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Ärzteschaft

AkdÄ informiert über orale Antikoagulation bei nicht valvulärem Vorhofflimmern

Dienstag, 10. Dezember 2019

/crevis, stock.adobe.com

Berlin – Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat eine neue Auf­lage des Leitfadens „Orale Antikoagulation bei nicht valvulärem Vorhofflimmern“ vorge­stellt.

In den Vorgängerausgaben hatte die AkdÄ zur oralen Antikoagulation bei nicht valvulä­rem Vorhofflimmern empfohlen, Vitamin-K-Antagonisten (VKA) bevorzugt vor den di­rek­ten oralen Antikoagulanzien1 (DOAK) einzusetzen. Zu den wesentlichen Gründen gehör­ten fehlende Antidota gegen die DOAK und fehlende Daten zur Langzeitsicherheit bei vergleichbarer Wirksamkeit.

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Das hat sich nun geändert: „Die AkdÄ ist der Auffassung, dass zur Antikoagulation bei nicht valvulärem Vorhofflimmern neben dem Einsatz eines VKA inzwischen auch die An­wendung eines DOAK und insbesondere von Apixaban vertretbar ist“, heißt es im Vorwort des neuen Leitfadens.

Der Grund dafür ist, dass die DOAK seit mehreren Jahren auf dem Markt sind. Zwar wür­den Sicherheitsaspekte weiterhin diskutiert, „das Auftreten einer bisher nicht bekannten Nebenwirkung scheint mittlerweile aber unwahrscheinlich“, so die AkdÄ-Autoren.

Außerdem seien gegen Dabigatran, Apixaban und Rivaroxaban Antidota zugelassen, auch wenn ihre klinische Wirksamkeit bisher noch nicht sicher beurteilt werden könne, bei­spiels­weise weil in den Zulassungsstudien eine Vergleichsgruppe fehlte.

Der Leitfaden informiert über die in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe zur oralen An­ti­koagulation bei nicht valvulärem Vorhofflimmern: die VKA, den direkten Thrombin­hemmer Dabigatran und die Faktor-Xa-Hemmer Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban.

Besprochen werden auch die beiden verfügbaren Antidota: Idarucizumab gegen Dabigatran und das neue Antidot Andexanet alfa gegen Apixaban und Rivaroxaban. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 23:10

Luxusproblem

Der ganz gravierende Nahteil von Phenprocoumon ist de lange Wirklatenz, die jede Zahnbehandlung, jede dringliche chirurgiche Indikation unnötig riskant macht. Meine 95-jährige Mutter ist beinahe an einem Pappillenstein krepiert, weil es trotz Vitamin K fast eine Woche dauerte, den INR-Wert auf ein vertretbares Maß für die Papillotome zu senken.
Mit einem DOAK genügt eine Wartezeit von 48 Stunden selbst für große chirurgische Eingriffe...
Unter Phenpro wie auch DOAKs kann eine akute Blutung nur mit Fresh-frozen-Plasma oder Infusion von Faktor Xa kontrolliert werden, da gibt es keinen Unterschied! Wobei die Antidota wahrscheinlich schneller verfügbar und sofort wirksam sind.
Avatar #26589
nordman
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 22:55

Seltsam ...

... und erstaunlich wie man auf Seiten der AkdÄ noch seine Position zum „guten, alten Phenprocoumon“ verteidigt!
Warum ist denn das nicht gerade als unkritisch und pharmanah bekannte IWQiG zu ganz anderen Schlussfolgerungen im AMMOG Verfahren gekommen?
Die starke Fokussierung auf u.a. die kaum notwendigen Antidote geht an den Problemen der klinischen Medizin völlig vorbei....
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 19:18

Interpretation Bias?

Ich habe den langen Text der AKDÄ heute gelesen, und daraus völlig andere Schlüsse gezogen. Nach wie vor empfiehlt die AKDÄ die bevorzugte Anwendung von VKA! Es zeichnet sich lediglich ab, dass die Risiken der NOAK bei korrektem Einsatz nur wenig höher liegen als die von VKA - aber der Preis! Haben wir in unserem Gesundheitssystem Geld zu verschenken für fast so gute Innovationen?!
Auch zu den Antidota gibt es die klar Aussage, dass deren Nutzen in keiner Weise ausreichend belegt ist!
Die Darstellung hier im DÄ ist rhetorisch im Sinne der Pharmaindustrie manipuliert!
Dr. Peter Pommer
LNS