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Politik

Cardiolotsen sollen Übergang in die ambulante Versorgung steuern

Dienstag, 28. Mai 2019

Impfberatung-britta60-stockadobecom

Berlin – Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus finden sich manche Patienten im Dschungel des umfangreichen ambulanten Weiterbehandlungsangebotes nur schlecht zurecht. An den Berliner Vivantes-Kliniken wird deshalb ein neues Berufsbild getestet: Cardiolotsen betreuen bei der AOK Nordost versicherte Herzpatienten nach dem statio­nären Aufenthalt. Sie sollen für einen reibungslosen Übergang zwischen den Versorgungsebenen sorgen.

Das Ziel des mit 4,6 Millionen Euro geförderten Innovationsfondsprojektes ist es, zu zeigen, dass sich eine Patientenbegleitung nach einem Kranken­haus­auf­enthalt lohnt, wie Harald Darius, Chefarzt der Kardiologie am Vivantes-Klinikum Neukölln und Medi­zinischer Leiter des Projekts, darlegte. Begleitet wird das Projekt deshalb von einer Evaluationsstudie der Ludwig-Maximilians-Universität München, deren Fokus zuvor­derst auf den Endpunkten Wiederaufnahmerate und Mortalität liegt.

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„Wir haben 37 Prozent Versicherte mit einer Herzerkrankung, die Rate an Wiederein­weisungen nach einem stationären Aufenthalt liegt bei 25 Prozent“, sagte Daniela Teichert, designierte Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. Darüber hinaus sei es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, die Krankenhaussterblichkeit an Herzerkran­kungen, etwa dem Myokardinfarkt, deutlich zu senken, so Darius. Auf die Gesamt­sterb­lichkeit habe sich dieser Erfolg aber nicht übertragen. Den Grund hierfür sieht der Kardiologe unter anderem darin, dass die Patienten nach der Entlassung „eine Sek­torgrenze überschreiten“.

Seit Mitte 2018 wurden 900 Patienten für das Projekt rekrutiert, jeweils zur Hälfte für die Interventionsgruppe mit Betreuung durch einen Cardiolotsen und zur Hälfte als Kontrollgruppe, die den Standard-of-Care erhält. Geplant sind 2.280 Patienten pro Gruppe. Das Follow-up wird letztlich ein bis zwei Jahre betragen.

140 der bislang eingeschlossenen Herzpatienten – 70 in der Interventions- und 70 in der Kontrollgruppe – werden von der Cardiolotsin Bilge Kilincsoy betreut. Die gelernte Arzthelferin und Diätassistentin wurde wie zehn weitere Cardiolotsen in Berlin durch eine zweimonatige Weiterbildung für ihre neue Aufgabe qualifiziert.

Der erste Kontakt zum Patienten findet – anders etwa als bei der Aufnahme in DMP – bereits am Krankenbett des Patienten statt. Kilincsoy betont, wie wichtig der persön­liche Kontakt zu den Patienten sei: „Es ist wichtig, die Patienten für das Projekt zu be­geistern. Oft sind sie ganz bewegt, dass sich jemand um sie kümmert.“

In regelmäßigen Telefonanrufen erkundigen sich Kilincsoy und ihre Kollegen nach dem Befinden der Patienten, helfen bei der Terminfindung für Kontrolluntersuchungen, unterstützen bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme oder der Suche nach Herzsportgruppen. „Die Therapiehoheit bleibt beim betreuenden niedergelassenen Haus- oder Facharzt, aber die Cardiolotsen helfen den Patienten, die verordnete Therapie besser umzusetzen“, so Darius.

Sollte sich herausstellen, dass sich der Einsatz von Cardiolotsen als vorteilhaft er­weist, sei es hinsichtlich Wiederaufnahme, Mortalität, Lebensqualität der Patienten, aber auch Kosten, sei das Ziel die Übernahme in die Regelversorgung, sagte Darius. © nec/aerzteblatt.de

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