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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Primäre und sekundäre kardiovaskuläre Prävention: 4 Wirkstoffe, eine Tablette – „Polypill“ reduziert Rate kardiovaskulärer Ereignisse

Dtsch Arztebl 2019; 116(50): A-2355 / B-1934 / C-1875

Vetter, Christine

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Foto: kitthanes/ stock.adobe.com
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Inwieweit durch eine „Polypill“ mit der Kombination von 4 Wirkstoffen in einer Tablette eine primäre und sekundäre Prävention kardiovaskulärer Ereignisse zu erwirken ist, hat die PolyIran-Studie untersucht. An der Studie nahmen 6 838 Probanden (40–75 Jahre) überwiegend ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung aus dem ländlichen Iran teil. Die Hälfte von ihnen erhielt als Kontrollgruppe lediglich Lebensstilinterventionen, die andere Hälfte wurde mit einer Polypill behandelt.

Diese bestand als Fixkombination aus 81 mg Acetylsalicylsäure, 12,5 mg Hydrochlorothiazid, 20 mg Atorvastatin sowie 5 mg Enalapril und alternativ 40 mg Valsartan, wenn die Probanden auf die Medikation mit Husten reagierten. Primärer Endpunkt waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Hospitalisierung aufgrund eines akuten Koronarsyndroms, fataler Myokardinfarkt, plötzlicher Herztod, Herzinsuffizienz, Revaskularisierung eines Koronargefäßes, nichtfataler und fataler Schlaganfall). Die mediane Adhärenzrate während der 5-jährigen Studiendauer betrug 80,5 %.

In der Kontrollgruppe entwickelten 8,8 % der Studienteilnehmer ein kardiovaskuläres Ereignis gegenüber 5,9 % in der Polypill-Gruppe (Hazard Ratio [HR]: 0,66; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,55; 0,80]).

Bei isolierter Betrachtung der Ergebnisse bei Probanden mit sehr guter Adhärenz war der Unterschied noch größer (HR: 0,43; [0,33; 0,55]). Die Reduktion der Ereignisrate stieg somit von 34 auf 57 %. Eine signifikante Assoziation zu vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen bestand nicht. Die Nebenwirkungsrate war in beiden Gruppen vergleichbar.

Fazit: „Die Studie bestätigt, dass eine fixe Kombination aus Substanzen mit bekanntem kardioprotektivem Potenzial in einer Tablette die Rate an kardiovaskulären Ereignissen senkt“, kommentiert Prof. Dr. med. Christian Hamm, Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie und Angiologie) des Universitätsklinikums Gießen. Dies sei sicherlich durch eine verbesserte Adhärenz der Patienten bei der Einnahme nur einer Tablette bedingt und besser, als keine Therapie zu erhalten. „Davon abgesehen ist jedoch generell ein individuell zugeschnittenes Therapieregime vorzuziehen, bei dem das spezielle Risikoprofil des Patienten Berücksichtigung findet“, so Hamm. Christine Vetter

Roshandel G, Khoshnia M, Poustchi H, et al.: Effectiveness of polypill for primary and secondary prevention of cardiovascular diseases (PolyIran): a pragmatic, cluster-randomised trial. Lancet 2019; 394: 672–83.

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