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Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

Not­fall­daten­satz: Ja? Nein? Weiß nich!

Dienstag, 14. Oktober 2014

Seit nun mehr als zehn Jahren wird er diskutiert: Der Not­fall­daten­satz auf der elektro­nischen Gesundheitskarte. In der gesetzlichen Grundlage, dem §291a des SGB V heißt es dazu, er solle „medizinischen Daten (enthalten), soweit sie für die Notfallversorgung erforderlich sind“. Anfang des Jahres habe ich mich schon mal dazu geäußert

Was mich aber dabei immer wieder – und das seit mindestens auch zehn Jahren – erstaunt, ist dass es offenbar immer noch eine ernsthafte Diskussion darüber gibt, wer eigentlich im konkreten Fall über die Inhalte des Not­fall­daten­satzes entscheidet. Ob also ein Patient vom Arzt einen Not­fall­daten­satz verlangen kann, der gegen die Überzeugung des Arztes bestimmte – aus Sicht des Arztes medizinisch relevante – Sachverhalte nicht enthält

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So zitiert aktuell im Zusammenhang mit dem geplanten e-Health-Gesetz die Ärztezeitung-Online den Juristen (und Arzt!) Prof. Dr. C. Dierks mit der Frage „Kann der Hausarzt dann sagen: Entweder ich speichere alle Daten oder gar keine?" Das sei bislang nicht klar, so die Ärztezeitung weiter. 

Nun bin ich kein Jurist. Aber trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb?) erscheint mir die Sache doch eigentlich ganz klar und einfach zu sein. Der Not­fall­daten­satz wird „medizi­nische Daten“ enthalten. Diese Daten werden, müssen und sollen nur durch einen Arzt (und nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Patienten) in Form eines Not­fall­daten­satzes auf die Gesundheitskarte geschrieben. Danach können sie dann nur von anderen Ärzten oder Angehörigen anderer Heilberufe ausgelesen werden. Seinem Wesen nach ist also der Not­fall­daten­satz ein Werkzeug zum Informationsaustausch zwischen medizinischen „Professionals“, der der verbesserten Versorgung von Patienten in Notfallsituationen dienen soll.

Vergleichbar ist der Not­fall­daten­satz damit am ehesten einem Arztbrief. Auch dieser richtet sich an weiterbehandelnde Ärzte. Er soll ein möglichst umfassendes Bild des Patienten aus medizinischer Sicht vermitteln und dient einer möglichst guten medizi­nischen Weiterversorgung. Absender des Arztbriefes aber ist der Arzt! Mit seiner Unterschrift zeichnet er für den Brief in seiner Gesamtheit verantwortlich. Zwar mag es sein, dass Patienten – und dies kommt im wahren Leben auch immer wieder vor – wünschen, dass Ärzte bestimmte Sachverhalte nicht in Arztbriefe aufnehmen. Zum Beispiel dann, wenn sie vom Patienten als sehr stigmatisierend empfunden werden und aus Sicht des Arztes auch auf sie verzichtet werden kann. Hier findet sich fast immer eine einvernehmliche Lösung.

Dennoch, letztverantwortlich für seinen Arztbrief bleibt der Arzt ! Wenn dem Patienten der Brief nicht „passt“, hat er schließlich die Möglichkeit von seinem Recht auf informati­onelle Selbstbestimmung Gebrauch zu machen, dem Arzt die Weitergabe des Briefes vollständig zu untersagen und ausschließlich sich selbst eine Kopie aushändigen zu lassen.

Und nicht anders liegt doch der Fall beim Not­fall­daten­satz. Auch hier ist der Arzt verantwortlich für den gesamten Datensatz. Wenn er der Auffassung ist, dass ein medizinisch relevanter Sachverhalt nicht fehlen darf, so muss er ihn sogar aufnehmen! Denn sonst verkehrt sich der Not­fall­daten­satz am Ende in sein Gegenteil. In ein Werk­zeug nämlich, welches die Versorgung von Patienten in Notfallsituationen potenziell sogar gefährdet. Und ein solches zu erstellen, kann ja wohl von keinem Arzt erwartet werden.

Meine Antwort auf die Frage: „Kann der Hausarzt dann sagen: Entweder ich speichere alle Daten oder gar keine?“, lautet also:

„Ja natürlich! Was denn sonst?“

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InnovaPrax
am Donnerstag, 16. Oktober 2014, 19:32

Zustimmung

Sehr geehrter Dr. Mccoy,
vielen Dank für diesen Beitrag, ich kann Ihnen nur zustimmen.
Es ist schade das diese Funktion der eGK noch immer nicht umgesetzt ist.
Aus meiner Erfahrung aus Präklinik und Klinik würden uns ein solcher Datensatz nicht nur viel Zeit sparen, sondern wäre auch ein Vorteil für die Patientensicherheit!
Viel zu oft kommt es vor, dass der Patient nicht nur die Dosierung, sondern auch das Medikament vergessen hat was er täglich einnimmt...

Deswegen auch von mir ein klares PRO Not­fall­daten­satz!
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