Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung sprechen sich dafür aus, die Möglichkeiten für Verbesserungen in der Versorgung chronisch Kranker durch strukturierte Behandlungsprogramme zu nutzen. Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung chronisch Kranker ergeben sich durch einen zwischen den an der Versorgung Beteiligten abgestimmten Behandlungsverlauf auf der Grundlage evidenzbasierter Grundsätze der Diagnostik und Therapie. Strukturierte Behandlungsprogramme können zu mehr Kooperation und Koordination langfristiger Behandlungsverläufe beitragen. Diese Chancen dürfen aber nicht durch eine aus der Konstruktion des Risikostrukturausgleichs abgeleitete Überregulierung zunichte gemacht werden. Durch die Verknüpfung mit dem Risikostrukturausgleich wird die Einführung strukturierter Behandlungsprogramme die Versorgung chronisch Kranker mit erheblichen Nachteilen belastet. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt darf durch Struktur und Durchführung der Programme nicht in Frage gestellt werden. Es gilt, die aus der Entwicklung US-amerikanischer Managed Care-Unternehmen bekannten Fehler einer direkten Einflussnahme Dritter auf das Behandlungsgeschehen zu vermeiden. Aus gegebenem Anlass verbinden die Vorstände von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ihre Unterstützung strukturierte Behandlungsprogramme daher mit folgenden Voraussetzungen: Die Festlegung der Behandlung und ihre Koordination bleibt ärztliche Aufgabe. Die Programme können die behandelnden Ärzte durch geeignete Informationen unterstützen. Eine direkte Einflussnahme der Krankenkassen auf das Behandlungsverhältnis zwischen Patient und Arzt wird nachdrücklich abgelehnt. Unter Gesichtspunkten des RSA soll die Krankenkasse Transparenz über Behandlungsverläufe erhalten. Hierfür sind pseudonymisierte Daten grundsätzlich ausreichend. Die Übermittlung personenbezogener Daten über Behandlung und Befunde der Patienten an die Krankenkasse wird nachdrücklich abgelehnt. Soweit personenbezogene Daten zur Prüfung von Ausgleichsansprüchen im Risikostrukturausgleich erforderlich sind, müssen diese Informationen so gestaltet sein, dass sie der Krankenkasse keine Möglichkeit zu direkter Intervention in das Behandlungsgeschehen geben. Evidenzbasierte Grundsätze von Diagnostik und Therapie für strukturierte Behandlungsprogramme in der GKV dürfen weder durch die Art ihrer Definition noch durch die Anwendung externer Prüfroutinen den Charakter einer verpflichtenden Vorgabe annehmen. Damit würde das Prinzip evidenzbasierter Medizin verletzt. Durch die Verknüpfung mit dem Risikostrukturausgleich werden Ausgleichszahlungen zwischen Krankenkassen vom Nachweis der Mitwirkung der Versicherten in strukturierten Behandlungsprogrammen abhängig gemacht. In der Logik des Risikostrukturausgleichs soll deshalb mangelnde Mitwirkung einzelner Versicherter zu deren Ausschluss aus dem Programm führen. Dadurch besteht die Gefahr, dass in der praktischen Umsetzung strukturierter Behandlungsprogramme gerade diejenigen Patienten von einer Teilnahme ausgeschlossen werden, deren langfristige Teilnahme aus medizinischer Sicht dringend zu empfehlen ist. Damit würde nicht nur das Ziel strukturierter Behandlungsprogramme sondern auch die Zielsetzung des RSA verfehlt. Deshalb ist zu fordern, dass a) Mitwirkungspflichten von Versicherten auf regelmäßige Teilnahme an notwendigen Behandlungsmaßnahmen begrenzt bleiben; Versicherten, die an Programmen nicht teilnehmen, dadurch keine Nachteile entstehen; die Evaluation der Programme den Vergleich mit der Versorgung nicht eingeschriebener Versicherter umfasst. Die zwischen Patient und Arzt vereinbarte Behandlung muss sich an den individuellen Gegebenheiten orientieren können; weder Patient noch Arzt dürfen Gefangene von Buchungsvorschriften des RSA werden. Die Vermittlung erforderlicher Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung von Disease-Management-Programmen bleibt gemeinsame Aufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung. Strukturierte Behandlungsprogramme müssen die verschiedenen Sektoren umfassen. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung streben kurzfristig Gespräche mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen, dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesversicherungsamt an.