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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Veränderte Sicherheitslage in deutschen Krankenhäusern?

Dienstag, 22. Mai 2018

Als ich noch studierte und in Deutschland als Arzt arbeitete beziehungsweise hospitierte, sei es in Krankenhäusern in München, Frankfurt, Kiel, Berlin oder Schwerin, um einige meiner Stationen zu nennen, da waren Sicherheitsmaßnahmen außerhalb der Psychiatriekrankenhäuser weitgehend unbekannt. Doch von Diskussionen mit ärztlichen Freunden und Kollegen, nach Lektüre diverser Massenmedien, kriege ich den Eindruck, dass sich deutsche Krankenhäuser rasch verändern und der amerikanischen Krankenhauslandschaft immer ähnlicher werden.

Kurz ein Eindruck aus meiner Zeit in deutschen Krankenhäusern zwischen 2001 und 2012: Ein einzelner Pförtner am Eingangsbereich, offene Türen, kaum bis keine Sicherheitskameras, kein Sicherheitspersonal, Patientenzimmer und selbst Arzt- und Krankenpflegepersonalräume leicht zugänglich. Es gab nur sehr selten die Notwendigkeit für Sicherheitsmaßnahmen, sehe ich von einzelnen Fällen ab, wie als wir einmal das Mitglied einer kurdischen Familie notoperierten oder einer Romafamilie behandelten und in beiden Fällen Familienmitglieder ihre Emotionen uns gegenüber lautstark und zum Teil körperlich kundtaten.

Dazu standen dann meine Erfahrungen aus den USA im starken Kontrast, wo Sicherheitspersonal mit Schusswaffe omnipräsent ist, gerade an Orten, wo es häufiger zu Auseinandersetzungen kommt, wie der Notaufnahme, wo Videokameras alles aufzeichnen, Personal im Umgang mit Gewalt geschult ist, Polizei häufig herbeigerufen wird und ein gestiegenes Misstrauen gegenüber fremden und sich seltsam benehmenden Menschen herrscht. Für mich ist diese Vorgehensweise mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Und es ist Alltag, dass viele Türen verriegelt sind, man fremde Menschen anspricht, um ihre Motive zu eruieren, man sich hinter verschlossenen Türen zurückzieht und diverse Nummern am Schreibtisch hat, um Sicherheitspersonal schnell rufen zu können.

In dem Maße, wie sich die Demografie und das Verhalten Deutschlands an der multikulturellen und -ethnischen Struktur der USA orientieren und verändern, ist es in meinen Augen auch zwangsläufig, dass traditionelle Strukturen überdacht und verändert werden müssen. Dazu gehört auch die Frage der Sicherheit und der Umgang hiermit. Und ich bin nicht überrascht, wenn ich höre und lese, dass in deutschen Krankenhäusern immer mehr Kameras installiert und Sicherheitsleute eingestellt werden. Man kann das bedauern und man kann diese Veränderung auch negieren. Doch klar ist, dass die Ruhe und Idylle des deutschen Krankenhauswesens in meinen Augen dahin ist und amerikanische Verhältnisse zu erwarten, beziehungsweise an einigen Orten schon eingetroffen sind.

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PostPlatoniker
am Sonntag, 10. Juni 2018, 08:51

Kausalität

Sehr geehrte Herrschaften,

dem Eintrag kann man sehr wohl eine negative Assoziation entnehmen, die sich aus den Prämissen ergibt. Es handelt sich um eine deduktive Schlussfolgerung, solange entsprechende Informationen fehlen. Demnach haben wir einen klassischen Fall der epistemischen oder subjektiven Wahrscheinlichkeit, die jedoch klar Generalisierung sowie Negativität indiziert.
Man kann sich die Schlussfolgerung aus den gegebenen Daten selbstverständlich schönreden oder sie gar verteidigen, allerdings verändert sich der Wahrheitswert nicht.

Viele Grüße.
Aedes
am Mittwoch, 6. Juni 2018, 15:34

Beleg wofür?

Wir müssen uns glaube ich erstmal auf eine These des Kollegen einigen. Dann können wir uns über Belege dafür oder dagegen unterhalten.

Anstatt mühsam Vergleiche zwischen der amerikanischen und der deutschen Gesellschaft zu fabrizieren gäbe es etliche interessantere Themen über die er schreiben könnte.

Vielleicht bin ich zu jung und zu naiv, aber diese ständige Schwarzmalerei und das bedenkenvolle Aufzeigen von vermeintlichen Entwicklungen ohne jeden kritischen Blick auf die amerikanischen Verhältnisse und deren Ursachen (systemischer Rassismus, kritikloser Kapitalismus) werden immer langweiliger, ja länger ich dieses Blog lese.

Ihr Hinweis zum Thema Flüchtlingsintegration wäre eine komplette eigenständige Debatte wert. Hat aber in meinen Augen mit dem ursprünglichen Beitrag des Kollegen wenig zu tun.

Meine These wäre:
Gesellschaftliche Veränderungen so wie sie gerade stattfinden, haben nur sehr begrenzt etwas mit der Veränderung unserer kulturellen und ethnischen Strukturen zu tun.

Zum Theme zunehmende Gewalt könnte man sehr schön über die Vorkommnisse der Nacht von Samstag auf Sonntag in Darmstadt sprechen. Hat die AfD wohl auch versucht. Jedoch: "Der „ganz große Anteil“ der festgenommenen jungen Menschen seien deutsche Männer. Es seien auch Personen mit Migrationshintergrund dabei gewesen, diese seien jedoch „keinesfalls die Hauptverantwortlichen“. So die Polizei.
(http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gewalt-in-darmstadt-alkohol-und-ploetzliche-gewaltexplosion-15622883.html)

Ich bleibe dabei, was sich in unserem Lande tut, dafür gibt es viele Ursachen über die zu sprechen es sich lohnen würde. Dafür Bürder mit "Migrationshintergrund", Ausländer, Flüchtlinge und "Kulturfremde" auch nur in Teilen verantwortlich zu machen halte ich für einen großen Fehler oder alternativ für einen genialen Schachzug. Es lenkt nämlich so wunderbar von den wichtigeren und größeren Themen ab.
loler
am Dienstag, 5. Juni 2018, 06:49

Richtig,

ein weiter Bogen von mir. In der Tat ist keiner der 23 Indikatoren in meiner Liste vorhanden, ich persönlich finde die Homogenität der Länder mit niedrigerem Index deutlich größer als die mit einer Höheren Index-Zahl.

Die Frage die sich mir stellt ist, was für eine Art von Belege sind auf beiden Seiten anerkannt. Es gibt täglich mehrer Zeitungsbeiträge die in die selbe Richtung wie die des Autors abzielen. Plasberg gestern Abend ebenso. Und zu dem ARD Beitrag vor der Talkshow hier noch ein Link:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-doku-das-maedchen-und-der-fluechtling-15620980.html

Ein Zitat: "Wie sie sich in unsere Gesellschaft integrieren wollen und können, macht ein Rollenspiel deutlich, in dem die Frage gestellt wird, ob eine Frau, die abends im Minirock unterwegs sei, nicht selbst schuld sei, wenn sie Opfer eines Übergriffs wird. Bei der Frage scheiden sich die Geister. In Afghanistan wiederum – wo die Autoren versuchen, Kontakt zur Familie des Täters von Kandel zu bekommen – sind die Antworten eindeutig. Eine Frau, die sich von ihrem Mann trennt, „muss getötet werden“, sagt ein alter Mann. Sie müsse „gesteinigt oder getötet“ werden, so stehe es im Koran, sagt ein junger Mann, der Abdul D. kannte." Wenn so eine Kultur, mit starker Indentifizierung und Abgrenzung sich in einem Bereich mit schwindenden Zusammenhalt und Verständnis für Einander nieder lässt, sind dann Spannungen nicht vorprogrammiert? Ist dass nicht ein Beleg?
loler
am Dienstag, 5. Juni 2018, 06:41

Richtig,

ein weiter Bogen, in der Tat. Auch sind, wie Sie treffen aufgezeigt haben, die verschiedenen von mir genannten Dinge nicht explizit im GPI vorhanden. Trotzdem finde ich, dass die Homogenität der Gesellschaften der oberen Ländern deutlich größer ist, als es bei Ländern ist die eine höhere Index-Zahl belegen.

Ich weiß nicht welche Art von Belegen Sie erfreuen würde. Erst gestern waren in der FAZ einige Artikel, die genau in die Richtung des Autors argumentiert haben. Die Talkshow Plasberg gestern hatte einige Argumente die genau in diese Richtung gegangen sind.
Aedes
am Montag, 4. Juni 2018, 10:42

Weiter Bogen

Welcher der 23 Indikatoren des GPI bezieht sich auf "Kultur, Feminismus, Entwicklung der Gleichstellung, Grad der Individuellen "Freiheit", Akkzeptanz der Gewalt unter jungen Männern, Bildung, Akzeptanz des Begriffes der Ehre"?

Nichtsdestotrotz ein interessanter Einwand.

Um auf den ursprünglichen Beitrag des ausgewanderten Kollegen zurück zu kommen:
"Doch klar ist, dass die Ruhe und Idylle des deutschen Krankenhauswesens in meinen Augen dahin ist und amerikanische Verhältnisse zu erwarten, beziehungsweise an einigen Orten schon eingetroffen sind."

Laut GPI befand sich Deutschland 2017 auf Platz 16, die Vereinigten Staaten auf Platz 114!

Ein weiter Weg zu amerikanischen Verhältnissen, zum Glück!

Wenn sich jetzt jemand (Dr. Niemann?) mit Belegen zu seiner These in die Diskussion einschalten würde wäre ich hocherfreut.
loler
am Montag, 4. Juni 2018, 07:39

Erklärung

Die Sicherheitslage in Ländern lässt sich annäherungsweise auch über die Homogenität der Gesellschaft herleiten.
Wie der GPI (https://en.wikipedia.org/wiki/Global_Peace_Index) zeigt sind Länder deren Gesellschaften eine größere Homogenität aufweisen, in Bezug auf Kultur, Feminismus, Entwicklung der Gleichstellung, Grad der Individuellen "Freiheit", Akkzeptanz der Gewalt unter jungen Männern, Bildung, Akzeptanz des Begriffes der Ehre etc häufig friedlichere Gesellschaften. Eine Gesellschaft mit einer multikulturellen Struktur benötigt nun ein aktives Ausgrenzen, eine aktive Definition des Begriffes "Wir". Nur so gibt es Multikulturalität. Verwechselt wird dies häufig mit der utopischen Vorstellung der Selbstaufgabe und aktiven Ablehnung von Gruppen in einer Gesellschaft.
Wenn in Gesellschaften nun eine multikulturalität Besteht kann ein friedliches Zusammen leben zwar gelingen, muss aber staatlich anders gelöst werden als durch Demokratie, wo eine Minderheit die Regierungsbildung und überhaupt Regierung akzeptieren muss, und das Vertrauen besitzt auch "gut" von "denen" regiert zu werden. Die friedliche Machtübergabe zeichnet eine Demokratie aus, ist aber in einer multikulturellen Struktur häufig nicht möglich. Solche Staaten benötigen eine andere Form des regiert werdens...

Ich empfehle hier zur weiteren Beschäftigung: Horizontal Inequalities and Conflict: Understanding Group Violence in Multiethnic SocietiesF. Stewart

Zur Innerdeutschen Kriminalitätsrate:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153880/umfrage/faelle-von-gewaltkriminalitaet/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/197/umfrage/straftaten-in-deutschland-seit-1997/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/748987/umfrage/gefaehrder-in-deutschland-nach-richtung/

Und dass es Terroranschläge in jeder Gesellschaft gibt ist logisch. Der Mensch ist kein von sich aus friedliches Tier. Auch hier gibt Wikipedia eine Liste. (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Terroranschl%C3%A4gen) Allerdings laut eigenen Aussagen unvollständig, Aufschlussreich wäre die Historie der Bearbeitung des Artikels, welchem jeden Angemeldeten Nutzer zur Verfügung steht.
Aedes
am Samstag, 2. Juni 2018, 22:55

Zusammenhänge?

Ich nehme den Vorwurf des Rassismus gerne zurück.

Allerdings fehlt dann noch eine Erklärungen des Kollegen zu den mehrfach erwähnten Zusammenhängen zwischen der "multikulturellen und -ethnischen Struktur" und der veränderten Sicherheitslage.

Ich lese seinen Beitrag so, dass eine kulturell und ethnisch möglichst wenig fremde Gesellschaft seiner Meinung nach sicherer ist. Oder war.

Deutschland in den 70er und 80er Jahren...
Vor meiner Zeit, aber was ich so über den Terror damals gehört habe. Waren sehr deutsch, die Attentäter damals.

Aber klar, alles schlimmer heute. Gefühlt. Leider sprechen die Zahlen dagegen.

Vielleicht müßte ich auch einfach nur mehr Fox News anschauen, dann könnte ich diese Kolumne wahrscheinlich leichter ertragen.
loler
am Mittwoch, 30. Mai 2018, 13:56

Kausale Zusammenhänge

Herr Aedes,

ich habe mich nun mehrfach an einer vernünftigen Antwort versucht, bin aber mehrfach gescheitert.
Ich verstehe nicht wie Sie die veränderten multikulturellen/ethnischen Strukturen und die veränderte Sicherheitslage in einen direkten, anscheinend kausalen, Zusammenhang zu Rassismus bringen. In keinster Weise kann man dem Autor vorwerfen er habe sich dem Rassismus bedient. Kultur hat immer etwas mit Prägung durch das Umfeld zu tun, ist nicht Biologisch determiniert und kann somit hier auch nicht in den Zusammenhang zu Rassismus gestellt werden.

Auch der Begriff Ethnie kann nicht in den vereinfachten Kontext Rassismus gesetzt werden. Frei der Definition nach Wikipedia: . Er bezeichnet eine abgrenzbare soziale Gruppe, der aufgrund ihres intuitiven Selbstverständnisses und Gemeinschaftsgefühls eine Gruppenidentität als Volksgruppe zuerkannt wird. Grundlage dieser Ethnizität können gemeinsame Eigenbezeichnung, Sprache, Abstammung, Wirtschaftsordnung, Geschichte, Kultur, Religion oder Verbindung zu einem bestimmten Gebiet sein" ist auch hier kein Zusammenhang zu irgendwelchen BIOLOGISCHEN Determinanten zu setzten.

Wenn Sie derartiges Schubladendenken und Mundtotmachen praktizieren ist eine offene Diskussion nicht möglich. Und Wahrheit die unter Menschen geteilt werden kann entsteht nun mal durch einen freien Diskurs in dem es eine Einigung gibt.

Sie bauen Mauern.

Mit freundlichem Gruß
Aedes
am Dienstag, 29. Mai 2018, 12:00

Amerikanische Verhältnisse?

Sehr geehrter Kollege,

Könnten Sie bitte den Zusammenhang zwischen der "multikulturellen und -ethnischen Struktur" und einer "veränderten Sicherheitslage" näher ausführen?

Mir ist kein solcher Zusammenhang bekannt und ich befürchte, man könnte Sie ohne weitere Belege für einen Rassisten halten.

Mit kollegialen Grüßen
Kein Rassist
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