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Ärzteschaft

Fernsehserie „Tote Mädchen lügen nicht“ kann Suizide auslösen

Freitag, 7. Juli 2017

Berlin/Köln – Psychiater und Kinderärzte haben vor dem Konsum der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ gewarnt. Das TV-Format romantisiere den Selbstmord und könne Jugendlichen in seelischen Krisen als Vorbild dienen, warnen die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Die Serie beschreibt detailliert die belastenden Umstände, denen die jugendliche Protagonistin ausgesetzt ist, bevor sie sich schließlich selbst umbringt. Das Mädchen hinterlässt Tonaufzeichnungen, in denen sie mit einzelnen Personen abrechnet, die sie direkt für ihren Suizid verantwortlich macht. „Die Darstellung des Suizids selbst ist explizit und verstörend. Dabei wird der Suizid als letzter Ausweg dargestellt und romantisiert. Das Schulschließfach des Mädchens wird von ihren Mitschülern zum Schrein umfunktioniert, der Suizid erhält dadurch posthum eine Aufwertung“, warnen die Gesellschaften. 

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DGKJP und DGPPN weisen darauf hin, dass die internationale Forschung eindeutig gezeigt habe, dass eine detaillierte und drastische Darstellung von Suiziden das Risiko von Nachahmungstaten signifikant steigen lässt, insbesondere bei vulnerablen und suizidalen Menschen (sogenannter Werther-Effekt). Gleichzeitig ignoriere die Serie internationale Richtlinien und Empfehlungen zur Darstellung von Suiziden in den Medien, kritisieren die Fachgesellschaften.

Ein Verbot der Serie fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: „Jugend­liche, die sich mit der Idee der Selbsttötung beschäftigen, werden durch die Serie möglicherweise in Richtung Tat beeinflusst. Zumal sie auch zeigt, wie ein Suizid gelingen kann. Wir fordern daher ein Verbot dieser Serie“, sagte Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes. © hil/aerzteblatt.de

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LNS
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    „Die Bitte um einen Gift­cocktail ist meistens ein Schrei nach Zuwen­dung. Sehr oft kann man Menschen, die keine Aussicht auf Heilung haben oder unter unerträglichen Schmerzen leiden, durch Psycho­therapie, Pallia­tiv­medizin und Schmerz­medizin helfen, so dass sie sich nicht mehr umbringen wollen.“

    Frankfurter Allgemeine Zeitung Juni 2011

    Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundes­ärzte­kammer)

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    „…wir Ärzte müssen respektieren, dass in unserer Gesellschaft das Selbstbestimmungsrecht ein hohes Gut ist und dass niemand gegen seinen Willen behandelt werden darf.“ sueddeutsche.de Juni 2009

    Gian Domenico Borasio
    (Lehrstuhl für Palliativmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München)

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    „Es geht darum , Palliativmedizin zu den Kindern und ihren Familien zu bringen und nicht umgekehrt.“
    Deutsches Ärzteblatt September 2004

    Monika Führer (Stiftungsprofessorin für Kinderpalliativmedizin, LMU München)

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    „Wir Ärztinnen und Ärzte treten dafür ein, Schwerstkranken und Sterbenden ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und vor allem Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzusetzen.“ Deutsches Ärzteblatt September 2010
    Jörg Dietrich Hoppe
     (ehemaliger Präsident der Bundes­ärzte­kammer)

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    „Es gibt Grenzen des Selbst­bestimmungsrechts, vor allem am Lebensende. Das Tötungsverbot widerspricht der Beihilfe zum Suizid und der Tötung auf Verlangen.“ Deutsches Ärzteblatt April 2011

    Robert Zollitsch (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz)

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    "Der Berufsstand der Ärzte ist auf das Leben ausgerichtet und ist aufgrufen, Menschen in einer schwierigen Situation beizustehen – auch wenn sie aus dem Leben scheiden wollen" Deutsches Ärzteblatt April 2009

    Jochen Taupitz (Medizinrechtler und Mitglied im Deutschen Ethikrat)
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    „Lebenszwang herrscht, wenn das Leben mehr geschützt wird als der Patientenwille."
    Süddeutsche Zeitung Mai 2011

    Michael de Ridder (Chefarzt der Rettungsstelle am Berliner Urbankrankenhaus)

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    „Wenn ein Leben ans Ende gekommen ist, sollte man es nicht künstlich verlängern.”
    TV-Sendung Beckmann Dezember 2009

    Nikolaus Schneider (Vorsitzer der Evangelischen Kirche Deutschlands)

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    „Nebenbei kann man Palliativmedizin nicht erforschen und lehren” Rheinisches Ärzteblatt Januar 2010

    Raymond Voltz (Direktor der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin der Universität zu Köln)