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In seinem Studium wünscht sich so ziemlich jeder Student mehr Praxiserfahrung. Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland erst im praktischen Jahr und darauf muss man immerhin fünf Jahre warten. PJ hat diese Zeit hinter sich und schreibt von seinen täglichen Erfahrungen im Krankenhaus, die seine Fähigkeiten zwar immer wieder aufs Neue fordern, aber sonst auch kaum erzählenswert wären.

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Exkurs in die Herz-Tho­rax-Chirurgie

Dienstag, 25. August 2015

In der letzten Woche war wieder Fortbildung. Diesesmal stand ein Exkurs in die Herz-Thorax-Chirurgie auf dem Plan. So ziemlich jeder kennt jemanden, der am Herzen operiert ist, aber live dabei zu sein, war auch für mich neu. Bisher war mir das alles eher fremd. Für mich war bislang das Herz ein Organ wie jedes andere. Über das, was eine Herzoperation wirklich bedeutet, hatte ich mich noch so richtig beschäftigt. Zunächst denkt man als Nichtmediziner, jede Operation ist gleich gefährlich und jeder Patient hat Angst. Auch in der HNO operiert wird, obwohl die Eingriffe dort eher harmloser sind. Andererseits kann eine Mandelentfernung unter Umständen auch sehr stark bluten.

Nun ja, als ich mich dem Anästhesisten in der Einleitung vorstellte, beauftragte er mich gleich damit,  für den Patienten einen venösen Zugang zu legen. Er gab mir eine Kanüle, die war so groß, dass ich erst einmal überfordert war und nahm dann lieber eine kleinere. Nachdem der Patient in Narkose war, bekam er zusätzlich noch einen zentralvenösen Zugang, um im Notfall viel Flüssigkeit zu transfundieren. Es werden in jeder Herzoperation 6 Blutkonserven routinemäßig bereitgestellt, in der HNO braucht man nur ganz selten Blutprodukte.

Während der Operation erklärte mir der Anästhesist die Geräte. Ein Ultraschallgerät stand direkt neben uns, um das Herz von der Speiseröhre aus schallen zu können. Das musste der Anästhesist machen, allerdings wird das in der Facharztausbildung nicht gezeigt und gehört dann sozusagen zur Eigeninitiative. Dazu waren noch andere Kollegen anwesend, die die Herz-Lungen-Maschine bedienten und ein Apparat, um die Heparinkonzentration zu messen. Dazu musste der Anästhesist alle 10 Minuten Blut abnehmen, um den aktuellen Wert zu kennen.

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Die Operation war dagegen nicht mehr so spannend. Es ging um einen Bypass, also mehr oder weniger eine Routineoperation, gemessen an der Menge an Menschen mit einem oder mehreren Bypässen. Ein anderer PJler durfte gegen Ende der Operation seine Nahtkünste üben, als er den Schnitt am Arm zunähte. Dort war die Arterie für den Bypass entnommen worden.

Später fragte ich mich, ob das dem Patienten alles bewusst war, wie viel Aufwand für ihn gemacht wird. Dann war mir aber auch klar, dass wir uns den Luxus leisten wollen, soviel Hightech-Medizin anzuwenden. Bis ins hohe Alter.

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