Praxiswert Checkliste von Bewertungsmerkmalen I. Materieller Wert 1. Praxisräume (Zahl, Größe) 2. Einrichtungsgegenstände 3. Medizinisch-technische Geräte, Herstellungsjahr 4. Ausnutzungsgrad der Wirtschaftsgüter 5. Anschaffungsgrad der Wirtschaftsgüter 6. Bisherige Abschreibungen 7. Notwendige Instandsetzungsaufwendungen 8. Aufwendungen für Umbauten 9. Vorräte 10. Software II. Immaterieller Wert 1. Objektive Bewertungsmerkmale a) örtliche Lage der Praxis (Großstadt-, Kleinstadt-, Landpraxis) b) Struktur der Praxis in der Zusammensetzung der Patienten nach Versicherungsgruppen (Mitglieder, Rentner, Familienangehörige, Kassenarten, Privatkliniken) c) Arztpraxen und Gebiete in der unmittelbaren Umgebung und im gesamten Einzugsgebiet d) Struktur der Bevölkerung e) Vertretungs-/Notdienstregelungen f) Krankenhäuser in der Umgebung g) Haus-/Raumübernahme h) Zahl der Mitarbeiterinnen/Beschäftigung von Assistenten in der Praxis i) Höhe des Umsatzes, der Praxiskosten, der Behandlungskosten/je Fall in eigener Praxis und, wenn möglich, in anderen Praxen j) finanzielle und Sachunterstützungsmöglichkeiten durch Gemeinde, Kassenärztliche Vereinigung k) Leistungsspektrum, gegliedert nach Leistungsarten 2. Subjektive Bewertungsmerkmale a) Qualifikation/Behandlungsmethoden b) Dauer und Umfang der Berufsausübung c) Alter/Ruf der Praxis d) Alter des Arztes e) Gebiet ärztlicher Tätigkeit f) Belegarzttätigkeit und sonstige vertragliche Beziehungen g) Beziehungen zu Kollegen, Krankenhäusern, anderen Berufsgruppen und Einrichtungen privaten und öffentlichen Rechts h) Organisation in der Praxis i) Einstellung zu Wirtschaftlichkeit/Regressen j) Intensität der Fortbildung k) Einstellung zum Einsatz an medizinisch-technischen Einrichtungen und zur Qualitätserhaltung und -verbesserung aller Leistungen in der Praxis Holger Wendland Die Vorschriften der Zulassungsausschüsse Wer seine Praxis verkaufen möchte, hat in aller Regel einen Wunschkandidaten. Zunächst sollte vor der formellen Einleitung der Praxisabgabe eine Markterkundung stattfinden. Außerdem sollte bereits der Wert der Praxis nach den üblichen Standardkriterien ermittelt werden, sodass mit dem Wunschnachfolger leichter eine materielle Einigung erzielt werden kann. Anschließend sollte dem Zulassungsausschuss der Antrag mit der Bitte zugeleitet werden, den Wunschkandidaten zu berücksichtigen. Dieser könnte das Antragsschreiben bestätigen. Unabhängig davon muss er sich allerdings formell um die Nachfolge bewerben. Verzicht auf Kassenzulassung In Bezug auf die Verzichtserklärung des abgebenden Arztes bestehen erhebliche Unterschiede. Nach der Gesetzeslage wird die Verzichtserklärung mit dem Zugang beim Zulassungsausschuss bindend. Gemäß § 28 Abs. 1 Ärzte-ZV endet die Zulassung mit dem Ablauf des darauf folgenden Kalendervierteljahres. Der Arzt kann seinen Verzicht nach dem Zugang beim Zulassungsausschuss nicht mehr widerrufen. Die Problematik in gesperrten Gebieten beruht darauf, dass die Zulassung des abgebenden Arztes erloschen ist. Einige KVen geben sich mit der Absichtserklärung des abgebenden Arztes auf Verzicht zufrieden. Die KV Nord-Baden hingegen verlangt eine verbindlichen Verzichtserklärung. Die KV Bayerns vertritt die Auffassung, dass ein Ausschreibungsverfahren nach der Gesetzeslage erst begonnen werden könne, wenn eine Verzichtserklärung vorliegt. Dem Abgebenden kann deshalb nur empfohlen werden, eine Verzichtserklärung aufschiebend, bedingt von der Zulassungsentscheidung für den Nachfolger, abhängig zu machen. Rechtliche Bedenken gegen einen solchen Verzicht sind unzutreffend, weil es sich um eine so genannte Positivbedingung handelt, die auch bei einseitigen Willenserklärungen zulässig ist, denn die Erfüllung der Bedingung ist hier in das Belieben desjenigen gestellt, der die Verzichtserklärung empfängt. Kommt es zur Zulassung des Nachfolgers, erlischt aufgrund des Verzichts automatisch die alte Zulassung. Anderenfalls besteht die alte Zulassung fort. Selbstverständlich muss ein Nachfolger sich zuvor auf die offizielle Ausschreibung seitens des Zulassungsausschusses noch formell bewerben. In einigen Bereichen ist die Suche nach einem Nachfolger bereits ein zäher Prozess. Sollte auf die Ausschreibung kein Nachfolger gefunden werden, kann der Arzt seinen Verzicht auf Zulassung widerrufen und die Praxis weiterführen, bis eine Übergabe möglich ist. Denn eine Ausschreibung wegen Beendigung der Zulassung kann in der Regel nur erfolgen, wenn mit dem Antrag auf Ausschreibung auch gleichzeitig auf die Zulassung verzichtet wird. Der Widerruf eines solchen Verzichtes ist allerdings nicht mehr möglich, wenn der Zulassungsausschuss einen Nachfolger ausgewählt hat. Erfahrungen aus der Praxis Die Bandbreite des Engagements einzelner KVen ist groß. So haben einige KVen richtiggehende Antragssysteme entwickelt, während bei anderen auch formlos gestellte Anträge möglich sind. Beim Ausschreibungsverfahren bestehen ebenfalls erhebliche Unterschiede. Viele KVen schreiben den Kassenarztsitz nur in ihrem regionalen Ärzteblatt aus. Die KV Rhein-Hessen lässt den Abgeber zwischen "Deutschem Ärzteblatt" und "Regionalblatt" wählen. Demgegenüber wird von der KV Pfalz bundesweit gesucht, Schleswig-Holstein richtet sich nach den Wünschen des Abgebenden. Die Handhabung der Warteliste ist ebenfalls unterschiedlich. Es ist denkbar, dass ein Interessent auf mehreren Wartelisten steht. Doch lediglich die KVen Mecklenburg-Vorpommern und Bremen schreiben die Ärzte, die eine Praxis kaufen wollen, separat an. Ansonsten gilt, das diese sich auf eine Ausschreibung selbstständig bewerben müssen und entsprechende Veröffentlichungen selbst studieren müssen. Die Information von Bewerbern ist ebenfalls heterogen. Hier sollte der abgebende Arzt besonders darauf dringen, das Heft in der Hand zu behalten und seine Praxis nicht in öffentliches Gerede zu bringen. Der Praxiswert ist zu sensibel, um unter Umständen langwierigen Prozessen ausgesetzt zu werden. Insofern ist zum Beispiel das Vorgehen der KV Bayerns, die für abzugebende Informationen das vorherige schriftliche Einverständnis des Abgebenden verlangt, ein Schritt in die richtige Richtung. Gut erscheint auch die Bremer Variante, nach der die KV eine Liste der Bewerber zusammenstellt und diese dem Abgebenden zwecks weiterer Gespräche übergibt. Eine weitere Variante wäre ein neutrales Praxisexposé, um dem Abgeber einerseits Mühen zu ersparen, andererseits aber den Interessenten die unter Umständen von vornherein uninteressanten Sachverhalte abstrakt zu offenbaren. Bezüglich der Preisvorstellungen halten sich die meisten KVen erkennbar zurück, um Ansätze für Streit zu minimieren. Die KV Mecklenburg-Vorpommern erfragt allerdings die Preisvorstellung des Abgebers hinsichtlich materiellem und immateriellem Wert, wobei der immaterielle Wert durch die eingereichten Abrechnungsergebnisse der letzten vier Quartale überprüft wird. Zum materiellen Wert wird eine betriebswirtschaftliche Analyse des Steuerberaters angefordert. Der Zulassungsausschuss in Schleswig-Holstein überprüft erforderlichenfalls, ob die Forderung des Arztes mit dem Verkehrswert der Praxis übereinstimmt. Dabei wird für die Ermittlung des ideellen Praxiswertes ein durchschnittlicher Quartalsumsatz zugrunde gelegt. Holger Wendland