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Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

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Dr. med. Rösler, Politiker und "einfach Arzt"

Sonntag, 25. Oktober 2009

Auf der Website des designierten Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters Dr. med. Philipp Rösler ist der folgende „wichtige Hinweis” zu lesen: „Entgegen vielerlei Presseartikeln und Berichten bin ich nicht Facharzt für Augenheilkunde, sondern von Beruf einfach Arzt.” Tatsächlich hat Rösler über ein Thema aus der Herzchirurgie promoviert und bis 2003 als Sanitätsoffizier der Bundeswehr gearbeitet.

Parallel verlief die Politikerkarriere und dabei verlief sich die begonnene Weiterbildung zum Augenarzt. Soviel zum Biografischen. Jeder wird in den nächsten Tagen allüberall nahezu alles über Rösler lesen können, seine ungewöhnliche Biografie reizt schließlich jeden Journalisten zu einer Story. Jetzt aber zur Politik:

Die Ärzteschaft hat generationenlang nach einem Arzt als Ge­sund­heits­mi­nis­ter gerufen. Jetzt hat sie ihn. Ob das gut oder weniger gut für die Ärzte ist, wird sich bald zeigen. Denn Rösler wird die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, FDP und CSU mit Leben erfüllen müssen. Er kennt sie gut, weniger weil er Arzt ist, sondern weil er sie mit seiner Kollegin Dr. med. Ursula von der Leyen wesentlich ausgehandelt hat.

Die beiden kennen deren Untiefen und wissen, was hinter so mancher kryptischen Formulierung steckt, wie interpretationsfähig die Versprechungen zugunsten der Ärzteschaft sind und welche Belastungen nach der NRW-Wahl auf Patienten wie „Leistungserbringer” zukommen werden.

Soviel „Ärztliches” wie in dieser Koaltionsvereinbarung hat jedenfalls selten in einem Polit-Vertrag gestanden. Die Öffentlichkeit wird nun argwöhnisch beobachten, ob Rösler seinen Berufsstand bevorteilt. Sie ist umso argwöhnischer, als die FDP, der Rösler angehört, als typische Klientel-Partei verschrieen ist. Dem designierten Ge­sund­heits­mi­nis­ter muss deshalb daran gelegen sein, solche Vorbehalte zu zerstreuen und stattdessen den ihm vorauseilenden Ruf, ein sozial verpflichteter Liberaler zu sein, zu festigen.

Damit könnte er nicht nur erneut bei der knallharten, auch im Kabinett stark vertretenen Wettbewerbs-Fraktion der FDP anecken, sondern auch bei jenen (Ärzte-)Verbänden, die genauso knallhart die Interessen ihrer Klientel vertreten. Der Neue verdient indes unvoreingenommene Unterstützer, auch aus der Ärzteschaft - und eine faire Chance.

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