019, 17:50

Der eine freut sich über die wiedergegebene Freiheit...

...die anderen sehen den Zustand des eigenen Gesundheitssystems etwas kritischer:

"Life expectancy in the United States declined again in 2017, the government said Thursday in a bleak series of reports that showed a nation still in the grip of escalating drug and suicide crises.
(...)
Public health and demographic experts reacted with alarm to the release of the Centers for Disease Control and Prevention’s annual statistics, which are considered a reliable barometer of a society’s health. In most developed nations, life expectancy has marched steadily upward for decades."
Washington Post vom 29. November 2018
(siehe auch https://www.bmj.com/content/360/bmj.k496)

Vielleicht hätte sich der Kollege statt für das "Diplom in Medizinwissenschaften" doch eher für den „Master of Public Health, MPH“ entscheiden sollen?
Avatar #87253
Aedes
am Sonntag, 27. Januar 2019, 17:50

Der eine freut sich über die wiedergegebene Freiheit...

...die anderen sehen den Zustand des eigenen Gesundheitssystems etwas kritischer:

"Life expectancy in the United States declined again in 2017, the government said Thursday in a bleak series of reports that showed a nation still in the grip of escalating drug and suicide crises.
(...)
Public health and demographic experts reacted with alarm to the release of the Centers for Disease Control and Prevention’s annual statistics, which are considered a reliable barometer of a society’s health. In most developed nations, life expectancy has marched steadily upward for decades."
Washington Post vom 29. November 2018
(siehe auch https://www.bmj.com/content/360/bmj.k496)

Vielleicht hätte sich der Kollege statt für das "Diplom in Medizinwissenschaften" doch eher für den „Master of Public Health, MPH“ entscheiden sollen?
Avatar #750694
heinzhubert
am Mittwoch, 16. Januar 2019, 18:26

Kein Verständnis

Gerade ein Mediziner müsste wissen, wie schnell auch überraschend eine schwere Erkrankung wie z. B. eine Tumorerkrankung, festgestellt werden kann. Ohne Krankenversicherung ist dies bei dem eher teuereren System in Amerika nicht finanzierbar und somit ein schnelles Todesurteil.
Der Krankenversicherungsbeitrag von 250 Dollar ist sicher eher gering im Vergleich zu einer Versicherung hierzulande, deshalb kann ich diesen Schritt nicht verstehen.
Im übrigen werden Ärzte zumindest hierzulande händeringend gesucht, es gibt also keinen Grund für nur Aushilfstätigkeit und das geringe Einkommen.
Dr. Hubert Heinz
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