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US-Kardiologen: Neue Methoden und alte Fehler bei der Blutdruckmessung

Montag, 4. März 2019

/jd-photodesign, stock.adobe.com

Dallas – Die Bestimmung des Blutdrucks, eine der häufigsten und wichtigsten medizinischen Untersuchungen, hat sich in den letzten Jahren verändert. Digitale Oszillometer haben die klassischen Sphygmomanometer weitgehend verdrängt, die 24-Stunden-Messung gehört zur Routine, die Genauigkeit von Handgelenkmessgeräten hat sich verbessert, und in naher Zukunft könnte ein „Wearable“ interessierten Laien regelmäßige Informationen über ihren Blutdruck liefern. Die American Heart Association bewertet in Hypertension (2019; doi: 10.1161/HYP.0000000000000087) die einzelnen Methoden und nennt die Fehlermöglichkeiten.

Ein häufiger Fehler bei der Blutdruckmessung ist die Nichtbeachtung der Körper­position. So ist der systolische Blutdruck im Liegen um 3 bis 10 mmHg höher als in sitzender Position. Der Blutdruck sollte deshalb in der liegenden Position mit einem Kissen unter dem Oberarm durchgeführt werden. Sonst liegt der Arm unterhalb der Herzebene, was den Anstieg der Blutdruckwerte erklärt. 

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Auch in sitzender Position sollte sich der Oberarm in der Höhe des rechten Vorhofs befinden. Das ist in der Mitte des Brustbeins oder auf Höhe des vierten Interkostalraums. 

Kreuzen der Beine kann Blutdruck ansteigen lassen

Eine entspannte Position des Patienten ist notwendig. Wenn der Rücken eines Patienten nicht gestützt ist, kann der systolische Blutdruck um 5 bis 15 und der diastolische Wert um 6 mmHg erhöht sein. Auch das Kreuzen der Beine während der Messung kann laut Studien den systolischen Blutdruck um 5 bis 8 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 3 bis 5 mmHg ansteigen lassen, berichtet ein Team um Paul Muntner von der University of Alabama in Birmingham, die das 32-seitige Dokument für die American Heart Association mit Sitz in Dallas erstellt hat. Es handelt sich um eine Überarbeitung einer Stellungnahme aus dem Jahr 2005. 

Seither hat sich einiges in der Technik der Blutdruckbestimmung verändert. Die klassischen Sphygmomanometer sind aus den meisten Kliniken verschwunden, allein schon weil sie Quecksilber enthielten, das heute nicht mehr im medizinischen Bereich geduldet wird. Es gibt zwar aneroide Sphygmomanometer, die weiterhin eine Messung durch Auskultation der Karotkowtöne ermöglichen. Die Geräte sind nach Einschätzung der US-Kardiologen jedoch störungsanfällig, vor allen Dingen, wenn sie im Klinikalltag nicht sorgfältig behandelt werden. Außerdem hat die Auskultation eine subjektive Komponente. Verschiedene Untersucher kommen eventuell zu unterschiedlichen Ergebnissen. 

Die oszillometrische Messung ist einfacher, weshalb die Geräte zur Selbstmessung durch den Patienten geeignet sind. Die Selbstmessung vermeidet unter Umständen die Diagnose einer Weißkittel-Hypertonie, deren Bedeutung als Risikofaktor laut der American Heart Association noch immer umstritten ist. Patienten mit maskierter Hypertonie, die bei der Messung in der Praxis einen normalen Blutdruck haben, im Alltag jedoch nicht, haben dagegen ein erhöhtes Risiko. Die ambulante 24-Stunden-Messung ist deshalb die genaueste Methode zur Diagnose einer arteriellen Hypertonie.

Blutdruckmessung am Handgelenk ist anspruchsvoll

Eine Blutdruckmessung am Handgelenk wurde lange als zu ungenau eingestuft. Hier hat sich die Technik der Geräte jedoch im letzten Jahrzehnt verbessert, findet Muntner. Viele Geräte würden heute die Validierungsprotokolle bestehen. Die Messung ist jedoch anspruchsvoll, da der Sensor sich direkt über der Arteria radialis befinden muss und das Handgelenk bei der Messung gestreckt gehalten werden muss. Die Handgelenkmessung kann bei Menschen mit einer ausgeprägten Adipositas und einem großen Oberarmumfang auch aus ärztlicher Sicht eine echte Alternative sein. 

Kombination von Photoplethysmogramm und Elektrokardiogramm interessanter Ansatz

Einer Blutdruckbestimmung mit dem Smartphone erteilt die American Heart Association dagegen eine klare Absage. Die photoplethysmografische Bestimmung der Hautdurchblutung im Finger ist keine validierte Methode zur genauen Bestimmung des Blutdrucks. Ob sich dies durch „Wearables“ und Smartwatches ändern wird, bleibt abzuwarten. Ein interessanter Ansatz ergibt sich aus der Kombination aus Photoplethysmogramm (PPG) und Elektrokardiogramm (EKG). Über die dafür notwendigen Messgeräte verfügen einige Smartwatches bereits.

Aus den Überlagerungen von PPG und EKG lässt sich die Pulswellenlaufzeit berechnen. Das ist die Latenz zwischen dem Herzschlag, erkennbar an der R-Zacke im EEG, zu dem Anstieg der Sauerstoffsättigung im Gewebe. Aus der Pulswellenlaufzeit lassen sich diastolischer und systolischer Blutdruck berechnen. Die Technik ist zwar längst nicht ausgereift – vor allem, weil auch bei dieser Messung die Position der Smartwatch (am besten vor den Herzen) entscheidend ist. Die in den Geräten eingebauten Akzelerometer könnten allerdings auch dieses Problem in Zukunft lösen. Eine Bewertung wird wohl erst in zukünftigen Stellungnahmen möglich werden. © rme/aerzteblatt.de

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