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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Never change a winning antibiotic

Montag, 31. Oktober 2011

Aus Sorge vor einer C. difficile-Infektion des Darms haben Urologen am Addenbrooke's Hospital in Cambridge, einer renommierten Klinik in England, die Antibiotika-Prophylaxe vor Prostatabiopsien verändert. Die Folge war ein deutlicher Anstieg der Infektionsrate, wie sie feststellen mussten.

In Großbritannien hat in den letzten Jahren die Zahl der C. diffile-Infektionen deutlich zugenommen. Sie treten typischerweise bei älteren Menschen nach einer Therapie mit einem Breitbandantibiotikum auf.

Es kommt zu einer Störung der Darmflora und zur Dominanz von C. difficile, das durch seine Toxine ein lebensgefährliches Megacolon auslöst. Diese Komplikation wollten Urologen um David Neal vom Addenbrooke's Hospital ihren Patienten ersparen. Sie veränderten deshalb ihre Antibiotika-Prophylaxe für die transrektale ultraschallgesteuerte Prostatabiopsie. Statt Ciprofloxacin erhielten die Patienten jetzt eine Kombination aus Amoxicillin/Clavulansäure und Gentamicin.

An der Rate der C. difficile-Infektion änderte sich nichts. Diese Komplikation war auch zuvor nicht aufgetreten. Der Wechsel war auch in diesem Sinne rein prophylaktisch erfolgt. Mit nachteiligen Konsequenzen: Die Rate der Infektionen stieg rasant in die Höhe. War es unter der Ciprofloxacin-Prophylaxe nur bei 2,4 Prozent der Patienten in den ersten vier Wochen nach der Biopsie zu einer Infektion gekommen, waren es unter Amoxicillin/Clavulansäure plus Gentamicin mit 12,9 Prozent fünf Mal so viele.

Und die Zahl der Patienten die hospitalisiert werden mussten, stieg von 0,9 Prozent auf 4,7 Prozent an. Sieben der zwölf hospitalisierten Patienten entwickelten eine Sepsis, einer glitt in einen Schock und musste über 24 Stunden mit positiv-inotropen Medikamente gestützt werden. So etwas hatten die Urologen vorher niemals nach Prostatabiopsien beobachtet. Sie führen die Prophylaxe inzwischen wieder mit Ciprofloxacin durch.

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