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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die Komplementärmedizin kommt

Freitag, 13. April 2018

Es ist mein persönlicher Eindruck, dass in den USA das Vertrauen in die Schulmedizin sinkt. Verlässliche Zahlen finde ich keine, doch im direkten Gespräch mit Patienten merke ich eine zunehmende Sehnsucht nach ganzheitlicher Therapie. Sie fühlen sich nämlich immer mehr wie Maschinen, bei denen nur Einzelteile verbessert und behandelt werden statt der Gesamtheit des Organismus.

Unbestritten gibt es Höchstleistungen mit Katheterisierungslaboren, exzellente Krebstherapien mit Chemotherapeutika, eine effektive Infektionsbekämpfung mit modernsten Antibiotika oder immer mehr DNS-Reparaturprozesse mittels viraler Agenten, dennoch fühlen sich viele Patienten von der Schulmedizin im Stich gelassen. Man moniert die Nebenwirkungen der Medikamente, die weiterhin immer zahlreicher und teurer zu werden scheinen. Die Gesellschaft scheint immer mehr adipöse und multimorbide Menschen zu besitzen, und richtige Heilung findet nur selten statt. Die Ärzte scheinen immer weniger direkt ansprechbar und verschanzen sich sehr oft hinter Bildschirmen bei der Anamnese oder selbst bei robotergestützten Operationen. Statt einer schnellen Antwort wird man von Spezialist zu Spezialist geschickt, und statt einer Heilung erhält man ein Dauerpräparat mit nur mäßigem Therapieerfolg.

Doch die Menschen sehnen sich nach Gesundheit und einem guten Leben, und wenn sie dieses nicht in der Schulmedizin finden, dann wenden sie sich von ihr ab. Gerade auch deshalb entstehen in den USA immer mehr Arztpraxen, die sich der ganzheit­lichen Therapie verschrieben haben. Manche wollen eine Heilung des Menschen durch Nahrungsergänzungsmittel erreichen, andere durch Stressabbautherapien wie Meditation oder autogenes Training, andere wiederum wählen den Weg der chinesischen Medizin mit Akupunktur oder den der Kräutertherapie.

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Dass natürlich in wohlhabenden Gegenden wie Kalifornien oder dem amerikanischen Nordosten, wie auch in größeren Städten wie Houston, Chicago, Dallas, Miami oder Atlanta solche Praxen besonders häufig vertreten sind, ist kein Zufall. Denn oftmals hat man nur Zugang zu ihnen durch eine Direktzahlung von Arztpraxisgebühren, die jenseits der 500 US-Dollar pro Praxisbesuch liegen können. Geld regiert die Welt, zumindest in Amerika.

Dieser Trend hin zu mehr ganzheitlicher Medizin ist unbestritten, und die Zahl der Ärzte, die in diese Fachrichtung strömen, nimmt zu. Sie wird in den USA als Komplementär- und integrative Medizin bezeichnet und umfasst eine breite Palette an unterschiedlichen Behandlungsstrategien. Sie alle werden eingesetzt, um Menschen hoffentlich gesünder und glücklicher zu machen. Meiner Meinung nach wird das eine große Sache in den nächsten Jahren werden, und auch ich bin in mehreren solcher Ausbildungen und Felder tätig. 

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