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Auf Schritt und Tritt unterwegs mit der ehemaligen Pjane. Die ist jetzt nämlich Assistenzärztin. Kurze und manchmal etwas längere Einblicke aus dem Leben von einer, die neu an Bord ist.

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Überhört I: Pausenraumgespräche

Dienstag, 6. Februar 2018

„ Das ist schon alles irgendwie verzwickt“, sagt der Pfleger.

Betretenes Schweigen. Seit Tagen gibt es Flurbetten – auf nahezu allen Stationen, der Strom an Patienten reißt nicht ab: Es ist Januar.

Gefühlt stündlich werden auf den Normalstationen Patienten entlassen, damit Betten für die verlegungsfähigen Patienten der Intensivstationen wie unserer frei werden – denn diese bekommen ebenfalls im Stundentakt neue Notfälle.

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Nur dass seit einigen Tagen das sonst ungefähr passende Gefüge von Angebot und Auslastung nicht mehr stimmt.

„Da siehste ja Anfang und Ende nicht mehr“. Nicken von allen Seiten. – „Das ist aber gerade fast überall so“, wird eingeworfen.

„Jup“.

Dass der Bettennotstand auch andere betrifft – das spricht sich rum, das hat man gehört, das erzählt man sich in der Stadt.

„Ist ja auch alles relativ, die Leute werden ja versorgt“ – und tatsächlich, bisher gab es keine relevanten Zwischenfälle, jeder hat ein Bett, jeder wird medizinisch betreut- Deutschland, deine Luxussorgen?

„Das jetzt ist ja auch eher 'ne Phase“, sagt ein Anderer. „Das geht vorbei. Das is’ Januar, Februar. Das kannste nicht planen, wenn da halt auf einmal so viele kommen. Aber was dazwischen passiert, DAS ist das eigentliche Dilemma. Dass wir in den ander’n Zeiten zu wenige sind. Da schafft man es ja auch kaum noch, die Leute zu waschen.“ Nicken.

„Das war ja auch auf einmal so’n großes Thema drei Tage vor der Bundestagswahl“.  - „Hörste nichts mehr von“. „Und wenn jetzt die Personalschlüssel kommen, dann sind die ja auch am untersten Limit orientiert. Sicher, Schlüssel sind gut. Aber so richtig merken wir davon auch nichts.“ – „Woanders streiken sie gerade“. Nicken. Ja, man hat davon gehört. – „Da findet aber auch Notversorgung statt...also ob man da in unseren Zeiten überhaupt einen Unterschied zum sonstigen Alltag merkt? Wir haben doch außer für das Nötigste ohnehin kaum noch Zeit“.

Man ist heute schnell vom aktuellen Brennpunkt zum Kern des Pudels gelangt. Vielleicht schneller als man eigentlich will. Denn das hier ist Pause. Ein paar Minuten hinter Türen, ohne das Klingeln des Telefons, das Piepsen der Perfusoren, dem Hin- und Hergerenne zwischen den Betten.

Wertvolle Zeit.

Schade, denke ich,  im Türrahmen stehend, dass dieser Pausenraum so weit entfernt ist von den großen Bühnen in Berlin.

Auf diesen Bühnen, wo der Personalnotstand zwar Thema ist, ein Theoretisches aber- das zeigen nicht zuletzt am untersten Limit kalkulierte oder – bei den Ärzten – noch nicht einmal vorhandene Personaluntergrenzen.

Sich in Sicherheit wiegend, dass sich daran wohl mittelfristig leider wenig ändern wird, grüßt bis zur nächsten Pause

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