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In seinem Studium wünscht sich so ziemlich jeder Student mehr Praxiserfahrung. Diese Möglichkeit bietet sich in Deutschland erst im praktischen Jahr und darauf muss man immerhin fünf Jahre warten. PJ hat diese Zeit hinter sich und schreibt von seinen täglichen Erfahrungen im Krankenhaus, die seine Fähigkeiten zwar immer wieder aufs Neue fordern, aber sonst auch kaum erzählenswert wären.

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Praxistest

Wieder alles von vorne

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ich merke, wie langsam ich im OP geworden bin. Man leitet die Narkose ein, schiebt den Patienten in den OP-Saal, lagert ihn noch für die Operateure und dann wartet man eigentlich nur noch bis zum Ende der Operation, um den Patienten aufwachen zu lassen. Manchmal muss man noch zwischendurch den Blutdruck und die Narkosetiefe korrigieren, aber im Ganzen waren die Operationen in der HNO wenig spektakulär. Aber das heißt ja auch, dass alles nach Plan läuft und so gut wie nie etwas schief geht.

Auf der Intensivstation liegen auf unserer Seite etwa 12 Patienten, davon ist die Hälfte im IMC-Bereich und braucht keine künstliche Beatmung. Die andere Seite der Intensivstation hat auch etwa 12 Patienten, die alle künstlich beatmet werden. Und alle haben ein chirurgisches Problem, entweder allgemeinchirurgisch oder unfallchirurgisch.

Die Neurochirurgie und die Herz-Thoraxchirurgie besitzen jeweils eine eigene Intensivstation. Jeden Morgen laufen wir mit den Chirurgen zusammen durch die Zimmer und machen Visite. Das bedeutet, dass die Zimmer teilweise so voll werden, dass ich vor der Tür stehen muss und nichts mehr von dem verstehe, was vorne vorgetragen wird. Gleichzeitig bewegt sich alles sehr langsam vorwärts, sodass man in der hinteren Reihe aus Langeweile auch mal schnell über andere Sachen redet...

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Nach der Visite fängt meine eigentliche Arbeit an. Ich muss von Patient zu Patient gehen und ihn von Kopf bis Fuß untersuchen, also alle Körperfunktionen überprüfen. Vorher hätte ich nie gedacht, dass das so wichtig ist. Aber es ist eigentlich vollkommen klar, denn ein Patient mit künstlicher Beatmung kann halt keine Rückmeldung über seinen Zustand geben.

Es wird eigentlich alles überprüft, sogar die tägliche Urinmenge wird penibel notiert, um nichts zu übersehen. Merken muss ich mir das immerhin nicht alles. Alle Daten trägt man in ein Computersystem direkt am Patientenbett ein, Blutdruck und Puls werden sogar automatisch erfasst. Ich bin echt erstaunt, was das Programm alles leistet.

12 Patienten später merke ich, dass der ganze Tag an mir vorbeigegangen ist. Am Nachmittag kommt noch eine zweite Visite nur unter Anästhesisten und dann ist mein Arbeitstag vorbei. So läuft nun jeder Tag und ich bin im Gegensatz zu der Zeit im OP ganz schön gefordert.

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