Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Fortbildungskurs Karibik

Dienstag, 27. März 2018

Es gibt sie also noch, die „guten“ und „alten“ Fortbildungskurse mit exotischem Ziel. Als ich vor knapp 20 Jahren zu studieren begann, da wurde uns prophezeit, dass wir als Ärzte mehrmals pro Jahr auf Kreuzfahrtschiffen und hin zu exotischen Zielen unterwegs sein würden, formell uns um Fortbildung bemühend, informell Urlaub genießend. Ärzte gingen, so wurde mir gesagt, auf Kosten diverser Unternehmen Golf spielen, und man vernetzte sich nicht nur in der Arztpraxis mit Pharmarepräsentanten, sondern vor allem in der Karibik, den Seychellen und wo auch immer man damals hinfuhr.

Natürlich war das alles nicht besonders ethisch, denn es wurde ja von der Pharmaindustrie bezahlt. Diese als Fortbildung getarnten Urlaube dienten dem Zweck, uns Ärzte in unserer Verschreibungspraxis zu beeinflussen, waren also quasi eine Form der Bestechung – viele Kollegen negierten diesen Effekt, doch er ist in einer Vielzahl an wissenschaftlichen Untersuchungen klar belegt. Entsprechend hat man weltweit, gerade auch in den USA und hier besonders streng, an sehr vielen Universitätskliniken (weniger restriktiv im privaten Medizinbereich) jegliche Vorträge und Fortbildungsreisen durch Pharma- oder Medizintechnologieunternehmen verboten. Sie gelten mittlerweile gemeinhin als unethisch.

Da wir Ärzte aber auch nur Menschen sind, weiterhin gerne Sonne, schöne Ambiente und Fortbildung verquicken, bestehen diese Fortbildungsmaßnahmen in warmen Gefilden noch immer fort. Doch heutzutage wird die Bezahlung anders geregelt: Statt Pharmaunternehmensgelder stehen uns Ärzten jährlich bestimmte Summen (und in manchen Fällen auch Urlaubstage) auf einem Fortbildungskonto zur Verfügung – in meinem Fall sind es aufgrund meiner Teilzeit aktuell knapp 5.000 Euro jährlich, bei anderen Kollegen das Doppelte – und mit diesem kann ich dann zu diversen Konferenzen reisen. Ich habe dafür von der Mayo-Klinik sogar meine eigene Fortbildungskreditkarte zur Bezahlung vor Ort erhalten und rechne über eine Applikation meines Telefons das meiste ab.

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Als Beispiel entschied ich mich kürzlich für eine von der Mayo-Klinik bezahlte Fortbildung und kehre so eben von dem schönen Karibikinselstaat St. Kitts und Nevis zurück. Die Vortragenden gehörten zu Amerikas besten Kardiologen und das Niveau war sehr hoch, aber trotz eines strengen Zeitplans blieb genug Zeit für Freizeitaktivitäten. Der Vollständigkeit halber gebe ich die Internetadresse des Kurses hier wieder: https://ce.mayo.edu/cardiovascular-diseases/content/ecg-and-heart-rhythm-basics-and-beyond-2018.

Die Zeiten ändern sich, aber den Arzt auf Fortbildungsurlaub, den gibt es tatsächlich noch.

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