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Politik

Immer mehr Patienten mit Herzerkrankungen in Deutschland

Donnerstag, 7. Februar 2019

/Kzenon, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankungen bleiben aber weiterhin vor Krebs mit Abstand die Todesursache Nummer eins in Deutschland, wie die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie heute in ihrem Deutschen Herzbericht 2018 in Berlin mitteilten.

Laut Bericht starben 2016 rund 2,1 Prozent weniger Patienten an kardiovaskulären Erkrankungen als 2014. Als Grund dafür nennen die Mediziner bessere Behandlungs­methoden. Zugleich gingen 37,2 Prozent aller Todesfälle auf Herzerkrankungen zurück.

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Nach Angaben der medizinischen Fachgesellschaften werden aktuell jedoch deutlich mehr Menschen wegen Erkrankungen des Herzens in Krankenhäusern behandelt als vor wenigen Jahren. 2017 gab es aufgrund von Herzerkrankungen mehr als 1,71 Millionen Einweisungen ins Krankenhaus. Das sind 37.800 mehr als noch 2015. „Eine Trendwende ist in der älter werdenden deutschen Bevölkerung nicht zu erwarten“, heißt es in dem Bericht.

Eine starke Zunahme ist vor allem bei Herzklappenerkrankungen (plus 5,8 Prozent), Herzrhythmusstörungen (plus 3,0 Prozent) und Herzinsuffizienz (plus 3,7 Prozent) erkennbar. „Dies sind auch die Erkrankungen, die mit zunehmendem Alter häufiger werden“, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Hugo A. Katus.

„Die steigende Lebenserwartung, die zu einem ganz überwiegenden Teil auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bei Herzpatienten zurückzuführen ist, führt also auch dazu, dass immer mehr Patienten mit chronischen Herzerkrankungen behandelt werden müssen.“

Laut Herzbericht gibt es deutliche regionale Unterschiede bei Erkrankungs- und Todeszahlen: Die neuen Bundesländer führen die Negativstatistik an. Das hängt laut Bericht vor allem mit der Altersstruktur zusammen. In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch im Saarland, leben anteilig mehr über 65-jährige Menschen.

Die jüngsten Zahlen für 2016 schwanken dabei von mehr als 290 Herztoten pro 100.000 Einwohner in Sachsen-Anhalt bis zu 184 Herztoten pro 100.000 Einwohner in Hamburg. Das Lebensalter als Faktor wurde aus der Statistik so gut wie möglich herausgerechnet. In den Tabellen gibt es nicht allein Ost-West-Unterschiede.

Betrachten die Statistiker die Einlieferungen in Kliniken nach einem akuten Herzinfarkt kommt das Saarland im Jahr 2017 mit 305 Patienten pro 100.000 Einwohner auf einen Spitzenwert. Die geringste Herzinfarkt-Zahl meldete Sachsen mit 197 Patienten pro 100.000 Einwohner.

„Der auffällige Unterschied bei der Anzahl der akuten Herzinfarkte in den Bundesländern lässt sich noch nicht erklären, wenn allein das Alter als Faktor herausgerechnet oder ländliche Regionen mit längeren Rettungswegen anders beurteilt werden“, sagte Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Da müsse man noch viel mehr Parameter in den Blick nehmen, zum Beispiel auch den Bildungsgrad der Bevölkerung, die Gesundheitsinformationen in ländlichen Regionen, dazu Faktoren wie Übergewicht, Raucherquoten und die Anzahl von Vorerkrankungen wie Diabetes.

Bremen und Sachsen-Anhalt versuchen, mit bestimmten Programmen gegenzusteuern. Dabei geht es zum Beispiel um mehr Informationen über Lebensstilrisiken wie Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht, aber auch um mehr Grundwissen über Herzerkrankungen.

Wie der Bericht ebenfalls zeigt, ist die Zahl der Herzoperationen bei betagten Patienten in Deutschland überproportional angestiegen. Gab es im Jahr 2000 rund 4.225 Herzoperationen bei Menschen über 80, waren es nach den jüngsten Zahlen für 2017 bereits 16.242 Eingriffe, heißt es. In keiner anderen Altersgruppe haben sich die OP-Zahlen laut Bericht in diesem Ausmaß entwickelt.

Ärzte erklären sich den großen Zuwachs nicht allein mit der alternden Gesellschaft. Neben schonenderen Narkosen gebe es heute minimalinvasive Techniken und OP-Methoden ohne Brustkorböffnung, sagte Wolfgang Harringer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Das verringere das Risiko. Die heutige Generation der über 80-Jährigen sei auch eine völlig andere. „Die Menschen sind durch die Bank fitter und aktiver.“

Es sei etwas dran, dass in Deutschland zum Beispiel mehr Schrittmacher verpflanzt und mehr Stents eingesetzt würden als in anderen europäischen Ländern, ergänzte Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Es wird aber nicht zu viel operiert“, betonte er.

Die Entwicklung sei auch eine Folge des Wohlfahrtsstaats, der die Lebensqualität als Richtgröße mit in den Blick nehme. Operationen würden auch noch im hohen Alter ausgeführt, weil Patienten dann zum Beispiel weniger Brustschmerzen und Atemnot hätten – und dadurch mehr Bewegungsfreiheit.

Der Deutsche Herzbericht 2018 wird von der Deutschen Herzstiftung herausgegeben. Sie arbeitet dabei unter anderem mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie zusammen. © kna/dpa/aerzteblatt.de

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