Polarpsychiater

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Franz Walter Kirchner, Psychiater im norwegischen Mo i Rana, analysiert in seinem Blog das norwegische Lebensgefühl in Helgeland, dem Polarkreisgebiet zwischen Nordatlantik-Küste und schwedischem Bergland mitten in Norwegen.

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Der Herbst

Montag, 1. November 2010

Derr Herbst ist im Nordland schon vorbei, jetzt, er geht schnell vorüber, wie der Frühling. Beide Jahreszeiten sind extrem kurz, man kann zusehen wie die Farben dieser Jahreszeit auftauchen, kräftiger werden um schließlich im im Graugrün des oft verregneten und dunklen Oktober/November zu enden.

Eigentlich ist dies die schwerst zu ertragende Jahreszeit mit der Zuspitzung zu Weihnachten (kürzester Tag), oft auch mit Regen in dieser von Küstenwetter dominierten Region. Was für eine Erleichterung, wenn dann endlich permanenter Schnee liegt und das Tageslicht langsam wieder zunimmt, Ski und Langlauf möglich wird.

Manche nehmen sich gerade in der Jahreszeit ihren Sonnenurlaub, weil es geradezu absurd scheint im hiesigen Sommer, wo es doch so schön ist, wegzufahren. Diese Phase wird auf der Arbeit oft genutzt um eine Art "Einkehr", Reflexion zu halten, wo stehen wir, sind wir im Takt mit den Richtlinien des Direktorates, gibt es Aspekte der Arbeit die ausgeweitet werden sollten, gibt es Dinge die wir angehen sollten, Zusammenarbeit mit anderen Bereichen, etc. Innehalten, reflektieren, tun wir das, was wir sollten, sind wir effektiv in dem, was wir tun?

Der Herbst bringt uns auch mehr in die Familie zurück, läßt uns innehalten, Luft holen, eventuell erinnern, wir sind nicht für immer hier und sollten uns gut entscheiden, wie wir unsere Präferenzen setzen.

Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Busfahrer, er sprach ausgezeichnetes Deutsch, der jetzt nach seiner Pensionierung als Polizist diesen Job macht, hochzufrieden. Das ist natürlich leichter in einer Gesellschaft, die weniger auf den Status schaut und mehr auf die Persönlichkeit und Zufriedenheit.

Ich erlebe allerdings die Statusorientierung als tief eingebacken in meine Perzeption. Aber es erleichtert auch das Leben, wenn die Außendarstellung weniger Energie verbraucht in der heutigen, so sehr auf Außendarstellung fixierten Gesellschaft.

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