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Medizin

SARS-CoV-2: Israel hält Myokarditis für mögliche Impfkomplikation – und erweitert Impfempfehlung

Freitag, 4. Juni 2021

/Daniel CHETRONI, stock.adobe.com

Jerusalem – Experten des israelischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums halten es für möglich, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2, die in Israel ausschließlich mit Comirnaty von Biontech/Pfizer erfolgt, für eine Reihe von Myokarditisfälle verantwortlich ist, die vor allem bei jungen Männern im Alter von 16 bis 19 Jahren beobachtet wurden. Dies hat die Behörde allerdings nicht davon abgehalten, die Impfempfehlung auf die Gruppe der 12- bis 15-Jährigen auszuweiten.

Laut einer Pressemitteilung des israelischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums von 2. Juni wurden zwischen Dezember 2020 und Mai 2021 insgesamt 275 Fälle einer Myokarditis gemeldet. Davon sind 148 Fälle in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten: 27 Fälle wurden nach der 1. Dosis unter 5.401.150 Millionen Geimpften beobachtet. Darunter waren 11 Personen mit Vorerkrankungen. Die anderen 121 Fälle traten nach der 2. Dosis auf, die in Israel bisher 5.049.424 Personen erhalten hatten. Unter den 121 Fällen waren 60 Personen mit Vorerkrankungen.

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Die meisten Patienten verbrachten laut dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium bis zu 4 Tage im Krankenhaus, 95 % der Erkrankungen wurden als leichte Fälle eingestuft.

Nach Einschätzung eines vom israelischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium beauftragten Expertenteams besteht eine „gewisse Wahrscheinlichkeit für einen möglichen Zusammenhang" zwischen der 2. Impfdosis und dem Auftreten einer Myokarditis bei jungen Männern im Alter von 16 bis 30 Jahren. Die Assoziation war bei den Teenagern am stärksten und wurde mit zunehmendem Alter der Geimpften schwächer.

Da die meisten Erkrankungen milde verliefen und die Patienten sich in der Regel innerhalb weniger Tage erholten, gibt es aus Sicht der Experten keine Bedenken gegen die Impfung. Das Gesundheits­ministerium hat tags darauf die Impfempfehlung sogar auf die Gruppe der 12- bis 15-jährigen Kinder und Jugend­lichen ausgeweitet. Die Pressemitteilung zur erweiterten Impfempfehlung weist erneut auf die niedrige Inzidenz und den in der Regel komplikationslosen Verlauf der Myokarditis hin.

Bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sind bis zum 28. Mai 107 Berichte über Myokarditiden nach der Impfung mit Comirnaty eingetroffen. In Deutschland waren es nach dem letzten Sicherheits­bericht des Paul Ehrlich-Instituts bis zum 30. April insgesamt 16 Meldungen, von denen 12 innerhalb 1 Woche nach der Impfung auftraten.

In den USA sind dem „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) mehrere Myokarditisfälle gemel­det worden. Die CDC nannte am 27. Mai keine Zahlen. Wie in Israel waren meist männliche Jugend­liche und junge Erwachsene ab 16 Jahren betroffen, die häufiger die 2. Impfdosis von Comirnaty erhalten hatten. Die Fälle wurden in den USA aber auch nach einer Impfung mit mRNA-1273 von Moder­na gemeldet, der in Israel nicht im Einsatz ist.

Über den möglichen Pathomechanismus gibt es derzeit keine Erkenntnisse. US-Experten spekulierten gegenüber Science, dass die hohen Antikörpertiter die die mRNA-Impfstoffe erzeugen, zu einer Über­reaktion des Immunsystems geführt haben könnten, das dann auch das Herz angreife. Das sind aller­dings nur erste Überlegungen, die nicht durch Untersuchungen belegt sind. © rme/aerzteblatt.de

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