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Medizin

Warnung vor vorzeitigem Einsatz von Chloroquin-Azithro­mycin-Kombinationstherapie gegen COVID-19-Infektionen

Mittwoch, 25. März 2020

/Goffkein, stock.adobe.com ekg

Frankfurt am Main – Deutsche Kardiologen warmen vor dem versuchsweisen Einsatz des Malariamittels Chloroquin in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin bei COVID-19-Patienten.

Sie reagieren damit auf „fahrlässige Äußerungen“ des US-Präsidenten Donald Trump, der diesen Therapieversuch als „Durchbruch“ bezeichnete, obwohl der Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten der USA, Anthony Fauci, ihm widersprach: Es gebe bislang nur vereinzelte Berichte über eine Wirksamkeit Chloroquin bei SARS-CoV-2-Infektion, „aber keine ernsthaften klinischen Studien“, so ein dpa-Bericht.

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„Erst recht gibt es keine ernstzunehmenden Berichte über die Kombinationstherapie von Chloroquin und Azithromycin“, betonte Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Man weiß aber, dass jedes der beiden Medikamente zu bösartigen Herzrhythmusstörungen führen kann und sich eine Kombinationstherapie beider Medika­men­te eigentlich verbietet.“

Sie müsse zuvor in klinischen Studien erprobt werden. Beide Wirkstoffe könnten in seltenen Fällen – häufiger aber bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung – Kammer­flim­mern mit Todesfolge auslösen. Der zugrundeliegende Mechanismus sei für beide Wirkstoffe ähnlich: eine Verlängerung des QT-Intervalls und eine damit einhergehende elektrische Instabilität des Herzens (Long-QT-Syndrom).

Sollte sich in derzeit laufenden klinischen Studien herausstellen, dass eine solche Kombi­na­tionstherapie effektiv sei, „müsste diese unter EKG-Monitor-Kontrolle und intensivmedi­zi­nischer Überwachung durchgeführt werden“, sagte Klaus von Olshausen, ehemaliger Chef­arzt der Abteilung für Kardiologie der Asklepios-Klinik Hamburg Altona.

In diesem Fall könnte eine kombinierte Therapie beider Medikamente trotz ihrer Risiken durchaus infrage kommen. Unter welchen Bedingungen und unter welcher Überwachung, sei dann zu klären.

Die bisherigen Erfahrungen zur Behandlung von COVID-19 Infektionen beziehen sich nach Angaben der Kardiologen vorwiegend auf Chloroquin als Einzeltherapie. Zur Kombinations­therapie mit Azithromycin lägen keine belastbaren klinischen Ergebnisse vor.

Meinertz ergänzte, dass das Risiko tödlicher Herzrhythmusstörungen unter Chloroquin-Monotherapie – trotz der relativ hohen Dosierung von zweimal 500 mg täglich –deutlich geringer sei als bei einer Kombinationstherapie: „Es ist zu erwarten, dass hier mögliche günstige Wirkungen die negativen Auswirkungen auf den Herzrhythmus überwiegen.“

Chloroquin konnte in Zellkulturen die Vermehrung des SARS-CoV-2 hemmen. Die University of Oxford untersucht die Wirkung derzeit in einer plazenbokontrollierten Studie mit 10.000 Teilnehmern.

In Spanien am Lihir Medical Centre werden 2.900 positiv getestete COVID-19-Patienten im Rahmen einer Studie Chloroquin in Kombination mit Darunavir/Cobicistat erhalten. Und Mediziner des Instituts für Tropenmedizin in Tübingen testen das Malariamittel plazebo­kontrolliert an einer moderat an Covid-19 erkrankten Patientengruppe. © zyl/aerzteblatt.de

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Avatar #111918
wgbernhard
am Freitag, 27. März 2020, 18:57

Chloroquin bei Corona

Die Bedenken der kardiologischen Kollegen sind berechtigt. Aber das Abwarten und der Hinweis auf eine prospektive, randomisierte multizentrische Studie angesichts der Situation eher unangemessen! Die Mechanismen der potenziellen Wirksamkeit und Beurteilung existierender und ernsthafter vorläufiger Daten sollten wir, wenn wir es nicht selbst verstehen, eher Immunologen und Zellbiologen statt Kardiologen überlassen.
Avatar #734056
FrankWenner
am Donnerstag, 26. März 2020, 21:58

Hydroxychloroqin..wenn es denn wirklich wirken sollte...

käme als Alternative zur oralen Therapie eine inhalative - galenisch
aufbereite Applikation ( z.B.als Aerosol) - in Betracht? Würde es von den Zellen des respiratorischen Epithels ausreichend aufgenommen- welche HWZ in diesen Zellen hätte es, wäre die intrazelluläre HWZ zu kurz?
Vielleicht könnten sich die Risiken der oralen Gabe ( vor allem Verlängerung der Qt-Zeit), reduzieren lassen, da man eine geringere Dosierung benötigen würde. Vielleicht kennt jemand einen Kollegen mit pharmakologischer und lungenfachärztlicher Expertise.
LNS