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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Koronare Herzkrankheit: Der Nutzen von Katheter und Stent wird häufig überschätzt

Dtsch Arztebl 2019; 116(50): A-2357 / B-1936 / C-1877

Meyer, Rüdiger

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Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com
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Die meisten Patienten überschätzen offenbar perkutane Koronarinterventionen (PCI). Während in einer Umfrage Ärzte nur selten annahmen, dass eine Koronardilatation und Stentimplantation eine Koronare Herzkrankheit „heilt“, einen künftigen Herzinfarkt verhindert und das Leben verlängert, waren die meisten Patienten nach ärztlicher Aufklärung davon überzeugt.

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist meist nicht auf den Abschnitt der Koronararterie begrenzt, der bei der PCI geweitet und heute in der Regel mit einem Stent versorgt wird. Nur 2 % der Kardiologen, die das Team um Felicity Astin von der Universität Huddersfield bei Leeds befragte, meinten, dass eine PCI eine Heilung der KHK bedeute. Nur 12 % waren der Ansicht, dass sie vor einem zukünftigen Infarkt schützt und nur 3 % gingen davon aus, dass dies das Leben der Patienten verlängert.

Ganz anders sehen dies offenbar die Patienten. 60 % glaubten, dass eine PCI ihre KHK „heilen“ würde und die meisten vertrauten darauf, dass die PCI ihr Risiko auf einen zukünftigen Herzinfarkt verringere (89 % nach dringlicher, 95 % nach elektiver PCI). Ähnlich viele hofften, dass der Herzkatheter ihr Leben verlängerte (87 % nach dringlicher, 91 % nach elektiver PCI).

Diese gegensätzlichen Ansichten überraschen, da die befragten Ärzte die Patienten über Nutzen und Risiken der PCI aufgeklärt hatten.

Fazit: Die Umfrage ergab somit, dass Kardiologen und Patienten durchaus unterschiedliche Schlüsse aus einem Aufklärungsgespräch ziehen. Einig waren sie sich hinsichtlich der begrenzten Effektivität: Die Mehrheit der Patienten gab an, dass sie in der Regel die Informationen nicht verstünden, wovon auch ein Drittel der Kardiologen ausging. Zwei Drittel der Patienten meinten, dass sie sich später nicht daran erinnerten, wovon auch mehr als die Hälfte der Ärzte überzeugt war. Unterschiede bestanden in den Ansprüchen an die Aufklärung. Die meisten Kardiologen bekannten sich zum „informed consent“, nur 27 % meinten, dass die Patienten sich bei der Entscheidung auf den Arzt verlassen sollten. Diese waren mehrheitlich (66 % nach dringlicher, 62 % nach elektiver PCI) der Ansicht, bei ihrer Entscheidung letztlich doch vom Arzt abhängig zu sein. Rüdiger Meyer

Astin F, et al.: Cardiologists’ and patients’ views about the informed consent process and their understanding of the anticipated treatment benefits of coronary angioplasty: a survey study. European Journal of Cardiovascular Nursing 27. Nov. 2019 DOI: 10.1177/1474515119879050.

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