Jeder weiß: Diese Nullrunde ist in Wirklichkeit eine Minusrunde. Sie deckt weder die Inflationsrate, noch die zu erwartende dringend nötige Tarifsteigerung für unsere Mitarbeiter. Minusrunden sind politische Bankrotterklärungen. Wer Minusrunden verordnet weiß nicht mehr weiter, ihm fehlen die strukturellen Gedanken. Es ist schlicht falsch, wenn die Ministerin sagt, sie brauche diese Minusrunde, um dem Gesundheitswesen Luft für die Reform zu verschaffen – das Gegenteil ist der Fall: Die Nullrunde drückt uns die letzte Luft ab, die wir noch haben. Die Nullrunde in Krankenhaus und Praxis ist schädlich, weil sie direkt in die Arbeitsplatzvernichtung führt. Man soll uns mal sagen, wie wir damit eine berechtigte Tarifforderung von 3,5 Prozent bedienen? Das heißt doch nur: Für alle gibt es 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt – außer für 3,5 Prozent. Für die gibt es gar nichts mehr, die werden entlassen. So werden preiswerte, sozial wichtige Arbeitsplätze en masse vernichtet. Ich behaupte: Dabei werden mehr Arbeitsplätze vernichtet, als mit den Einsparungen woanders wieder aufgebaut werden! Die Nullrunde ist auch sonst höchst unprofessionell. Wer uns so in die Zange nimmt, kann nicht erwarten, dass wir vertrauensvoll in die anstehenden Strukturdebatten gehen. Und wem soll man angesichts des Bruchs all der Versprechen aus der Wahlzeit noch glauben, dass er es bei der Strukturreform noch ehrlich mit uns meint? So wird Motivation vernichtet, Vertrauen zerstört und das Gesundheitswesen ruiniert. Wir müssen aber gerade deshalb – so paradox das auch sein mag – versuchen, aus dem Nullrundenkäse Löcher herausbrechen. Überall dort, wo strukturelle Elemente gute Gründe für eine weitere Finanzierung ohne Beachtung des Nullrundenbetons liefern, da müssen wir einhaken. Dabei dürfen wir aber nicht auf falsche Versprechungen und unsinnige Luftschlösser hereinfallen, die uns manche Berater der Regierung versprechen. Wer behauptet, mit einem neu entwickelten Chronikerprogramm Herzkrankheiten aus dem Stand heraus 400 Mio. Euro ins Krankenhaus zu holen, der ist entweder ein Traumtänzer, ein Spinner oder ein Lügner. Wer darauf hereinfällt, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir wollen deswegen in den nächsten Tagen und Wochen kämpfen. Unsere Resolution, die wir dem Kanzler jetzt überreichen wollen, wird erst der Anfang unseres Protests sein. Wenn darauf nichts geschieht, dann werden wir weiterkämpfen. Ich verspreche der Regierung einen heißen Herbst und einen kochenden Winter, wenn sie sich von diesem Nullrundenkäse nicht verabschiedet.