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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Stabile Angina pectoris: Weniger pektanginöse Symptome durch Akupunktur krankheitsbeteiligter Meridiane

Dtsch Arztebl 2019; 116(50): A-2356 / B-1935 / C-1876

Gerste, Ronald D.

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Foto: Max Tactic/stock.adobe.com
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Bei chronisch stabiler Angina pectoris (CSA) ist Ziel der Therapie, myokardiale ischämische Symptome und kardiovaskuläre Ereignisse bis hin zu Myokardinfarkt und Herztod zu verhindern. In China wird eine Prävalenz der CSA von fast 10 % vermutet.

Chinesische Forscher haben in einer randomisierten Studie das Potenzial der Akupunktur zur Unterstützung von Therapie und Betreuung bei Patienten mit CSA untersucht. 404 Patienten (zu 63 % weiblich) mit einem Durchschnittsalter von 62,6 Jahren und einer mittleren Krankheitsdauer von 54 Monaten wurden in 4 Gruppen randomisiert. Sie erhielten 3-Mal pro Woche über 4 Wochen (also in insgesamt 12 Sitzungen) entweder Akupunktur im krankheitsbeteiligten Meridian (DAM, disease affected meridian), in einem nicht beteiligten Meridian (NAM, nonaffected meridian) oder eine Scheinakkupunktur (SA, sham accupuncture). Bei der 4. Gruppe gab es keine Intervention. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Häufigkeit von Anginaattacken über die nächsten 3 Monate nach Abschluss der Behandlung, also über insgesamt 16 Wochen.

Die durchschnittliche Häufigkeit dieser Attacken betrug in den 4 Wochen des Baseline-Zeitraumes 13,31. Diese Häufigkeit nahm in der DAM-Gruppe am stärksten ab: um 7,96 Attacken bis Woche 16. In den anderen Gruppen reduzierte sich die Anzahl der Attacken um 3,89 (NAM), 2,78 (SA) und 2,33 in der Kontrollgruppe. Die mit Akupunktur im krankheitsbeteiligten Meridian adjuvant behandelten Patienten hatten somit im Vergleich zur Kontrollgruppe im Durchschnitt 5,63 Attacken weniger (95-%-Konfidenzintervall: 3,99; 7,27; p < 0,001). Bei 16 Patienten traten Nebenwirkungen der Akupunktur auf wie subkutane Blutungen und Schlaflosigkeit. In der Kontrollgruppe starb eine Patientin während der Studiendauer an einem Myokardinfarkt.

Fazit: „Mit der deutlichen Abnahme der pektanginösen Beschwerden in der Verumgruppe und den ausgeprägten Unterschieden zwischen den Subgruppen sind diese Ergebnisse sehr erstaunlich“, erläutert Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der TU München.

„Dies lädt natürlich zu zahlreichen Spekulationen ein, die in nachfolgenden Studien überprüft werden müssten: Kann die Akkupunktur-Punktspezifität repliziert werden? Und wenn ja: Wie lässt sich der Wirkmechanismus physiologisch erklären?“ Vielleicht ließen sich neuartige, wenig invasive Therapieprinzipien identifizieren, die bei pektanginösen Beschwerden adjuvant verwendet werden könnten wie zum Beispiel die sanfte Elektrostimulation. In einer eigenen Pilotstudie hätten sich vor einigen Jahren ebenfalls vergleichsweise deutliche Effekte der Verumakupunktur (ohne Elektrostimulation) bei Herzinsuffizienz gefunden (2). Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Zhao L, Zheng H, Xiaorong C, et al.: Acupuncture as Adjunctive Therapy for Chronic Stable Angina. A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med 2019; 179: 1388–97.
  2. Kristen AV Schuhmacher B, Strychet K et al.: Acupuncture improves exercise tolerance of patients with heart failure: a placebo-controlled pilot study. Heart 2010; 96: 1396–400.

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